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Da macht das Turnen Sinn und Spaß, schon allein wegen der Stadionatmosphäre.
+++Pro
Von Sigi Lützow
Wem zum Thema nur ein "kommt drauf an, mit wem" entfährt, der muss nicht unbedingt ein Schwein sein. Er mag auch nur frustriert sein, ob der Beengtheit am Arbeitsplatz, die maximal noch gepflegtes Schnapsen oder Yoga-Übungen wie den "Gefüllten Paprika" zulässt. Gottlob geht der Trend hin zum Großraumbüro mit all seinen Entfaltungsmöglichkeiten. Da macht das Turnen Sinn und Spaß, schon allein wegen der Stadionatmosphäre und der sommers wie winters gleichbleibenden klimatischen Bedingungen. Man könnte den Arbeitstag endlich mit einem Hockstrecksprung aus dem Aufzug beginnen, den Raum mit Flickflacks durchmessen, sinnloses Grünzeug per Katschow-Grätsche überwinden, um dann nach einem Gienger-Salto unter Einbau eines gestreckten Tsukaharas auf seinem Stuhl zu landen. Eine abschließende Standwaage rundet das Bild, stehende Ovationen garantiert. Dies alles dazu noch entsprechend gekleidet ausgeführt, und das "kommt drauf an, mit wem" hat sich mit Sicherheit erübrigt. Denn alle werden mitturnen wollen.
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Kontra---
Von Christoph Winder
Diese Schnapsidee hat uns gerade noch gefehlt: Lustfeindliche Fitnessfaschisten wollen uns den letzten Büroschlaf rauben und uns stattdessen auf Pferd, Bock, Reck und Ringe treiben. Noch kommen ihre Empfehlungen auf Samtpfoten daher: Man rät zu "Dehnungsübungen", um dem steifen Nacken oder dem Mausdaumen vorzubeugen. Klingt harmlos, dient aber in Wahrheit der neoliberalen Idealvorstellung, uns alle klammheimlich auf ostasiatische Arbeitsverhältnisse einzustimmen. Grausiges wird uns blühen. Montagmorgen: Die Belegschaft purzelt kollektiv per Purzelbaum an die Schreibtische, danach Absingen der Firmenhymne, obligatorische Bizepskräftigung durch Heftklammerbiegen und Ertüchtigung der tiefen Rückenmuskulatur durch Bücklinge vor den Vorgesetzten. Wer kann solchen Unfug wollen? Was sagt der ÖGB dazu? Warum schweigt Fritz Neugebauer? Wir bestehen auf der guten mitteleuropäischen Arbeitstradition: Das Turnen beginnt nach dem Büro, am besten mit einer Runde grazil gehobener Bierkrüge am Stammtisch. (Der Standard/rondo/16/09/2011)
Von unserer Zungenfertigkeit sollen auch die anderen etwas haben - Oder: Man und frau waren jung, knackig und ungestüm
Das Viecherl reagiert von Natur aus positiv auf "Lecker- Bissen" - Oder: "Oida, reiß des Blech auf!"
"I love you and your body." Oder: Auch nach Jahren mutet der papierene Staubfänger noch beinahe jungfräulich an
Am Ende eines gemütlichen Kaffeehaustages kann sich die Übersicht leicht eintrüben - Oder: Dies wäre eine Infragestellung der Integrität des sinnierenden Stadtmönchs
Die Suche in Taschentiefen oder Zimmerfluchten ersparen oder Understatement mit einem einzigen Klingelton
So ein charakterstarker Sattelschutz gibt uns den allerschönsten Schliff im Meer des seriösen Gleichklangs - Oder: der Schoner steht dem Wesen des Radfahrens entgegen
Die dumme Augustine trug sie und wurde umjubelt, aber der Modetrend gilt als Gegenteil von Freiheit
Maunchmoi is scho vü gscheida, ma bleibt bei dem wos ma dalernt hot oder Hochsprache ist Facebook-Sprache
Die gedruckte Zeitung darf nicht sterben - oder: Wenn gedruckte Gedanken zu Wischdiensten abkommandiert werden, sterben sie einen feuchten Tod
Einen Goldfisch damit nach Hause transportieren oder Liebe geht durch den Magen
Ein Zeichen einer erwarteten Gemütlichkeit oder so graziös wie Bambi auf dem zugefrorenen Teich
Ein gerade unübertreffliches Glücksrezept oder logistischer Stress durch neumodisches Brauchtum?
Weshalb das viel gepriesene "Runner's High" in der Stadt mitunter auf sich warten lässt und das duch-die-Stadt-joggen eine Sightseeing-Tour ersparen kann
"Damit sich nicht wieder irgendein Armleuchter in den Luster hängt" oder "Fröhlichkeit ganz ohne Alkohol ist immer etwas gezwungen"
Seine Entscheidung - "eine oda auße?" - jederzeit staufrei revidieren oder es ist nicht der Mensch, der den Rhythmus vorgibt
Her mit der heißen Ware, oder sind erotische Geschenke einfach nur peinlich?
"Welcher Superstar wird dich heiraten?" oder Danke, wir wollten es echt nicht so genau wissen
Wer die Lure aus dem Stockwerksautomaten am Platz genießt, versäumt nichts Spannendes - oder die Sitten im Büro sind immer nur so rau wie das Leben auf der Straße
"Das WC ist nicht Rückzugsraum, sondern reine Bedürfnisanstalt" oder: "Undenkbar, dieses Elend den Blicken einer weiblichen Laufkundschaft preiszugeben"
Heißer Tee, Suppe oder auch Punsch oder die Eismischerzunft soll endlich auf den Klimawandel reagieren
Rockgott versus Gott der Allmächtige - zumindest wenn es um die Frage nach hell oder dunkel geht
"Mindestens haltbar bis ..." - "Best before" ist schlicht irreführend übersetzt oder ein farbenprächtiger Abdruck einer Fontäne an der Toilettenwand
Weshalb der Alltag der KollegInnen schon interessant ist und portionierte Grußbekanntschaften einem weißen Wal das Leben schwer machen
In der Leichtigkeit muss man das Üppige wählen oder der Schaum, ein Traum
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