Turnen im Büro

15. September 2011, 18:01
  • Da macht das Turnen Sinn und Spaß, schon allein wegen der Stadionatmosphäre.
    foto: apa/len vinzent

    Da macht das Turnen Sinn und Spaß, schon allein wegen der Stadionatmosphäre.

Pro: "Flickflack im Großraum" von Sigi Lützow - Kontra." Neoliberale Schnapsidee" von Christoph Winder

+++Pro
Von Sigi Lützow

Wem zum Thema nur ein "kommt drauf an, mit wem" entfährt, der muss nicht unbedingt ein Schwein sein. Er mag auch nur frustriert sein, ob der Beengtheit am Arbeitsplatz, die maximal noch gepflegtes Schnapsen oder Yoga-Übungen wie den "Gefüllten Paprika" zulässt. Gottlob geht der Trend hin zum Großraumbüro mit all seinen Entfaltungsmöglichkeiten. Da macht das Turnen Sinn und Spaß, schon allein wegen der Stadionatmosphäre und der sommers wie winters gleichbleibenden klimatischen Bedingungen. Man könnte den Arbeitstag endlich mit einem Hockstrecksprung aus dem Aufzug beginnen, den Raum mit Flickflacks durchmessen, sinnloses Grünzeug per Katschow-Grätsche überwinden, um dann nach einem Gienger-Salto unter Einbau eines gestreckten Tsukaharas auf seinem Stuhl zu landen. Eine abschließende Standwaage rundet das Bild, stehende Ovationen garantiert. Dies alles dazu noch entsprechend gekleidet ausgeführt, und das "kommt drauf an, mit wem" hat sich mit Sicherheit erübrigt. Denn alle werden mitturnen wollen.

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Kontra---
Von Christoph Winder

Diese Schnapsidee hat uns gerade noch gefehlt: Lustfeindliche Fitnessfaschisten wollen uns den letzten Büroschlaf rauben und uns stattdessen auf Pferd, Bock, Reck und Ringe treiben. Noch kommen ihre Empfehlungen auf Samtpfoten daher: Man rät zu "Dehnungsübungen", um dem steifen Nacken oder dem Mausdaumen vorzubeugen. Klingt harmlos, dient aber in Wahrheit der neoliberalen Idealvorstellung, uns alle klammheimlich auf ostasiatische Arbeitsverhältnisse einzustimmen. Grausiges wird uns blühen. Montagmorgen: Die Belegschaft purzelt kollektiv per Purzelbaum an die Schreibtische, danach Absingen der Firmenhymne, obligatorische Bizepskräftigung durch Heftklammerbiegen und Ertüchtigung der tiefen Rückenmuskulatur durch Bücklinge vor den Vorgesetzten. Wer kann solchen Unfug wollen? Was sagt der ÖGB dazu? Warum schweigt Fritz Neugebauer? Wir bestehen auf der guten mitteleuropäischen Arbeitstradition: Das Turnen beginnt nach dem Büro, am besten mit einer Runde grazil gehobener Bierkrüge am Stammtisch. (Der Standard/rondo/16/09/2011)

danke für etwas unernstes,

keine korruption, keine banken, keine blöden politiker, einfach einmal die leichtigkeit des seins .....
:-))))

vielleicht völlig unnötig

aber zum Lachen hat mich die Kolumne trotzdem gebracht und das freut mich an einem grauen Freitag Morgen.

pro für diese sinnlose kolumne: platz für nonsens, nachwuchsförderung

contra dieser kolumne: schwachsinnig, themen sowas von ultraliquid = überflüssig, einer niveausite nicht würdig, absolute platzvergeudung

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