Fair Trade gibt es demnächst auch beim Wein
Aufkleber, Logos, Symbole auf Weinflaschen und -etiketten findet man sonder Zahl. Wie in vielen Bereichen des Lebens mögen sie auch beim Wein einem Interessenten oder potenziellen Käufer den Weg weisen.
Alle Infos in Symbole verpackt - so mancher Konsument verdreht zwar nur noch die Augen, zu signalisieren gibt es dabei dennoch vieles: zum Beispiel wo der Saft welche Lorbeeren abgeräumt hat. Oder dass die Reben (wie im Falle des deutschen Rheingaus) in einem erst-, nicht zweitklassigen Weingarten gereift sind. Oder man deutet ganz generell eine Herkunft an, wie im Fall des steirischen Wappen-Löwens, der dort bereits ins Glas der Weinflaschen eingeprägt ist. Logos zeigen an, ob Bio im Spiel ist, und falls ja, welcher Bio-Glaubensrichtung der Winzer anhängt, der ihn macht.
In Kürze werden nun auch Weine mit dem Fair-Trade-Siegel in die Regale des Handels kommen, was aber in diesem Fall nicht bloß als "noch so ein Pickerl" abgetan werden sollte. Die betreffenden Weine kommen vor allem aus Südafrika sowie aus Chile und Argentinien und verweisen auf ein wenig beachtetes Problem: Nicht überall wird nämlich unter den für Arbeitnehmer vergleichsweise rosigen österreichischen Voraussetzungen produziert. Vor allem wenn Wein unter industriellen Bedingungen in Ländern mit geringer sozialer Absicherung entsteht, sind Arbeitsumstände und Bezahlung oft mehr als prekär.
Startvorteil
Wenn internationale Großinvestoren auftauchen, können die Konsequenzen für kleinere lokale Produzenten hart sein, auch wenn die Natur für beide gleich gute Bedingungen bereithält. In Chile und Argentinien tun sich Kleinbauern schwer, mit den Preisen der großen Weinbaubetriebe mitzuhalten, hinter denen oft finanzstarke europäische Weinunternehmen stehen.
In Südafrika wiederum geht es um neue Besitzstrukturen: Einerseits sollen Schwarze mehr an der "weißen" Weinwirtschaft beteiligt werden, anderseits Saisonarbeiter, die für all die Malocher-Arbeiten im Weingarten und zur Lese angeheuert werden, besser bezahlt und abgesichert werden.
Das Label hat den Startvorteil, dass es von Obst, Kaffee, Reis und anderen Lebensmitteln her bekannt ist und dass bereits einigermaßen durchgedrungen ist, worauf es abzielt. Alles gute Gründe, um auch beim Weinkauf zum Gutmenschen zu werden. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/09/09/2011)