Im Kopf des Bubi

19. August 2011, 14:27
  • Artikelbild
    foto: apa/barbara gindl

    Zu viel positiv denken macht uninteressant

Man kann sich die Welt schön reden, Reden und Denken schließen sich aber eher aus

"Führende amerikanische Wissenschafter haben jetzt herausgefunden, dass positiv denken gar nicht geht. Irgendwie hat man sich das zwar immer schon gedacht, aber die Erklärung dafür ist ebenso einfach wie verblüffend: Wenn man nämlich positiv denkt, muss man immer genau zu jenem Zeitpunkt zu denken aufhören, an dem es interessant wird. Sonst rutscht man von der Habenseite in den roten Bereich - und man sieht alles nur noch schwarz.

Man kann sich die Welt also relativ einfach schön reden. Dass sich aber Reden und Denken gegenseitig nicht ergänzen, sondern eher ausschließen, darf man ab einem gewissen Alter auch als bekannt voraussetzen. Wenn man jetzt damit beginnt zu denken, dass alles sei super und darauf hofft, dass tatsächlich alles gut werden wird, hat sich das Denken schon längst in den Dämmerschlaf der Vernunft zurückgezogen und das Großhirn auf Politikerrede umgeschaltet. Denken heißt Zweifeln. Der Zweifel ist der Tod des Glaubens. Er sagt: Ich glaube nicht, dass das einmal gut ausgehen wird. Wer positiv denkt, denkt also im Wesentlichen gar nicht. Positives Denken, also de facto Nichtdenken, scheint eine esoterische Beschwichtigungsideologie für bürgerliche Strickgruppen zu sein, deren Gewaltpotenzial man seitens der herrschenden Klasse nicht unbedingt ausloten will."

Stopp. Aus. Um Himmels Willen!

Wenn man als allwissender Autor einmal heimlich tief in den Bubi hineinschaut, kann es ganz schön entrisch werden. Aber ansatzweise hat er mit dem positiven Denken natürlich recht. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 19.08.2011)

  • Wilde Kerle

    Freunde fürs Leben [15]

    TitelbildDichterfürst und Bubi sind grantig - Dabei wollte man den von den Frauen verordneten gemeinsamen Urlaub besprechen

  • Wilde Kerle

    Alles wird gut [8]

    TitelbildNur eine einsame Motorsense stemmt sich gegen die Idylle und schneidet Dissonanzen in den Frieden

  • Wilde Kerle

    Der Strohwitwer [20]

    TitelbildUm Himmels willen, keine Blumen! Blumen sind für Leute mit wirklichem Dreck am Stecken

  • Wilde Kerle

    Das Schlusslicht [2]

    TitelbildBubi bemüht sich seit zehn Jahren auf der Beliebtheitsskala im Betrieb endlich vom vorletzten auf den letzten Platz abzurücken

  • Wilde Kerle

    Auf der Jagd [26]

    TitelbildNeueste wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass Rotwild interessanterweise Grün gut sieht und die Waidmänner besser Braun tragen sollten

  • Wilde Kerle

    Der Totalschaden [4]

    TitelbildFrostschäden, Heizungspumpen, geplatzte Leitungen oder im Warmwasserbehälter schwimmende Eisberge - Der Beginn der Sommersaison im ländlichen Elend

  • Wilde Kerle

    Eine Stunde auf dem Pannenstreifen [64]

    TitelbildEiseskälte, quängelnder Nachwuchs und ein Funkloch werden für den Dichterfürsten zur Zerreißprobe

  • Wilde Kerle

    London Calling [10]

    TitelbildLondon wird im Jahresrhythmus immer noch unausstehlicher, dachte der Dichterfürst

  • Wilde Kerle

    Der doppelte Weg [2]

    TitelbildMan könnte anmerken, dass Männer im Bestreben, ihr Leben möglichst kompliziert zu gestalten, auf gute Erfolgsaussichten verweisen können

  • Wilde Kerle

    Die Zeit läuft ab [17]

    TitelbildDie schlechte Laune schaukelt sich im morgendlichen Kontakt mit anderen Leuten draußen vor dem Bett weiter hoch

  • Wilde Kerle

    Die Jungen leiden [33]

    TitelbildAuch die gute alte Midlife-Crisis scheint heute weit nach vorn verlagert

  • Wilde Kerle

    Auto statt Plastik [46]

    TitelbildMit dem Auto einkaufen gehen und Plastiksackerln sparen kriegt man aus einem Landei nicht so schnell raus

  • Wilde Kerle

    Das Ende naht [15]

    TitelbildSo fix ist das mit Schlussausfertigendenull ohnehin nicht, weil allein auf der Nordhalbkugel unseres Planeten die Sonnenwende an insgesamt zwei Tagen stattfindet

  • Wilde Kerle

    Süchtig nach Sex [93]

    TitelbildSexsucht manifestiert sich beim jungen Mann gewöhnlich dadurch, dass er außer Igeln und Schlangen im Wesentlichen alles geil findet - Später legt sich das

  • Wilde Kerle

    Der Bücherwurm [9]

    TitelbildEs geht um jene Werke unbekannter Autoren aus ferneren Weltgegenden, die sich über Monate anhäufen und plötzlich vulgärpsychologischen Sinn ergeben

  • Wilde Kerle

    Szenen einer Ehe [73]

    TitelbildRauchenaufhören ist nicht schön - Wirklich schlimm wird es dann, wenn man nicht selbst mit dem Rauchen aufhört

  • Wilde Kerle

    Adventzauber [4]

    TitelbildDer Dichterfürst schob sich mit den Kindern noch bei Tageslicht durch Menschenmassen, die offenbar betrunken waren, weil sie zu viel Zimt inhaliert hatten

  • Wilde Kerle

    Zum Wirt burnouten gehen [12]

    TitelbildAm besten schon am Nachmittag in der Arbeit den Hut draufhauen und zum Wirt gehen, meint der Dichterfürst

  • Wilde Kerle

    Wir Häfenbrüder [1]

    TitelbildDie Freiheit, das Internet nicht zu nützen, sollte aber gratis zu haben sein

  • Wilde Kerle

    Wetter wird wichtig [4]

    TitelbildGraupelschauer, Arsch und Russenmafia

  • Wilde Kerle

    Lob der Stadt [63]

    TitelbildWenn es kalt wird, weiß man wieder, warum man mit 18 aus dem Dorf geflüchtet ist - Kolumne von Christian Schachinger

  • Wilde Kerle

    Adventzauber II [11]

    TitelbildDer Advent: eine durchaus schwierige Jahreszeit

  • Wilde Kerle

    Der Totalschaden [10]

    TitelbildWarum lache ich immer, wenn mir gerade etwas Schreckliches passiert? Ist das Galgenhumor? - Kolumne von Christian Schachinger

  • Wilde Kerle

    Die ehrliche Küche [95]

    TitelbildAm Freitag gibt's Fisch mit viel Gemüse, am Samstag was schnelles Vegetarisches - aber am Sonntag wäre endlich etwas Gescheites zum Essen recht

  • Wilde Kerle

    Der Elternabend [200]

    TitelbildDürfen's auch blaue statt durchsichtiger Klarsichthüllen auf den Heften sein, fragt ein besorgter Vater...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
1 2
Einer wie ich wird hier dringend gebraucht
 
00
21.8.2011, 08:10

Das Problem beim positiven Denken ist ja ein ganz anderes: Es wird deinem suggeriert, dass man sich positive Dinge herbeidenken könne, dass man daher auch selber dafür verantwortlich sei, wenn sich (durch bloßes positives Denken) die positiven Dinge nicht einstellten. Das führt dazu, dass man womöglich auch noch Schuldgefühle bekommt, wenn etwas schiefgelaufen ist, weil man ja quasi falsch gedacht hat. Freilich ist Zweifeln etwas anderes als Defätismus und Mieselsüchtigkeit, am besten ist, man benützt das Gehirn dazu, eine realistische Einschätzung der Lage zu gewinnen, und geht nicht von vornherein davon aus, dass entweder alles gut werden wird oder eh alles "oasch" sein wird.

silvia hanna
 
00
29.8.2011, 03:24

"so a schaas, schon wieder arbeiten" vs "tja, schon wieder arbeiten, aber zum glück muss ich ja nicht ins bergwerk" - ein beispiel für positives denken, welches nicht an der realität zerbricht. so einfach ist das.

santa fe
 
00
21.8.2011, 06:38
naja,

santa fe
 
00
21.8.2011, 07:11

schon nach dem ersten weltkrieg waren die sicherungen endgültig herausgeschossen. die vernunft nannte sich DADA und spielte negermusik. heute heisst das rock'n roll, und niemand weiss besser als der dichterfürst, wie man das beim denken, reden, schreiben und musikmachen spielt. er lässt uns durch bubi bloss verarschen.

bubi denkt und trinkt dialektisch. das heisst, die vernunft, hat sich aufgrund ihrer erfahrung mit sich selbst nicht mehr lieb. an dieser stelle stiess der junge dali das rednerpult um und schrie, das ist vernunft! oder war es revolution?

Regis 1
10
21.8.2011, 00:43
Zitat

Positiv denken ist das Gegenteil von Denken

(Ilse Aichinger)

antizipierer
00
20.8.2011, 16:27
Wow, das habe ich mir schon immer gedacht

silvia hanna
 
00
29.8.2011, 03:26

"bäh, schon wieder so heiß" vs "endlich richtig sommer, genießen wir's bevor der nächste winter da ist" - weiteres beispiel für positives denken welches nicht an der realität zerbricht bzw zerbrechen muss

Einer wie ich wird hier dringend gebraucht
 
00
21.8.2011, 07:45

Und warum hast du es dann nicht gesagt?

HTK
01
20.8.2011, 09:59
Sind wir hier in der Knoff-Hoff Show ?

"Führende amerikanische Wissenschafter haben jetzt herausgefunden, dass"

kann man nicht schreiben wer und wo ?

dermartino
00
21.8.2011, 01:57

Das nervt mich auch jedes Mal... noch schlimmer ist:

"Neue Studien haben gezeigt..."

Einer wie ich wird hier dringend gebraucht
 
00
21.8.2011, 07:47

Hatte auf der Uni einen Prof, der aberwitzige Behauptungen immer mit dem Satz eingeleitet hat: Wie Sie wissen, ...

gastrosoph
01
20.8.2011, 05:59
Und---?

Um ein paar Ecken gedacht, kommt auch nichts Rundes bei raus.

Lang lebe Gilles Peterson
04
20.8.2011, 02:08
Kurzer-guter-Artikel-Bravo!

G.Bru
01
19.8.2011, 22:34

Wäre interessant noch mehr dazu zu lesen, aber leider wurde keine Quellenangabe gegeben. Welche Wissenschafter haben das gesagt?

Bertel Mann
01
19.8.2011, 18:10
"sich" oder nicht doch "einander"?

Vergilius
00
20.8.2011, 18:56
war auch mein erster gedanke

aber sie wissen ja - denken und (vielleicht auch) schreiben ...

Illegoquifuerim
01
20.8.2011, 08:50
You made my day ...

Danke, Mann, dass hier noch irgendjemand Sprachgefühl zeigt. Ja: "einander", nicht "sich" (außer im Falle Schachingers, da schließen vielleicht eines Tages Denk- und Schreibvermögen tatsächlich "sich" von einer Verwendung durch den Verfasser aus, um nicht weiter vergewaltigt zu werden).
Gipfel dieses Gestammels in einer angeblichen Qualitätszeitung im 2. Absatz: "sich ... gegenseitig". Bravo Schachinger! Um Karl K. (ungenau) zu zitieren: Es reicht nicht, nichts zu sagen zu haben - man muß auch unfähig sein, es auszudrücken.

Einer wie ich wird hier dringend gebraucht
 
02
21.8.2011, 08:00

Meine Freundin greift sich gut an, sie greift aber auch mich gut an, also greift sie uns gut an. Ich greife mich (sagt sie) auch gut an und ich greife sie (sagt sie) auch gut an, also greife ich (sagt sie) uns auch gut an. Wenn aber sie uns gut angreift und ich uns auch gut angreife, dann greifen ja wir uns gut an.
Ich hoffe, es fühlt sich jetzt niemand von mir angegriffen.

princess of fame
02
19.8.2011, 16:33
Ich glaube nicht, dass das einmal gut ausgehen wird

Ich auch nicht, ich erwarte es.
Aber das ist nicht positives Denken, das ist Optimismus.
Und das ist eine andere Geschichte.
;-)

Einer wie ich wird hier dringend gebraucht
 
00
21.8.2011, 08:12

Sehr gut gesagt. Und Optimisten wissen natürlich auch, dass bloßes Denken zu wenig ist.

princess of fame
00
21.8.2011, 17:26
Und Optimisten wissen natürlich auch, dass bloßes Denken zu wenig ist

Und, aus Selbsterrfahrung: Die positiven Erfahrungen werden als Regel erlebt, die negativen als Ausnahmen.
Und das ist auch gut so.
;-)

Einer wie ich wird hier dringend gebraucht
 
01
22.8.2011, 16:45

Also dann: Weiter so und viele schöne Erfahrungen!

So Nina
01
19.8.2011, 16:06
...achja...

....und zu mir sagen immer alle, ich sei so negativ, weil ich behaupte, ich kann nicht wirklich positiv denken, höchstens sarkastisch...

Slatin Pascha
05
19.8.2011, 15:26
Warum

habe ich bei dem Titel "Reden und Denken schließen sich aber eher aus" sofort an Strache gedacht?

Werner Faygmann
02
19.8.2011, 15:19
Experimentell längst bewiesen...

...statt an Laborratten an PolitikerInnen!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.