Gutgemüse

  • Franz Pecs zieht 
auf Initiative...
    foto: georg desrues

    Franz Pecs zieht auf Initiative...

  • ... von Mirko 
Nalis gemeinsam mit Behinderten im Gärtnerhof GIN...
    foto: georg desrues

    ... von Mirko Nalis gemeinsam mit Behinderten im Gärtnerhof GIN...

  • Artikelbild
    foto: georg desrues
  • Artikelbild
    foto: georg desrues
  • ...Gemüse und 
Kräuter von herausragender Qualität.
    foto: georg desrues

    ...Gemüse und Kräuter von herausragender Qualität.

In einer alten Gärtnerei in Wien-Donaustadt werden Sorten-Raritäten in fantastischer Qualität gezogen - als Teil eines Sozialprojekts

Mit Salat kennt sich die junge Frau hinterm Stand am Kutschkermarkt in Wien-Währing offensichtlich nicht aus. "Ja, ich weiß nicht, sind halt verschiedene Arten ...", sagt sie und schaut hilflos auf die vier Sorten Rucola, die taufrisch und vor Saft nur so strotzend auf der Budl präsentiert werden. "Aber ich bin auch nicht Gärtnerin, sondern Sozialarbeiterin und verkaufe hier nur aushilfsweise", fährt sie fort und drückt dem Kunden eine Broschüre des Vereins GIN in die Hand.

Der Verein für Gemeinwesen und Integration (GIN) wurde 1992 vom Psychologen Mirko Nalis gegründet und betreut Menschen mit intellektueller Behinderung in Wohngemeinschaften und Tageseinrichtungen. Den Behinderten stehen verschiedene Tätigkeiten zur Auswahl, darunter auch die Arbeit in einer Gärtnerei im 22. Wiener Gemeindebezirk.

150 Sorten Kräuter und Gemüse

Dort wird inmitten von Neubauten ein alter Gärtnereibetrieb aus den 1930er-Jahren bewirtschaftet. Heute werden hier 150 Sorten Kräuter und Gemüse angebaut - alles biologisch und mit besonderem Augenmerk auf alte und seltene Sorten. "Wir arbeiten viel mit dem Verein Arche Noah zusammen, der sich auf die Samen von vergessenen Obst- und Gemüsesorten spezialisiert hat", erzählt Franz Pecs, einer der Gärtner. Verkauft wird ab Hof sowie samstags am Kutschker- und am Yppenmarkt. Aber auch über ein Versandsystem verfügt die Gärtnerei.

"Ausgeliefert wird wöchentlich. Die Kunden erhalten per E-Mail eine Liste von dem, was es gerade gibt, und kreuzen ihre Bestellung an", so Pecs. Das habe den Vorteil, dass man - anders als bei manchen Biokistl-Zustellern - genau wisse, was man bekomme. Frei zugestellt wird offiziell ab einem Betrag von zwanzig Euro. "Aber Bestellungen um zehn Euro nehmen wir genauso mit - das ist dann auch schon wurscht", sagt Pecs.

Sinnvolle Arbeit und wertvolle Produkte

Das Angebot entpuppt sich als wahre Schatzkiste für Abwechslung suchende Gemüseliebhaber: drei Sorten Bohnen gibt es, sechs Sorten Paprika und beachtliche dreizehn Sorten Paradeiser, darunter die seltene, aromatische Variante Green Zebra - ideal für grüne mexikanische Saucen. Aber auch Löwenzahn, Mairüben, Kresse und der wasserhaltige Portulak, sehr gut im Salat. Und dann ist da noch das japanische Senfkraut Mizuna und ein anderes, das sich Namenia nennt und in Italien als Cime di Rapa bekannt ist.

"Seit seiner Gründung war das Ziel des Vereins, den Pavillon 17 auf der Baumgartner Höhe zu leeren, und allen Insassen einen Platz in einer Wohngemeinschaft oder eine eigene Wohnung mit Betreuung zu verschaffen", sagt Mirko Nalis. Beinahe ist das schon gelungen. Nur noch acht Personen seien in dem Pavillon, in den früher all jene abgeschoben wurden, die sonst keiner wollte, so Nalis. Aber auch für die verbliebenen acht habe man bereits eine Unterkunft gefunden, die bald bezugsfähig werde.

"In der Gärtnerei können die Behinderten einer sinnvollen Arbeit nachgehen und wertvolle Produkte erzeugen", sagt Nalis. Und betont, dass Mitleid keinesfalls ein Verkaufsargument sein dürfe. "Das Gemüse muss gut genug sein, um von allein auf dem Markt zu bestehen", so Nalis. Was bei dem Vertriebskonzept und angesichts von Auswahl, Frische, Saisonbezug und den kurzen Transportwegen eigentlich kein Problem sein dürfte. (Georg Desrues/Der Standard/rondo/26/08/2011)

Share if you care
24 Postings
es sollte eine abteilung in der stmk geben !

auch hier wäre es fein das gute biogemüse kaufen zu können!

Alles Liebe und viele liebe Grüße

reGINe

es gibt keine behinderten - es gibt menschen mit einer behinderung - bitte!

Gequälte PC ohne Sinn und Verstand.
Dann gibts wohl auch keine Hungernden, sondern nur Menschen die hungern.
Oder keine Autofahrer, sondern nur Menschen die Auto fahren.
Keine Wähler, sondern nur Menschen die wählen.
Etc. pp.

bin eine begeisterte kundin

die qualitaet und er geschmack von diesem gemuese ist einfach ausgezeichnet UND als bonus gibt's noch das gute gefuehl eine gute sache unterstuetzt zu haben.

Danke dem Gaertnerhof GIN!

...

wieviel schluesselkraefte und leitende personen braucht es denn? ich frag nur damit ich weiss wieviel psycholgen und sonstige raubritter ihre lebenserwartung auf kosten von krankheit maximieren.

da von ihnen noch nie etwas brauchbares zu lesen war,

war auch diese dummheit zu erwarten.

mit ihrer blödsinnigen posterei

zu allen themen, die sie nicht verstehen (wollen) , sollten sie sich zur qualitätszeitung krone zurückziehen; dort würden sie mit vielen ebenso gscheiten gleichgesinnten kommunizieren können.

In Zeiten wie diesen und in diesem Zusammenhang

von raubrittern zu schwafeln, ist ein geistiger Offenbarungseid.

die alle fuer wenig Arbeit viel verdienen.
Bei den Preisen muss es ja super Gewinn abwerfen und ich Zweifle dass die Behinderten viel bekommen.

Falls ich falsch liege wuerde ich mich natuerlich freuen.

das tun sie.

ob bei ihren bereits ausgelasteten intellektuellen ressourcen ein "freuen" noch möglich ist, ist zu bezweifeln.

na wenn die Behinderten gut verdienen, und es keinen massiven Overhead an "Managern und Betreuern" gibt die sich wie ueblich das meiste einstecken, dann freue ich mich sehr wohl.

Ich glaub, Sie sollten die Dienste dieser "Raubritter" dringend in Anspruch nehmen

was soll das denn?

diese frage stellt sich keine sekunde, denn jeder mensch hat das recht auf menschenwürde. und wenn das dann was kostet, dann sollten wir froh sein, dass es auf diese weise einen unschätzbaren nebennutzen für uns glückliche gibt, die nicht auf betreuung angewiesen sind.

aber ich denke mal, aus ihnen spricht der reine neid, denn sonst wüssten sie, dass im sozialbereich verdammt niedrige löhne bezahlt werden.

Super, danke für den Tipp!!

Einfach toll was so ein soziales Projekt hervorbringen kann

An alle Ministerien: Nachahmenswert!

also ich zahl echt gerne mehr dafür, aber ...

bei 4,90 für einen Kilo Paradeiser ist meine Schmerzgrenze leider überschritten.
http://www.gin.at/gaertnerh... emuese.php

Beim Stekovics im Burgenland kostet der Kilo 6 Euro...

Ich werd' da mal hinschauen, ich brauche eh Nachschub an Samen für meine nächstjährige Aussaat...

kein mitleid

mit der geldbörse!

na bumm

Biotomaten 4.90

das ist doch nicht viel: Die arbeitenden Personen sollen einen Stundenlohn haben, von dem sie auch leben können, samt Sozialversicherung. Es soll auch in Sozialprojekten keine (Selbst)Ausbeutung geben.

und wahrscheinlich gibts auch jede Menge leitender Personen die einen noch besseren Gehalt haben.
Glaub nicht, dass die Behinderten soviel bekommen.

aja...

leitende positionen im sozialbereich sind ihrer meinung überbezahlt? hallo realität!?

Wenns nicht mehr

so heiß ist, werde ich dorthin fahren. Vom Stekovics war ich bissel enttäuscht. Die Paradeiser, wiewohl vielsortig, nicht besonders im Geschmack. Grad die Mieze Schindler hat mich begeistert.

Tolle Sache!

Schön, das es noch Leute mit guten Ideen und genug Wiederstandskraft um diese umzusetzen gibt!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.