Opa geht nach oben

28. August 2011, 21:57
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    foto: robert newald

    Der Dichterfürst hat als Gepäck nur zwei Meter Strick im Auge hat.

Der Dichterfürst meint, dass er im Falle altersbedingter Gebrechlichkeit lieber auf den Dachboden gehen werde

Neulich war wieder einmal vom Altwerden und der körperlichen Hinfälligkeit die Rede. So kam man dann auch nicht zum ersten Mal an jenen heiklen Punkt, an dem seitens der anwesenden Frauen gern erwähnt wird, dass sie länger als die Männer leben. Das kommt daher, so die in solchen Fällen gerne als Wortführerin auftretende Frau des Dichterfürsten, dass eine Frau wahrscheinlich nicht so deppert lebt wie ein Mann und gleichzeitig mehr aushält.

Der Dichterfürst beginnt spätestens ab diesem Zeitpunkt den Weg des Samurai zu beschreiten. Er atmet tief durch und versucht Ruhe zu bewahren. Schließlich folgt auf solche Erkenntnisse der Frau meist ein praktisches Beispiel aus ihrem täglichen Umfeld. Das heißt, der Dichterfürst wird gern anhand diverser harmloser Zahnschmerzen, blödheitsbedingter Unfälle oder mikroskopischer Schnittwunden als wehleidiges Lulu vorgeführt, das sich ähnlich dramatisch im Todeskampf windet wie ein Italo-Fußballspieler, wenn er ein Foul vortäuscht. Die anderen Frauen am Tisch lachen dann hell und laut, die Männer geben sich bedeckt. Wer will schon schlafende Hunde wecken.

Gern meint der Dichterfürst dann in das abklingende Gelächter hinein, dass er im Falle altersbedingter Gebrechlichkeit lieber auf den Dachboden gehen werde, um nicht jemandem zur Last zu fallen, der ihn ohnehin nicht ernst nehme. Das versteht die Frau aber auch immer falsch, weil ihr eigener Großvater einst mit seinem ganzen Hausrat unter das Dach zog, der Dichterfürst aber als Gepäck nur zwei Meter Strick im Auge hat. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 26.08.2011)

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princess of fame
00
29.8.2011, 14:37
dass eine Frau wahrscheinlich nicht so deppert lebt wie ein Mann und gleichzeitig mehr aushält

Mir unvergesslich, weil in solchen Momenten immer wiederkehrende, Bemerkung im Wirtshaus die Wirtin über eine Tante (keine Erb-):
"Staaoit, auba zum Sterm zu beesoatig."
Vor und nach diesem philosophisch diskutierenswertem Satz unzählige Anekdoten über die Gemeinheiten, mit denen die alte Damen ihr soziales Umfeld quält.
;-)

santa fe
 
01
29.8.2011, 06:18

wir sterben früher, weil wir früher genug haben. das beweist unsere tiefere einsicht in den gesamtzusammenhang, an dessen ende wir bereits hängen, von anbeginn.

des meisters worte zappeln auf höchstem niveau.

NirvanArchie
00
29.8.2011, 12:23
oder auch

das kleinere glas ist einfach schneller voll :)

Kabine Zapfinger
02
29.8.2011, 00:26
Es ist wissenchaftlich nachgewiesen:

Beziehungen, in denen ein Partner den anderen Partner coram publico lächerlich macht, sind entweder in der Krise, dauern nicht mehr lange oder bestehen nur noch in der Theorie.
Der Dichterfürst ist also schon oder demnächst solo. Weiß er das bereits oder muss schach ihm das erst mitteilen?

princess of fame
00
29.8.2011, 15:15
Beziehungen, in denen ein Partner den anderen Partner coram publico lächerlich macht, sind entweder in der Krise, dauern nicht mehr lange oder bestehen nur noch in der Theorie

Bei meinen Eltern funktioniert das, soweit meine Erinnerung zurückreicht und sie feiern heuer die goldene Hochzeit.
Die wirklichen Personen, nicht die Alter Egos, weil sowas hamse nicht.
;-)

baroli
00
28.8.2011, 22:39

Bitte um Verständigung, wann es denn soweit wäre, ich möchte die Frau Knecht gern beglückwünschen.

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