Schau an: Für den Herbst kündigen sich mehrere Eröffnungen neuer Lokale an - und zwar richtig große Brummer
Es sieht fast so aus, als ob es ein paar gutbetuchten Wienern zu blöd geworden ist, die notorische Gleichförmigkeit der Wiener Restaurantlandschaft länger zu erdulden. War die Szene der Hauptstadt in den vergangenen Jahren von viel Gejammer, zahlreichen Schließungen und einigen Leider-nein-Eröffnungen prominenter Adressen geprägt, so dürfen wir uns in diesem Herbst gleich auf mehrere Neu-eröffnungen von Format freuen.
Bezeichnenderweise stehen stets Unternehmer dahinter, die ihr Geld bisher eher nicht mit gutem Essen verdient haben. Christian Halper etwa, der sich vergangenes Jahr als Superfund-Miteigentümer auszahlen ließ, wird Ende September auf der Seilerstätte, vis-à-vis vom Ronacher, sein "Tian" eröffnen. Das Ecklokal, in dem noch die Presslufthämmer dröhnen, ist auf zwei Ebenen angelegt und soll erstmals vegetarische und vegane Küche auf wirklich hohem Niveau bieten.
Als Küchenchef wurde Paul Ivic verpflichtet, der dieser Tage noch als Sous-Chef in Walter Eselböcks Taubenkobel am Herd steht. Ivic hat als Küchenchef lange Erfahrung, er zeichnete etwa für die zwei Hauben des Goldegger Seehofs verantwortlich.
Bistro und Greißlerei
Auf über 700 Quadratmetern (mehr als die Hälfte davon im Souterrain) sollen laut Halper zwei verschiedene (aber stets vegetarische) Schienen gefahren werden: oben eine Art Bistro mit angeschlossener Greißlerei, in der hauptsächlich selbstgefertigte Delikatessen zum Mitnehmen angeboten werden. Das Bistro wird vom Frühstück weg geöffnet haben, für den Lunch sind zweigängige Menüs geplant, die die Zehn-Euro-Grenze nicht überschreiten sollen.
Richtig edel wird es unter Tag und nur am Abend abgehen, wo in einer separaten, mit allerhand Schnickschnack ausgestatteten Küche auch "richtig verspielte", facettenreiche Veggie-Kreationen entstehen sollen. Hier werden auch Produzenten außergewöhnlicher Gemüse, Wildsammler oder herausragende Käser bei Themenabenden zu Wort kommen, wo deren Produkte in große Menüs verpackt werden.
Restaurant mit Live-Bühne
In der Sky Bar von Investor und Großwinzer Hans Schmid am Dach des Steffl-Kaufhauses wird noch bis Jahresende im alten Ambiente gekocht, dann wird umgebaut. Schon in zwei, drei Wochen aber soll der neue Küchenchef Thomas Göls hier seine neue Linie präsentieren. Die dürfte sich stark an jenem Stil orientieren, den Göls' Lehrmeister (und, als Küchendirektor der Schmid'schen Betriebe, nun auch Chef) Joachim Gradwohl einst im Graben-Meinl prägte - und die von den Wienern enthusiastisch gefeiert wurde. Preislich will Gradwohl es aber deutlich günstiger geben als seinerzeit am Graben.
Für die vom Investitionsvolumen wie auch der Tischanzahl größte Eröffnung der vergangenen Jahre aber geht es vom Dachgeschoß des Steffl wieder unter die Erde, konkret unter die vierspurige Fahrbahn des Opernrings. In der Fußgängerunterführung Albertina-Passage (wird auch nach der Eröffnung so heißen) werden die Sunshine-Macher um Matthias Kamp und Heinz Dronegger im Oktober auf einer Fläche von 800 Quadratmetern ein imposantes Restaurant mit Live-Bühne im "Revuetheater-Stil" aus der Taufe heben. Die Architekten sind Söhne & Partner, die schon die Babenberger Passage gestaltet haben.
Die Kunst des Fleischabbratens
Für 300 Gäste soll allabendlich Live-Jazz geboten werden, die Cocktailbar wird, so Kamp, mit hochklassigen Drinks locken, für die Küche zeichnet Reinhard Gerers langjähriger Sous-Chef Alexander Kumptner verantwortlich. Musikbeitrag wird keiner verrechnet, dafür dürften sich die Getränkepreise am oberen Ende der Skala einpendeln. Angesichts der Größe des Restaurants sind hier keine Experimente zu erwarten. Kumptner, dem Reinhard Gerer nicht nur bei der Speiskartenkonzeption zur Hand ging, sondern "bei besonderen Anlässen" auch einmal mit ihm am Herd stehen will, soll eine Linie kochen, die stark auf internationale, nach Gerer-Manier neu interpretierte Klassiker sowie Austro-Fixsterne wie Schnitzel und Beuschel setzt.
Kumptners Sous-Chef werkt zurzeit in der Küche des legendären Steakhauses Smith & Wollensky in New York, um sich in die Kunst des skrupellosen Fleischabbratens einweihen zu lassen - bekanntlich ein notorischer Schwachpunkt heimischer Köche. Steaks, insbesondere massive Porterhouse-Formate, werden einen Schwerpunkt in der Passage bilden.
Seit 1. September steht nach mehrmaligen Anläufen auch Plachuttas Gasthaus zur Oper in der Walfischgasse für Touristen und andere Neugierige offen. Mit kommendem Wochenende wird auch Artner am Franziskanerplatz unter der Ägide von Ex-Fabios-Küchenchef Christoph Brunnhuber neu starten - die Eröffnung der ebenfalls von Artner geführten Hermesvilla im Lainzer Tiergarten (wo viel Wild und große Braten serviert werden sollen) verzögert sich noch bis Ende des Monats. (Severin Corti/Der Standard/rondo/02/09/2011)