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Nicht nur in der Schweiz, auch in der toskanischen Hauptstadt wohnt horologische Erfinderkraft: das alte Geschäft von Panerai.

Luminor Marina Militare.

Die Luminor, Grundstein- Kaliber von Panerai

Panerai-Chef Angelo Bonati.

Luminor 1950 Chrono Monopulsante Left-handed 8 days Titanio 44 Millimeter.
Die Biografie des Hauses Panerai nahm Mitte des 19. Jahrhunderts auf der geschichtsträchtigen Florentiner Rubaconte-Brücke ihren Anfang. Dem Uhrmacher Giovanni Panerai (1825-1897) war es angelegen, die einst u. a. durch Leonardo da Vinci, Lorenzo della Volpaia, Giovanni de Dondi und Galileo Galilei gepflegte Zeitmess-Kunst zu reanimieren. Näheres zu seinen Aktivitäten lässt sich heute leider nicht mehr rekapitulieren.
1966
1966 vernichtete ein Arno-Hochwasser die einst sorgsam gehüteten Dokumente des Familienbetriebs. Sicher ist jedoch, dass Enkel Guido (1873-1934) neue Impulse und Aktivitäten zu verdanken waren. Er wandelte die "Orologeria G. Panerai & C." Anfang des 20. Jh. in eine "Orologeria Svizzera" um, welche in Florenz eine Spitzenposition innehatte. Im erzbischöflichen Palast nahe der Piazza del Duomo offerierte das Geschäft durchweg hochwertige Zeitmesser, u. a. der Marken Angelus, Buren, Jaeger LeCoultre, Longines, Movado, Ulysse Nardin und Vacheron Constantin. Rolex gehörte ab den frühen 1930er-Jahren ebenfalls dazu, erfreute sich in Italien aber noch keiner sonderlichen Bekanntheit.
1936
1936 entwickelten die "Officine Panerai", also die Panerai-Werkstätten, im Auftrag italienischer Behörden den ersten Prototyp einer eigenen Armbanduhr. Zuvor hatte eine Kommission konfektionierte Taucheruhren geprüft - und keine für gut genug befunden. Entweder leuchtete ihr Zifferblatt nicht stark genug oder die Gehäuse vermochten dem Wasserdruck nicht hinreichend zu widerstehen. Erst eine kissenförmige Armbanduhr mit großem Oyster-Gehäuse und Schraubkrone erfüllte die hochgesteckten Erwartungen. Im Gehäuseinneren tickte ein ebenfalls von Rolex geliefertes Uhrwerk.
1938
Ab 1938 fand man die "Radiomir Panerai" u. a. an den Handgelenken italienischer Kampftaucher. Durch die Verwendung einer Spezialmischung aus Zinksulfat, Radiumbromid und Mesothonum besaßen die Ziffern und Zeiger eine besonders hohe Leuchtkraft. Somit konnten die Uhren auch bei völliger Dunkelheit abgelesen werden, was die Gefahr einer Entdeckung durch den Feind erheblich verringerte.
Schraubkronen waren gut, hatten aber auch ihre Achillesverse. Wurde sie nach dem manuellen Spannen der Zugfeder ordentlich zugedreht, drang Wasser ins Gehäuse. Daher kreierte Panerai bereits in den 1940er-Jahren ein neues Dichtsystem mit seitlich über der Krone montierter Brücke. Die trug einen beweglichen Hebel, der die Krone samt Dichtung fest gegen die Schalenflanke presste. Aufziehen und Zeigerstellen verlangten nach bewusstem Hochklappen. Das dann weit abstehende Teil ließ sich nach der Energiezufuhr beim besten Willen nicht übersehen. Diese Innovation wurde im Juli 1956 patentiert. Die Uhr dazu schrieb unter dem Namen Luminor Geschichte. Selbiger resultierte aus einer neuen Tritium-basierten Leuchtsubstanz für Zifferblatt und Zeiger.
1943
Das Chronografen-Zeitalter begann 1943 mit drei Prototypen des "Mare Nostrum". 52 mm groß, ausgestattet mit dem Handaufzugskaliber 215 von Angelus. Einer davon tauchte glücklicherweise wieder auf und wird heute im Firmenmuseum gehütet wie ein Augapfel. Gedacht waren sie als Deckuhren, mit denen Offiziere die genaue Zeit von stationären Präzisionspendeluhren zu den Marinechronometern an Bord transportierten. In Serie gingen diese markanten Stopper indessen nie.
1972
1972 übertrugen die Panerais das Management an Dino Zei. Die Firma hieß nun "Officine Panerai S.r.l.". Mit dem Ende des Kalten Kriegs sank der Bedarf für militärisch ausgerichtete Gerätschaft rapide. Also wandte sich der Exmarineoffizier an zivile Kundschaft. Das Premierenzeremoniell für die "Luminor" und "Luminor Marina Militare" fand am 10. September 1993 in La Spezia statt. Der dort ebenfalls gezeigte "Mare Nostrum"-Stopper widerstand dem nassen Element bis 70 Meter. Neben zehn Prototypen mit Aluminiumgehäuse, Nummern P001 bis P010, hatten die Officine Panerai S.r.l. 990 stählerne Exemplare mit blauem Zifferblatt in Auftrag gegeben. Im Gehäuseinneren tickte ein 11½-liniges Handaufzugswerk vom Kaliber ETA 2801-A2 mit vorderseitig montiertem Chronografenmodul von Dubois-Dépraz.
1994
Die Produkte verkauften sich erstaunlich gut. Bekanntlich verliebte sich der Filmstar Sylvester Stallone, den seine Freunde Sly nannten, in Panerai-Uhren. Für die Unterwasserdreharbeiten zum Film "Daylight" orderte er 1994 spezielle Luminor-Exemplare, die den Namen "Slytech" bekamen. Hinzu gesellten sich später speziell signierte Chronografen namens "Slytech Mare Nostrum 42 mm", gedacht als Geschenke für den engen Freundeskreis. Eines davon erreichte auch Johann Rupert, den Big Boss des Richemont-Konzerns. Der wiederum zeigte sich so begeistert, dass er den Auftrag erteilte, Panerei zu erwerben. Inzwischen schrieb man das Jahr 1997.
2005
Unter der Ägide des ambitionierten Italieners Angelo Bonati vollzog Panerai im frühen 21. Jahrhundert die Wende vom Etablisseur zur "Manifattura" mit eigenen Kalibern.
Auf das 2005 eingeführte Erstlingswerk P2002 mit Handaufzug und acht Tagen Gangautonomie folgte bereits ein Jahr später das exklusive P2004 mit Chronograf. Das 31 mm große und 8,2 mm hohe Opus Technicus besteht aus 333 Komponenten. Drei Federhäuser verlangen erst nach einer Woche manuellen Energienachschub. Eine lineare Gangreserveanzeige erinnert ans rechtzeitige Nachtanken. Kosmopoliten erfreuen sich an einer GMT-Funktion mit Tag-/Nacht-Indikation. Schaltradsteuerung des Chronografen ist ebenso selbstverständlich wie eine kraftsparende Vertikalkupplung und ein 30-Minuten-Totalisator. Vier Hertz Unruhfrequenz gestatten das Stoppen auf die Achtelsekunde genau.
2011
Die Kaliber-Variante P2004/9 mit rückwärtiger Zeiger-Gangreserveindikation findet sich im "Luminor 1950 Chrono Monopulsante Left-handed 8 Days Titanio - 44 mm" von 2011. Seine Titanschale ist wasserdicht bis 10 bar (100 Meter). Die Limitierung auf nur 150 Exemplare dürfte beim ausgefallenen Linkshändermodell mit rechts positioniertem Mono-Drücker besondere Begehrlichkeit wecken. (Gisbert L. Brunner/Der Standard/rondo/16/09/2011)
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