Spiegel mit sieben Siegeln

Das Leben der Coco Chanel

28. August 2011, 21:53
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    foto: condé nast archiveb / corbis

    Als dieses Bild im März 1954 im Treppenhaus der Rue Cambon entstand, hatte Coco Chanel gerade ihr Couturehaus wiedereröffnet.

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    Justine Picardie: "Chanel. Ihr Leben" ist bei Steidl erschienen, 432 Seiten, € 38.

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    Hal Vaughan: "Der schwarze Engel: Ein Leben als Nazi-Agentin" gibt es bei Hoffmann & Campe, 384 Seiten, € 22,99

Auch 40 Jahre nach ihrem Tod gibt es noch immer viele Fragezeichen im Leben der legendären französischen Designerin

Im vergangenen Jahr kamen gleich zwei Filme über die legendäre Coco Chanel ins heimische Kino. Der eine handelte davon, wie aus einem armen Mädchen aus dem Waisenhaus die berühmteste Modeschöpferin der Welt wurde (Coco avant Chanel), der andere von ihrer Liebschaft mit dem Komponisten Igor Strawinsky (Coco Chanel & Igor Stravinsky). In beiden Filmen ging es um Liebe, Leidenschaft und Intrigen. Von den vielen dunklen Flecken in Chanels Leben handelten sie nicht.

Im heurigen Jahr kommt jetzt gleich eine ganze Flut an neuen Biografien über die französische Modeschöpferin in den Buchhandel - als könne man das weichgezeichnete Bild auf den Leinwänden so nicht stehen lassen. Auch vierzig Jahre nach dem Tod von Chanel gibt es nämlich noch eine ganze Reihe an Ungewissheiten und Rätsel im Leben der wohl berühmtesten Modedesignerin des 20. Jahrhunderts. Über vieles hat Chanel die Nachwelt bewusst im Dunkeln gehalten, vieles hat sie verschwiegen und nachträglich umzudeuten versucht.

"Operation Modellhut"

Das beginnt bei ihrer Herkunft aus ärmlichen Verhältnissen und ihrer Zeit im Waisenhaus, über ihre Affäre mit dem deutschen Besatzungsoffizier Günther von Dincklage, ihre Beteiligung bei der sogenannten "Operation Modellhut" bis hin zu ihrer angeblichen Bisexualität und zu ihrem Antisemitismus. In den Biografien, die in der Vergangenheit erschienen sind, werden diese Punkte in den meisten Fällen aufgerollt. Ausgeführt werden sie aber kaum, schlüssige Erklärungen oder Beweise finden sich noch seltener.

Das ist auch der Fall bei dem vor kurzem erschienenen Schmöker von Justine Picardie, der in Karl Lagerfelds Reihe bei Prestel herausgekommen ist und mit Zeichnungen des Chanel-Modeschöpfers versehen ist. Trotz großen Detailreichtums bleiben am Ende mehr Fragen offen, als beantwortet werden. "Coco war nicht nur eine Designerin - sie war auch eine Frau ihrer Zeit", sagte Lagerfeld einmal. Davon, welche Rollen sie wirklich spielte, nachdem sie Frauen von der einzwängenden Garderobe des 19. Jahrhunderts befreit hatte, und durch ihre beinahe zehnjährige Beziehung mit dem damals reichsten Mann Englands, dem Herzog von Westminster, auch in höhere sozialen Kreise aufstieg, beschleicht einem aber höchstens eine Ahnung.

Nazi-Sympathisantin, Kollaborateurin und Spionin

Diese Rolle zu ergründen nimmt sich dagegen der vergangene Woche erschienene Band Der schwarze Engel: Ein Leben als Nazi-Agentin des amerikanischen Journalisten Hal Vaughan vor. Im Mittelpunkt steht hier Chanels Affäre mit Günther von Dincklage, deretwegen die Modemacherin nach der Befreiung von Paris zur geächteten Person wurde.

Chanel wäre allerdings nicht nur eine Nazi-Sympathisantin und Kollaborateurin gewesen, behauptet das Buch, sondern auch eine Spionin mit dem Decknamen "Westminster". Als Beweis werden Reisen nach Madrid und Berlin angeführt (In der Vergangenheit konnte nur jene nach Madrid dokumentiert werden). In Madrid sollte sich Chanel mit ihrem alten Freund Winston Churchill in Verbindung setzen, um ihn zu informieren, dass deutsche Befehlshaber das Ende des Krieges anstrebten.

Bisexualität und Drogenkonsum

Der zweite Vorwurf, den Hal Vaughan gegen Chanel erhebt, ist ihr angeblicher Antisemitismus, der auch in der Vergangenheit bereits öfters Thema war. Während der Besatzungszeit versuchte Chanel der jüdischen Familie Wertheimer die Lizenz an No. 5 zu entziehen, dem finanziellen Motor ihres (damals stillgelegten) Imperiums. Verteidiger der Modemacherin argumentieren allerdings, dass Chanel kaum so viele jüdische Freunde gehabt hätte und auch nicht mit der Familie Rothschild so eng verbunden gewesen wäre, wäre sie antisemitisch gewesen.

Neue Details zu Chanels kolportierter Bisexualität und ihrem Drogenkonsum will dagegen die im November erscheinende Biografie An Intimate Life von Lisa Chaney (Viking) entdeckt haben, Mitte September kommt dagegen schon Intimate Chanel (Rizzoli) auf den Markt, ein Band, an dem Chanels Großnichte mitgeschrieben hat. So schnell werden die Diskussionen über Coco Chanel also kein Ende finden. (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/26/08/2011)

Magnus13
03
29.8.2011, 13:24
Alle wissen alles nur aus Büchern

Keiner von uns hat in dieser Zeit gelebt. Sie war im Waisenhaus und sie war die Tocher eines jenischen Hausierers.

Channel hatte viele jüdische Freunde, dies deshalb weil die Jenischen und die Juden zusammengehalten haben.

Natürlich war sie klug genug um sich nicht zu outen, den die Jenischen wurden genauso ins KZ gesteckt, wie die Juden, Sinti und Roma.

Aung San Suu Tschi
 
11
29.8.2011, 10:53
Karl Lagerfeld hat bereits eine frühere Chanel-Biographie illustriert

Paul Morand: L'allure de Chanel. Paris (Gallimard) 1996; ein Paperback. Dieses Buch gibt es auch als Großformat, von Lagerfeld illustriert.

Morand beschreibt hierin auch das Umfeld der Chanel. Vieles im Drehbuch des Films "Coco avant Chanel" scheint diesem Buch entnommen.

Außerdem:

Henry Gidel: Coco Chanel. Biographie. Paris (Éditions Flammarion) 2000.

Gidel spricht ausführlich über die Naziaffinität der Chanel. Der opportunistische Charakter der Chanel (und wie ausgesprochen unangenehm sie als Alte war) war nie ein Geheimnis. Lagerfeld selbst hat sich darüber ausgelassen.

Interessant ist doch eine andere Frage: Warum haben einige Modemenschen (die ein Ideal der menschl. Perfektion pflegen) so einen Hang zu den Nazis (s. Galliano) ?

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