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Designer Kasper Salto und die "Trusteeship Council Chamber" im New Yorker Uno-Hauptquartier, wie sie ab Mitte nächsten Jahres aussehen soll.



Kasper Saltos Sessel "Nap", den er für Fritz Hansen entworfen hat (erhältlich bei Bene).
der Standard: Sie entwarfen neue Möbel für die "Trusteeship Council Chamber" der Uno in New York. Was ist das für ein Raum?
Kasper Salto: In diesem sehr bedeutenden Saal finden mehr als 400 Versammlungen pro Jahr statt. Es gibt hier aber auch Konzerte. 400.000 Besucher werden jährlich durchgeschleust. Das Originaldesign stammt von 1952 und wurde vom dänischen Designer Finn Juhl entworfen. Darum heißt dieser Ort auch "Finn Juhl Chamber". Zu seiner Zeit wurden an diesem Ort vor allem die Belange der Kolonialmächte verhandelt. Die Atmosphäre und die Akustik sind toll. Es ist, als würde man sich in einer Zigarrenkiste befinden.
Was stimmte denn mit den alten Möbeln nicht mehr?
Salto: Die Möbel waren einfach, sagen wir 'altersschwach' und wackelig. Außerdem wurden sie den Anforderungen nicht mehr so gerecht.
Was genau haben Sie entworfen?
Salto: Mein Partner, Thomas Sigsgaard, und ich gestalten die Möbel für den zentralen Bereich, wo die Sekretärinnen und Sekretäre sitzen, ferner die Tische für die Delegierten. Und wir mussten mehr Platz schaffen, das heißt, eine Lösung finden, wie die Delegierten und Berater enger zusammenrücken können, denn es werden immer mehr.
Was unterscheidet diesen Design-Job von anderen?
Salto: Es gibt so viele Dinge, die man bei so einem Auftrag berücksichtigen muss. Immerhin geht es hier um einen der wichtigsten Besprechungsorte der Welt. Die Menschen müssen dort viele Stunden verweilen. Die Sekretäre sitzen in der Mitte des Saales, wie auf einer Art Bühne. Alle schauen auf sie. Darum wollten wir eine Art beschützte Atmosphäre für diese Leute schaffen. Uns schwebte die Idee eines Nests vor. Wie dreht man den Sessel gut, wie können wir das Risiko vermindern, dass jemand über ein Sesselbein stolpert, wie verschieden sind die Körpermaße der einzelnen Benützer? Auch das sind Fragen, die es zu stellen gilt.
Gibt es ein Gebäude, für das Sie besonders gern die Meublage entwerfen würden?
Salto: Wenn Sie mich das vor drei Jahren gefragt hätten, hätte ich gesagt für die Uno in New York.
Wie lange dauert eine Sesselwerdung generell? Ich meine von der ersten Idee bis zum Tag, an dem ich ihn im Geschäft kaufen kann?
Salto: Das hängt sehr stark vom Briefing ab. Wie viele Funktionen muss er erfüllen? Wie viele Varianten in welchem Material sollen am Ende herauskommen? An meinem Sessel "Ice" für Fritz Hansen saß ich vier Jahre, Tag für Tag. Auch der Kommunikationsaufwand ist ein Wahnsinn.
Das ist fast so lange wie die Entwicklung eines neuen Automodells.
Salto: Ja, aber an einem Auto arbeiten riesige Teams in verschiedenen Abteilungen.
Warum müssen überhaupt noch neue Sessel entworfen werden? Gibt es nicht genug schöne, funktionale, komfortable Sitzgelegenheiten?
Salto: Glauben Sie mir, diese Frage hab ich mir oft gestellt. Klar könnte man sagen, stopp, es gibt genug gute Sessel. Aber das könnte man ja auch von Autos oder Computern sagen.
Aber die Neuerungen bei Autos oder Computern sind in der Regel doch offensichtlicher als bei einem Objekt auf dem man letztendlich nur sitzt.
Salto: Das stimmt, aber unser Lifestyle ändert sich auch stark in Sachen Möbel. Vor 20 Jahren saß niemand an seinem Küchentisch mit einem Laptop und hat gearbeitet und mehrere Meetings besucht.
Sie sagen, "im Design geht es für mich um Relevanz". Von welcher Relevanz sprechen Sie. Und wie bringen Sie diesen in die Form eines Sessels?
Salto: Es geht um den Menschen. Ich beobachte Menschen die ganze Zeit. Was tun sie? Wie tun sie es? Was mögen sie am Sitzen? Da entdeckt man viel. Wenn man Leute im Restaurant beim Essen zuschaut, kann man sehen, dass viele niemals die Rückenlehne eines Sessels berühren. Dabei ist die für uns Designer so wichtig. Es ist das Erste, das man an einem Sessel sieht. Über solche Dinge nachzudenken ist mein Job.
Gibt es Möbel eines österreichischen Designers, die Sie schätzen?
Salto: Ich war gestern in der Loos-Bar. Dort hat es mir sehr gut gefallen.
Schauen Dänen anders auf Möbel, als, sagen wir, Österreicher?
Salto: Ich denke, dass Dänen mit Möbeln von berühmten Designern leben. Und das ist normal für sie. Sie machen keinen Wind darum, wie vielleicht andere. Gutes Design ist etwas Natürliches für uns.
Gibt es für Sie den Sessel aller Sessel?
Salto: Da lande ich bei Charles and Ray Eames - und bei Poul Kjaerholm. Das sind die Meister. Die Eames haben die Kunst des Sitzens durchschaut. Die 3107-Serie von Arne Jacobsen aus dem Jahre 1955 kommt mir natürlich auch in den Sinn.
Wenn man in einem Sessel einschläft, ist das ein gutes oder schlechtes Argument für den Entwurf?
Salto: Das hängt von seinem Einsatz ab. Es gibt tatsächlich Cafés, die bewusst mit unbequemen Sesseln bestückt sind, damit die Leute schneller wieder gehen und Platz für den nächsten Gast machen. In einem Spa ist es natürlich nicht so schlecht, wenn man darin einschläft.
Nehmen wir Ihren Sessel "Nap" her. "Nap" bedeutet Nickerchen. Er sieht nicht unbedingt danach aus.
Salto: Nap steht für 'normal', 'aktiv' und 'passiv'. Das sind die drei Hauptformen des Sitzens. Nap soll ermöglichen zu switchen. Man kann darin arbeiten oder sich in einem Meeting langweilen. Ein Nickerchen wird man darin eher nicht machen, außer man ist Japaner. Die schaffen es, aufrecht zu sitzen und dabei einzuschlummern.
(Der Standard/rondo/30/09/2011)
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