Weine

Kühles aus der Glut

13. September 2011, 15:14
  • Artikelbild
    foto: matthieu paley / corbis

    Kroatischer Wein hat sich gemausert.

Kroatien ist binnen weniger Jahre zu einem wirklich spannenden Weinland geworden

Weinjournalisten sind nicht leicht zu beeindrucken, zumal es so einige schöne Steillagen gibt in dieser Welt. Hier hingegen sehr wohl: 90, 100 Meter tiefer glitzert die Adria, dazwischen stehen gedrungene Weinstöcke, die durch ihre Knorrigkeit noch älter scheinen, als sie sind, und die den Platz, an dem sie wachsen - an einer weißgrauen, steil abfallenden Steinhalde - besonders bizarr aussehen lassen. Die Ehrfurcht gilt dem Weinberg Dingaè auf der Halbinsel Peljesac in Dalmatien. Marija Mrgudiæ, Winzerin in Orebiæ, erklärt die Küste und ihre Eigenheiten: Dingaè und Postup, weniger abfallend, in Orebiæ auch direkt am Meer gelegen, sind die bekanntesten Weinberge, wo vor allem die lokale rote Sorte Plavac Mali wächst. Die Sonne wärmt die Steine, der Effekt wird durch die Wasseroberfläche verstärkt. Plavac verträgt dieses Zusammenspiel offenbar besonders gut und bringt würzige, intensive Weine, denen es bei aller Kraft weder an Eleganz noch an Frische fehlt.

Mrgudiæ befasst sich in ihren Weingärten in Dingaè und Postup seit einigen Jahren mit den Möglichkeiten von Plavac, die zur roten Leitsorte in Kroatien wurde. Ihr Kollege und Nachbar Frano Milos setzt auf Bio-Bewirtschaftung: "Die Bedingungen sind sehr trocken, weshalb viele Krankheiten erst gar nicht entstehen." Milos' Weingärten liegen abseits der Küste in einem Talschluss. Angesichts der höheren Lage und der Luftströme vom Meer her schmecken seine Weine "kühler", was die dunkle Fruchtigkeit der Sorte betont.

Unterschiedliche Weinstile

Dalmatien mit dem Peljesac und den benachbarten Inseln Korèula und Hvar ist eines von drei äußerst spannenden Weinbaugebieten in Kroatien, deren Weinstile unterschiedlicher nicht sein können. In allen setzt man jedoch auf altgediente Sorten, an deren Verarbeitung man sich mit heutigem önologischem Know-how macht. Mittel für eine Ausstattung, die erstklassige Weine möglich macht, fließen seitens privater Investoren immer mehr. Arbeitsphilosophien, von "normal" bis bio total, sind ebenso vielfältig wie sonst auch in der Welt.

Grasevina, zu Deutsch Welschriesling, ist in Österreich für sein trockenes, frisches, unkompliziertes Wesen bekannt. Unter südlicherer Sonne auf den kargen Böden fällt er ebenso frisch, aber körperreicher aus, bleibt aber dank seiner natürlichen, kräftigen Säure immer lebendig. Grasevina unter anderem als Lagenwein gehört auch zum Portfolio von Vlado Krauthaker aus Kutjevo in Slawonien. Er war einer der ersten kroatischen Winzer, die sich international einen Namen machten - vor allem mit Pinot Noir und Weißweinen aus Burgundersorten, die hier im Nordosten in schlankeren Stilen beste Ergebnisse liefern.

Sehnig, feingliedrig und hoch mineralisch

In Istrien, der Halbinsel im Norden der Adria, an der auch Slowenien einen Anteil hat, hat sich Malvazija Istarska in jüngeren Jahren zu Spitzenqualitäten entwickelt. Malvasier ist eine riesige, in wärmeren Gegenden beheimatete Sortenfamilie. In ihrer istrischen Ausprägung ist sie sehnig, feingliedrig und hoch mineralisch. Nur wenige erliegen der Versuchung, Malvasier auf jugendlich-spritzig zu trimmen, ein modischer Stil, der meist in geschmacklicher Langeweile endet. Aus Betrieben wie jenen von Gianfranco Kozloviæ, Ivica Matoseviæ oder Roxanich kommt Anspruchsvolles, von Klassik bis zu Lagenweinen. Auch hier wird dem Spiel mit Ausbauvarianten von Edelstahl bis zur Amphore gefrönt.

Natürlich versucht man sich auch in Kroatien an den Weltrebsorten Cabernet Sauvignon und Merlot. Und manchmal hält man tatsächlich ein sehr gutes Exemplar der fünfzigmillionsten Kopie von Bordeaux in Händen. Doch spannender, weil einzigartiger ist, was hier aus heimischen Sorten entsteht. Und das Bewusstsein dafür ist erfreulich groß. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/09/09/2011)

Kroatische Weine in Österreich unter anderem bei Weinhandel Del Fabro, Alpe Adria Weinhandlung Am Hof, in den Restaurants Kornat in Wien oder in Salzburgs Restaurant Ikarus im Hangar 7

halvar van flake
21
13.9.2011, 18:42
ja - wirklich spannend.

10-15 euro die flasche - und immer wieder die spannende frage: 'ist der jetzt trinkbar?'.
bislang als antwort ein eindeutiges nein.
smag ja gheimtips geben - aber was normalerweise die regale füllt ist wahrlich ungeniessbar.

uni versalis
00
13.9.2011, 22:02
die plavac etc. die man überall bekam und heute noch bekommt

sind tatsächlich untrinkbar und solche weine machen immer noch einen großen teil der weine kroatiens aus. es soll sich aber einiges in der szene bewegen und mittlerweile wirklich gute weine erhätlich sein. halt noch nicht sehr viele.

halvar van flake
00
15.9.2011, 09:34
leider noch keinen gefunden.

und bei dem preisniveau bin ich auch das suchen leid.
bin für jeden tip dankbar! lg

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.