Code Orange

23. September 2011, 17:14
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    foto: apa/georg hochmuth

    Orangenaromen, von der Blüte über die Zeste bis zur Frucht.

Luzia Schrampf deklariert sich als Fan von Natural Wines

Ein Begriff wird über englischsprachige Weinmedien verbreitet und bürgert sich langsam ein. "Natural Wines" fasst Weine zusammen, bei denen der Mensch nicht oder nur minimalst in die Weinwerdung eingreift. Eine offizielle Definition fehlt bisher. Die Bandbreite der Weine ist daher riesengroß und reicht von amphorenvergoren und bio bis zur Verweigerung der Zuckerzugabe. Am nächsten kommt das englische Wikipedia, das darunter Trauben, Moste und Weine zusammenfasst, denen nichts hinzugefügt (Zucker, Tannin etc.) und nichts weggenommen wurde (Säurekorrektur, Schönung, Filtration).

Ins Deutsche übersetzt, kommt man auf "Naturwein" oder "natürlichen Wein", was aber rechtlich gesehen verboten ist. Denn dieser Begriff torpediert jegliche Gesetzesidee von Wein als natürlichem Produkt, wenden Juristen ein. "Wein im ursprünglichen Sinn" nennt man sie manchmal auf Deutsch, gern auch "orange Weine". Das spielt sowohl auf die oft dünklere Farbe dieser Tropfen an, als auch auf das, was zu riechen ist: Orangenaromen, von der Blüte über die Zeste bis zur Frucht.

Griffiges Verkaufsargument

Vor allem in jener (außerösterreichischen) Restaurantszene, in der Natur pur in der Küche regiert, finden diese Weine immer höheren Zuspruch. Viele Restaurants im In- und Ausland gehen dazu über, Weine dieser anderen Art eigens zu kennzeichnen. Was vor wenigen Jahren die Verdammnis als Ladenhüter bedeutete, ist heute also ein griffiges Verkaufsargument.

Natural Wines sind jedoch auch umstritten. Ihr Geschmack widerspricht oft sehr vielem, womit Otto Normaltrinker sozialisiert und was Lieschen Weinauskennerin gelehrt wurde. Die Aromen reichen von Holzschutzmittel über Sojasauce, Tee, den erwähnten Orangen bis zu Kräutern auf nassen Steinen. Geschmacklich sind sie in den besten Fällen spannungsreich und äußerst lebendig und überzeugen öfter als im Geruch.

Fans lieben sie genau deshalb. Gegner lasten ihnen alles an, was nicht purer State of the Art ist. Wein-Neugierigen seien sie als besonders entdeckenswürdig ans Herz gelegt. Am überzeugendsten sind sie in einer gelungenen Speisen-Wein-Kombination. Ob sie die einzig wahre Zukunft im Weinglas sind, steht auf einem völlig anderen Blatt. Aber haben nicht Experimente die Menschheit weiter gebracht als more of the same? (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/23/09/2011)

sog i eh
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Verweigerung der Zuckerzugabe

also, das setze ich voraus!!
bei allen Weinen.

T. Lurker
00
9.10.2011, 12:17
Liebe Luzia!

So sehr ich ihre Meinung schätze und mit ihnen meistens konform bin - das sind Sachen die die Welt nicht braucht.

Ich hoffe, sie meinen nicht Weine wie die vom "Bioweinbau Raubal" in Gumpoldsskirchen! "Naturbelassener" Biowein vom schlimmsten ... !

T.L.

pedalritter
00
24.9.2011, 21:31
wo zu haben?

wo gibt es diese Weine zu kaufen? bzw. welche Winzer erzeugen diese Wein in NÖ?
klingt ja sehr interessant.

Lumpy
00
13.10.2011, 20:54
bei mir :-)

Ich wusste gar nicht, dass es dafür schon eine Fachbezeichnung gibt, da ichs bisher als Spinnerei meinerseits abgetan hatte...

Jedenfalls: Ich als Nebenerwerbswinzer produziere meine Weine wie hier beschrieben seit den ersten Schritten meiner Winzerkarriere. Ergebnisse sind ein Weissburgunder, der als solcher nicht so typisch ist, sich aber wandelt, je nach Luft und Temperatur. Der Blaufränker ist ein bissl eigen - tut als ob er Holz hat, niemals eins gesehen - ja und auf den Pinot Noir warte ich noch. Meine Weinderl sind - auch der Weisse - mindestens 2 Jahre alt, bevor sie zu haben sind. Auch ein Vorteil, wenn man nicht soviel eingreift...

Wenn Interesse, einfach melden: admin@teknow.cc

tramezzino
01
24.9.2011, 18:21
natural wines

also weinviertel noch bis vor 5 jahren ;-))

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