Schokorevolutionär

Der Schmelz sei mit dir!

30. September 2011, 06:15
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    Auch Reisen nach Brüssel können Inspiration sein: Sein "Huevo Atomico" erschuf Balaguer, nachdem er das Atomium besichtigt hatte (oben). Den Mond anheulen reichte bei "Luna" (unten).

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    Das Ei als Symbol der Kreation inspiriert Oriol Balaguer seit Jahren - ihm widmet er immer neue, abenteuerliche Schokoskulpturen.

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    Pralinen in Kakaobohnenform, mit Füllungen, die selbst abgebrühte Gourmets in erstaunte Verzückung versetzen.

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    Oriol Balaguer - laut Ferran Adrià der "womöglich bestausgebildete Pâtissier Spaniens".

Der spanische Pâtissier und Chocolatier Oriol Balaguer gilt als Revolutionär seiner Zunft - Dabei hat der Katalane nur seinen Kindheitstraum verwirklicht

Mascletà - Feuerwerk - heißt die Praline in Kakaobohnenform, und sie ist ein Bestseller. Denn kurz nach dem ersten Bissen sperren Schokoholics erstaunt Augen und Mund auf - und lachen. Das Feuerwerk trägt seinen Namen zu Recht: Die Brausekugeln in der zartschmelzenden Pralinenmasse explodieren minutenlang auf der Zunge. Erfunden hat diese Praline samt ihrem Namen Oriol Balaguer.

Der 39-jährige Katalane ist der stille Superstar unter den spanischen Pâtissiers. Dass die "Pop Rocks", die an Freibad-Abenteuer in lange vergangenen Sommerferien erinnern, in der Praline monatelang "scharf" bleiben, ist der Akribie und der Erfahrung Balaguers zu verdanken - normalerweise lässt ihre explosive Wirkung in solch feuchtem Umfeld rapide nach. Wie überhaupt Mascletà Balaguers Philosophie recht gut transportiert: Die edle, kühle Verpackung, die (stets wiederkehrende) Form als Hommage an die Kakaobohne, der Glanz als Zeichen perfekten Handwerks, die idealtypisch schmeckende Pralinenmasse mit leichter Salzigkeit und zartem Mandarinenduft - und dann das total verspielte Überraschungsmoment, der Lärm, der aus der Praline für Erwachsene kommt.

Einmalige Erfahrung

Balaguer hat seinen Beruf gelernt, wollte von Kindheit an in die süße Küche. Mit 21 wurde er "Bester Konditor Spaniens", kurz danach kam er ins Team von Ober-Koch Ferran Adrià, der ihm nach wie vor Rosen als "womöglich bestausgebildetem Pâtissier Spaniens" streut. Aus einem geplanten Jahr in der Werkstatt des El Bulli wurden sieben. Das ist zehn Jahre her.

Und wenn er heute in seinem kleinen Büro ohne Tageslicht hinter dem "Studio" - der Schoko-Manufaktur - davon spricht, hört man immer noch den Respekt und die Dankbarkeit durch, am Erfolg des legendären Restaurants mitgearbeitet zu haben: "Die Erfahrung war einmalig. Am meisten hat mich beeinflusst, wie man Kreativität umsetzen kann. Wir haben uns immer gefragt, ob etwas anders geht, haben gelernt, alles zu hinterfragen." Balaguer sieht sich demnach auch nicht bloß als Chocolatier, sondern als Koch, Pâtissier und Bäcker.

Er liebt das Spiel mit Texturen. Inspirieren lässt er sich auf Reisen, durch Architektur und Design. In seinem Büro stehen schwere Bildbände, die er aus dem Regal zieht, um seine Vorstellungen von Form und Fragilität, von Skulptur und Struktur zu verdeutlichen. Schokolade ist für ihn das Grundprodukt mit der meisten Persönlichkeit. Aber um mit ihr "spielen" zu können, so Balaguer, ist viel Wissen über Temperaturen und Verhältnisse, über Konsistenzen und Techniken nötig.

So ist sein Dessert "Paradigma" entstanden, ursprünglich aus sieben Texturen Schokolade bestehend - und 2001 zum "Besten Dessert der Welt" gekürt. Mittlerweile sind es acht Texturen, die man der spiegelglänzenden Schokoladentorte von außen nicht ansieht. Das Rezept dafür steht in seinem - selbstverständlich zum besten der Welt gekürten - Dessert-Buch, das eine Pflichtanschaffung für Gastronomen sein sollte, die den immergleichen "flüssigen Schokoladekuchen" satthaben. Pro Kreation setzt er oft nur eine oder ganz wenige geschmacksintensive Zutaten ein. In Kombination mit den Texturen von cremig und knusprig, flüssig und schaumig, geleeförmig und prickelnd ist ein harmonischer Gesamteindruck oberste Prämisse.

Besser als Fußball

"Er hört nie auf zu lernen, zu experimentieren und zu motivieren", sagt Jakob Masana über seinen Freund Oriol Balaguer. Gemeinsam sind sie in Tarragona aufgewachsen. Aus der Sandkastenfreundschaft hat sich 2007 eine Geschäftsbeziehung entwickelt. Masana, dessen Vater Spanier ist, lebt schon lange in Niederösterreich und hat von hier aus den Generalimport für Österreich und Deutschland aufgebaut. Er erzählt, dass Balaguer als Jugendlicher sogar ein Angebot des FC Barcelona ausgeschlagen habe, weil er nicht Fußballer, sondern, wie sein Vater, Konditor werden wollte.

Heute hat Balaguer zwei Läden in Barcelona, je einen in Madrid, Tokio und Riad. Vergangenes Jahr überraschte er all jene, die in ihm nur den Molekular-Chocolatier sahen: Er hat in Barcelona die Bäckerei "Classic Line" aufgemacht, in der er traditionell und langsam geführte Brote anbietet. "Ein Bäcker macht auch Croissants - warum soll ich kein Brot machen?", erklärt er in der ihm eigenen entwaffnenden Art. "Brot ist meine Liebe, meine Leidenschaft. Ich genieße es mehr, wenn ich einen Hefeteig mache, als wenn ich Schokolade verarbeite." Einen Grund, sich auf irgendetwas zu beschränken, ein klares, schlankes Portfolio zu führen, sieht er nicht.

Wien ist altmodisch

Woher diese augenscheinliche Kreativität in der Stadt und deren Umland komme? "Barcelona ist kosmopolitisch, avantgardistisch. Malerei, Architektur und Design sind wichtig. Warum ist gerade das Silicon Valley zum Technologie-Zentrum geworden," gibt Balaguer die Frage zurück.

Ob er so eine süße Revolution auch in Wien, der Stadt, die für ihre Mehlspeisen Weltruhm genießt, für möglich halte? Die Antwort fällt ernüchternd aus: "In Wien ist alles so altmodisch. Hier in Barcelona traut man sich etwas - und wird dafür geschätzt."

Viele seiner Rohstoffe wie Safran oder Olivenöl kommen aus Spanien, ebenso die Kikos (geröstete Maiskörner), die er in einer anderen Praline verarbeitet. Bei der Schokolade verlässt er sich noch auf die französische Top-Marke Valrhona. Die Kuvertüre "Oriol 70 %" wird nach seinen Wünschen hergestellt. Die 3000-Kilo-Mindestbestellmenge reichen im Dezember genau einen Monat. Im Frühjahr war er in Peru, um sich ein neues Projekt anzuschauen: Dort sollen ehemalige Coca-Plantagen in Bio-Kakao-Plantagen umgewandelt werden. Reine Plantagenschokoladen sind aber kein Thema für ihn. Die würden nur einen Aspekt abdecken, den Geschmack. Und das ist für einen wie Oriol Balaguer viel zu wenig. (Katharina Seiser/Der Standard/rondo/30/09/2011)

Die Pralinen von Oriol Balaguer gibt es online beim Generalimporteur www.schokolade-shop.com und in Wien bei Schokov, Siebensterng. 20, 1070 Wien.

Kommentar posten
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katharina seiser
02
1.10.2011, 23:31
bilder aus balaguers werkstatt

wer gerne ein paar zusätzliche reportage-bilder von balaguer und seinem "studio" in barcelona sehen möchte, bitte schön: http://www.esskultur.at/index.php... barcelona/

A Voice
01
2.10.2011, 18:51
Danke

A Voice
00
1.10.2011, 22:49
nur?

wieso "nur"?

wunderschön schauen die Dinger aus :-p

whose ass to kick?
01
30.9.2011, 17:09
überkanidelter tinnef.

whose ass to kick?
00
1.10.2011, 21:35

äh......kandidelter.....

G-Frasta
00
30.9.2011, 14:47

Erinnert mich definitiv sehr stark an Gaudí..
Als ich las "Katalane" hat's Klick gemacht!

General Cornwell
52
30.9.2011, 13:22
Wien ist nicht altmodisch

Wien ist der schönste Flecken Erde auf dieser großen, weiten Welt!

Kernseife
00
17.10.2011, 19:33

am schönsten is halt doch daham

Papa Radzy
00
11.10.2011, 17:27

schonmal in kagran gewesen? :o

whose ass to kick?
00
30.9.2011, 17:10

pflichte ihnen bei - wien ist wunderschön.

mango34
51
30.9.2011, 16:32
wien finden sie schön?

wien ist nichts anderes als ein haufen gefängniszellen die man sich mieten kann (ausgenommen stadthäuser und wien umgebung) , es ist an fast jeder ecke dreckig, in der nacht muss man angsthaben wenn man durch die city geht, prestigeobjekte neben obdachlosen heimen (nichts gegen obdachlose), kaufen sie sich ein haus in einer ländlichen gegend, denn erst dann wissen sie wie sich das leben außerhalb der menschlichen "fabrik" anfühlt... und außerdem brauchen sie auch kein SUV um glücklich zu werden ;)

Papa Radzy
00
11.10.2011, 17:28

stimme dem vollkommen zu,
irgendwie hat sich die situation in den letzten jahrzehnten drastisch verschlimmert.

jumpingjack flash
10
30.9.2011, 18:29

wean du bist a taschnfeitl unta an himml voi schödlweh, a zehnmoi okochts brnheitl auf des i net haas bin und trotzdem so steh.....
haben schon heller und qualtinger gesungen - ich bin süchtig auf wien!

Peraí!
13
30.9.2011, 14:03

Und ein bissl altmodisch ist hin und wieder auch in Ordnung. Gerade bei der Zuckerbäckerei.

André Lant
00
30.9.2011, 13:35
General!

In der Pensi können Sie ruhig auf Reisen gehn, und die "grosse weite Welt" begutachten. Wenn Sie wieder daham sind, dann können Sie weiter dozieren, aber dann mit Erfahrung!

jumpingjack flash
01
30.9.2011, 12:39
muss/soll schoko schön aussehen

vielleicht ein thema für pro und kontra.
für mich eher nicht - ist doch schad drum soviel aufwand für die skulptor zu betreiben wenn sie dann eh aufgefressen wird.
zum eindruck zu schinden, als geschenk natürlich schon - aber sonst? mich stört auch der verpackungswahnsinn, bishin zur mogelpackung etwas - soviel palstik und papier für so wenig schoko.
wer schnitz seine kartoffeln vor dem essen, er flicht aus lungenbraten kunstvolle zöpfe? warum grad mit schokolade?

ubu roi
00
1.10.2011, 22:32

ich glaube diogenes wars oder ein kyniker-kollege, der stolz darauf war, kein geschirr außer einem holzbecher zu benötigen. bis er jemanden gesehen hat, der mit der hohlen hand wasser aus einem fluss geschöpft hat. den becher hat er gleich weggeschmissen und sich selbst einen volltrottel, ein weichei und einen schattenparker geschimpft. die moral von der geschicht: wer mit einer tonne als eigenheim zufrieden ist und trinkgefäße für luxus hält, braucht auch keine schön präsentierte schokolade. ich schon.

jumpingjack flash
00
2.10.2011, 21:12

schön - ich gehöre offensichtlich zur philosphenschule des diogenes - ich trinke aus der flasche oder bei wanderungen das frische klare wasser mit der hand, oder direkt aus der quelle in den mund. hab aber einen freund der wie sie? immer so einen klappbecher bei der hand hat.
was zahlen sie für so eine eierskulptur? schätze es ist ein vielfaches vom preis in tafelform.

ubu roi
00
2.10.2011, 21:42

ist ja auch ein vielfaches an arbeit.

jumpingjack flash
00
2.10.2011, 22:21

natürlich - ich bewundere sie eh ein bissl - aber hab weder die viele kohle noch die einstellung - ich denk mir für ein 1 lobmayer glas bekomm ich 10 flaschen wein....
ich find es auch unlogisch - ich schnitze mir keine karotten, ich verziere meine butter nicht, ich esse keine brotskulpturen - warum bei schokolade?
wobei wie gesagt für anlässe und geschenke, hochzeiten ect. mach ichs auch.
aber marzipan privat aus der "wurst" und nicht als kastanie vom heiner.

ps.: was kostet so eine skulptur? konnte nirgends einen preis finden.

ubu roi
00
3.10.2011, 10:23

keine ahnung, habe noch keine gekauft.

Bekka
 
01
30.9.2011, 11:23
ach ja

und wieder einmal die unvermeidliche schokov-werbung.

agent provokateur
01
30.9.2011, 10:06

ich lenke ja nur ungern vom schoko-thema ab, aber:

was sind denn "langsam geführte Brote"?

katharina seiser
00
30.9.2011, 10:30
recht haben sie

damit treffen sie einen wunden punkt, das dachte ich mir nämlich beim kürzen des textes auch schon. aber sie wissen, wie's gemeint ist, stimmt's? mehrstufig geführter sauerteig, lange teiggare, ordentliches brot halt.

agent provokateur
00
30.9.2011, 10:36

jein, so richtig habe ich das nicht verstanden. zuerst dachte ich an einen tipp fehler (gerührte) doch war mir relativ klar, dass man brote nicht rührt :o) sondern nur den teig. der begriff "geführter" teig war mir nicht geläufig.

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