Es ist höchst an der Zeit, dass Hühnergrippe, Schweinepest und Rinderwahn von Sojasprossen- feuchtblattern und Apfelcholera abgelöst werden
Bei Tiere essen, so die Frau, handle es sich um ein sehr, sehr gutes Buch. Erstens sei der Autor kein Prediger, sondern ein Philosoph, der zudem ordentlich recherchiere. Zweitens stelle das Werk sozusagen unser diesbezüglich gewohntes Denken infrage.
Der Dichterfürst ahnt dumpf, dass die Tischunterhaltung über dem Sonntagsbraten kein Spaziergang werden wird. Die Frau liest das Buch von Jonathan Safran Foer reichlich spät. Ja, sie beschäftigt sich damit zu einem Zeitpunkt, an dem man als Fleischtiger eigentlich schon wieder darauf hoffen durfte, dass das Thema Blumen auf dem Teller einen sogenannten Backlash erfährt. Immerhin ist es höchst an der Zeit, dass Hühnergrippe, Schweinepest und Rinderwahn von Sojasprossenfeuchtblattern und Apfelcholera abgelöst werden.
Damit die Verkäuferinnen beim Fleischhacker nicht mehr so traurig schauen, wenn die Grillsaison zu Ende geht und auch beilagentechnisch von Braterdäpfeln auf Krankenhausreis umgestellt wird.
Die Kinder am Tisch, die im Gegensatz zu früher heutzutage interessanterweise bei den Erwachsenen mitreden dürfen, sind von Fernsehserien wie Willi will's wissen oder Wissen macht Ah einschlägig indoktriniert. Auch sie beklagen den dauernden Fleischverzehr im Haushalt und erzählen bildreich von E. coli und Schlachtschussapparaten.
Sie weisen aber dankenswerterweise auch bald maulend darauf hin, dass der Dichterfürst heute eigentlich Schnitzel mit Pommes und nicht Biolamm mit deppertem Kürbis versprochen hatte. Das sei ure gemein. Die Welt ist schrecklich kompliziert. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 16.09.2011)