Duzen am Berg

  • Das "Sie" ist also der Grundstein der Überheblichkeit.
    foto: apa/diether endlicher

    Das "Sie" ist also der Grundstein der Überheblichkeit.

Pro: "Gegen die Kälte" von Karl Fluch - Kontra: "Oben hui, unten pfui" von Michael Simoner

+++Pro
Von Karl Fluch

Dass sich Menschen siezen, ist Unfug. Verantwortlich dafür war der erste Halbaffe, dem es gelang, nach Verrichtung seiner Notdurft nicht in den Haufen zu steigen. Um sich über weniger balancefähige Halbaffen zu erhöhen, erfand er - es war sicher ein Mann, wir stellen die größten Idioten - das "Sie". Das "Sie" ist also der Grundstein der Überheblichkeit. Noch vor Einführung der Kasten, Stände oder Klassen trieb dieses Zischen einen Keil zwischen die Menschen. Das "Sie" ist kein Ausdruck der Höflichkeit, sondern das Gegenteil davon. Nur wer Kälte und Distanz signalisieren will, verwendet es. Das Gegenmittel ist das "Du" als niederschwelliger Vermittler. Du signalisiert Kommunikation auf selber Höhe, Vertrauen. Wer mich duzt, ist eher mein Freund als der Siezer, der das Du-Wort später wie ein Almosen anbietet. Am Berg gilt das Du-Wort als obligatorisch. Lässig. Immer noch kein Grund, da hinaufzuwollen, aber es schürt die Hoffnung, dass die, die herunterkommen, weniger deppert sind, als sie es vor dem Aufstieg waren.

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Kontra---
Von Michael Simoner

Der Himmelvater ist schuld. Weil wir mit ihm per Du sind, hat es sich eingebürgert, dass, je weiter wir es in die Gegend schaffen, wo Gott wohnt, das "Sie" in immer größere Ferne rückt. Dabei kann einem gerade auf dem Berg das Abstandhalten das Leben retten. Sich von Halbschuhyetis duzen zu lassen, ist gewissermaßen eine Einladung zum gemeinsamen Ausrutschen. Es reicht aber auch schon aus, wenn die falsche Vertrautheit dazu führt, dass ein Gipfeltreffen zu einer Verschwisterung mit Menschen wird, für die man sich weit unten wieder fremdschämen muss. Daran kann auch die punktuelle Ergriffenheit über die erklommene Seehöhe nichts ändern. Das "Du" am Berg ist so gesehen also eigentlich auch ein wenig feig. Oben hui, unten pfui. Dann lieber gleich per Sie bleiben, so wie es im Übrigen ja auch die englischsprachige Bevölkerung hält.

Wie immer gibt es natürlich auch Ausnahmen. Manche Menschen will man nach dem gemeinsamen Erreichen eines Höhepunktes einfach nicht mehr siezen. (Der Standard/rondo/23/09/2011)

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Grüß Dich Karl! Sag, bist Du derselbe, der sogar Kruder und Dorfmeister mit "Sie" interviewt hat? :-)

http://derstandard.at/129557110... waesserung

Ich mag das 'Sie' auch nicht. Ich meine sogar ernsthaft, dass es eine Kommunikationsbremse ist. Aber wie man sieht, es ist halt nicht so einfach. Skandinavien ist sehr leiwand in der Hinsicht.

als soziopath hat mans da leicht. man grüsst prinzipiell nicht.

...wir Männer stellen die größten Idioten. Umgekehrter Sexismus, naja. Sensibilisiert nach all diesen Lippenbekenntnissen zur Geschlechtergleichstellung wundert es mich, dass hier noch keine Reaktion erfolgte. Aber ernsthaft, warum schreibt man sowas? Humor, Mitleidsfaktor bei den Damen erheischend, oder einfach nur deppad?

Chrisl

Weils einfach so ist. Für Trampeln vielleicht unverständlich.

Im Flachland

bzw.Stadt ist das "Leck mich am Arsch" knapp nach dem PerDu......

Für mich ein spitzen Indikator!

Als Westösterreicher (prinzipiell immer und überall jenseits der Stadtgrenze per Du) ist es immer wieder schön zu sehen, wie es in meiner neuen Heimat Wien so ausschaut:
Wer sich in der von Wien in max. 2h erreichbaren Berglandschaft aufhält, erfährt ein wundersames Phänomen:
<1000hm: per Sie: Wiener Schmalspur-Athlet keuchend, mit rotem Kopf.
Per Du: Einheimischer.
>1000hm Alle per Du. (entweder keine Wiener mehr, oder nur noch Zuagroaste - muß ich noch genauer untersuchen...)

Ja genau, weil Westösterreich nur Spitzathleten in den Bergen unterwegs sind und weil natürlich die Mehrheit der Westösterreicher nicht eine der zahlreich vorhandenen Seilbahnen verwendet, um auf den Berg zu kommen.

Die Realität ist natürlich eine andere: Zahlreiche Spitzenbergsteiger darunter zwei 8000er Erstbesteiger kommen aus Wien. Nirgendwo in den Ostalpen ist die Dichte an zum Teil sehr schwierigen Kletterrouten höher als im Wiener Raum. Nirgendwo in in den Ostalpen ist das Netz an Steigen und Wanderwegen höher.

Einige West-Österreicher sollten einmal ihre Wien Phobien therapeutisch behandeln lassen, damit der getrübte Blick auf die Realität wieder klarer wird.

kein Gipfel wurde je erklommen
um über einen Schaß zu trommeln

http://youtu.be/hbUSAC0VI4A

Wenn dich in Österreich am Berg jemand Siezt, dann

ist das meistens a Piefke ;o)

Seltsam

sind es doch die Deutschen die auf das Siezen verzichten.

Wenn dich in Österreich am Berg jemand Siezt,

" Griaßdi "

Bereits ab einer Autolänge hinterm Natur-Parkplatz ... : )

gott sei dank bin ich fit genug, in höhen rumzukraxeln, die grossstadtmisantrop michael simoner nie erreichen wird.

Wie nett, aber sinnlose

Echte Bobos gehen ehh nicht höher als sie der Lift bis zur Terrasse trägt.
Da ist das K47 sicher der Gipfel und dort müssen sie ja nicht duzen.
Und für so Leute wie den Fluch gibt es, als Abwehr, den §111 StGB und den §1330 ABGB.

Wie spießig isn bitte derStandard geworden? Fehlt nur noch ein Kommentar vom Elmayer zum Thema "Knigge am Berg" ....

so a bledsinn.... und überhaupt, am Berg gibts ka Sünd!

Na toll, jetzt kann ich auf keinen Berg mehr rauf

ohne mir die Frage zu stellen: duzen oder siezen ?

Alternative..diejenigen, die mich überholen werden gesiezt, die mir entgegenkommenden geduzt. Jene, die sich bereits am Gipfel befinden, schallt je nach Schwierigkeitsgrad ein herzliches "Berg Heil" oder ein freundliches "Griaß eich" bzw. "Griaß di" entgegen.

Gilt natürlich auch für den Abstieg. Überholt werden: Gesiezt...Entgegenkommen: Geduzt.

Servus und Grüß Gott !!

ach ich liebe es in einen ~3000 einwohner dorf zu wohnen, da wird prinzipiell jeder geduzt,
jeder arzt, jeder professor, der richter und der bürgermeister sowieso
nur bei der polizei gibts manchmal ungläubige blicke

Wenns nur Blicke sind....
Auf die Frage des Wiener Unfomierten "Bist a Student, ha?", mit "Bist a Kieberer, ha?" zu antworten war nicht ganz billig (für Studenten). Um die 200 ATS mit Quittung, wenn ich mich recht entsinne.

Nicht zahlen, Anzeige riskieren, Strafverfügung abwarten,...

Einspruch erheben, freuen, Geld gespart zu haben.

ganz einfach

ab 2.500 meter wird geduzt - davon ausgenommen sind schistationen im winter.

"Du" als Zeichen der Gemeinschaft

Für mich ist das "du" am Berg selbstverständlich, wenn das Gegenüber ein "echter" Wanderer ist. Dann handelt es sich um einen Gleichgesinnten.

Wer sich von einem Transportmittel in feiner Kleidung auf den Berg bringen lässt, ist kein echter Bergkamerad und kann sich das "du" ersparen.

Negatives Beispiel: der Schneeberg. Dort lassen sich Flachländer (bin auch einer) von der Bahn raufbringen. In Anzug, Halbschuhen, Sandalen, Stöckelschuhen, usw. Dann stolpern sie über das Geröll bis zum Damböckhaus. Grüßt man, bringen sie meist das Maul nicht auf. Das sind keine Bergkameraden.

Positives Beispiel: der Hochschwab. Weit und breit keine Bahn, kein Lift. Wer am Gipfel steht hat was geleistet, ist ein Sportkamerad und das "du" Plicht.

ich bin im forum per "Sie"

um mir die schmeissfliegen vom leib zu halten. wo kaemen wir ansonsten hin ...

Wenn der Pöbel schön singt und spitze Gegenstände trägt, darf er auch duzen...
http://www.youtube.com/watch?v=rauZMrXqRu0

Vielleicht sollten Sie...

... zuhause mal öfters den Mistkübel ausleeren!
(C:

Wir pflegen das Forumsgesinde in der 3. Person anzusprechen.

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