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Tipp: Vom 3. bis 9. Oktober präsentiert sich das Wuk entlang seiner Themenschwerpunkte jeden Tag neu, der Eintritt ist für das gesamte Geburtstagsprogramm frei: www.wuk.at/WUK30
Als 1860 John Gould Veitch Japan bereiste, war der Welt noch nicht ganz bewusst, was das für sie bedeuten würde. Das kann man ihr nicht vorhalten, jedoch rund 150 Jahre später für Aufklärung sorgen. Es war der Beginn einer bis heute andauernden Herrschaft einer Pflanze, die unter den Namen Mauerkatze, Wilder Wein oder Dreilappige Jungfernrebe berühmt wurde. Manche sagen auch liebevoll Veitschi oder gar Parthenocissus tricuspidata zu ihr.
Diese kerneudikotyledone Kletterpflanze ist innerhalb der unübersichtlichen Gruppe der Dankbaren die unangefochtene Chefin. Denn Veitschi wächst und wächst und wächst - und wenn man ihn nicht umhackt, wächst er immer noch. Mit mehr als 20 Meter Wuchshöhe schafft es der Wilde Wein locker, ganze Häuser zu überziehen und zu ummanteln. Er bewerkstelligt dies auf eine ausgesprochen friedliche, ja deeskalierende Art und Weise.
Schützen, kühlen, wärmen
Während seine optisch nahestehenden Kumpels Efeu Hedera helix und mit Abstrichen auch die Trompetenblume Campsis radicans mit zerstörerischer Wucht Kraft ihrer sich direkt am Stamm entwickelnder Wurzeln, die sich in an der Fassade festsaugen und den Stamm an diese und in diese hineinziehen, Häuserfassaden zum Bröseln bringen, saugen sich die aus Blätter gebildeten Saugplättchen des Veitschi nur ganz oberflächlich am Mauerwerk an, ohne dieses zu penetrieren oder den tragenden Stamm in irgendwelche Ritzen zu zwängen. Gleichsam einem neolithischen Penisfutteral, schmiegt sich der Veitschi um sein Gebäude, um es zu schützen, zu kühlen und zu wärmen.
"Gibt's nicht", sagen die Klimatechniker - "gibt's schon", sagt der Ingenieursbiologe O. Univ.-Prof. Dr. Florin Florineth von der Boku. In einem atemberaubenden Gutachten hat er die Auswirkungen der Mauerkatze auf die Backsteinfassade des Wuk in der Währinger Straße untersucht. Einige wenige, wahrscheinlich an die sechzig Jahre alte Pflanzen bedecken dort mehr als zweitausend Quadratmeter Gebäudefläche und geben seit dreißig Jahren den Wuk'schen Spektakeln die notwendige florale Seriosität. "Le Wuk, c'est moi", hört man den Veitschi im Wind rascheln, und man kann ihm getrost zustimmen.
Hohe Lebensqualität
Ähnlich der Entstehungsgeschichte des Wuk selbst, hat der Veitschi den Hof schleichend besetzt, sich langsam ausgebreitet und letztendlich sein Recht auf Bestand quasi ersessen. Im Frühsommer dient er im Rahmen der Blüte den Insekten als Futterstelle, im Herbst erfreut er mit seiner rot-orangen Pracht die menschlichen-, und im Winter ob seiner Früchte die gefiederten Besucher. Seine mikroklimatischen Funktionen sind laut der Boku-Studie ausgesprochen Lebensqualität- erhöhend.
Durch die Verdunstungsleistung der Blätter erhöht sich die Luftfeuchtigkeit im Hof, die Temperatur wird ebenda spürbar gesenkt, und selbst der Staub wird, an den Blättern haftend und mit ihnen abfallend, mikrobiell abgebaut. Und das Wichtigste: Die Fassade bleibt unbeschädigt. Das haben sie sich aber geschickt ausgedacht, die vom Wuk! (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/23/09/2011)
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