Luzia Schrampf gibt eine Orientierungshilfe der Bezeichnungssysteme: Von AOC bis DAC
Es ist ein uralter Wunschtraum von Weinkonsumenten im Restaurant oder in der Vinothek, unbedarften wie bedarften: aus den Informationen am Flaschenetikett erahnen zu können, wie der Inhalt der Flasche schmecken wird. Viele Bezeichnungssysteme hat man sich dazu einfallen lassen und sie in Gesetze gegossen.
Jahrgang und Alkoholstärke stehen überall drauf, ob er trocken oder süß schmeckt, ist in manchen Ländern schon nicht mehr ganz so klar deklariert. In Übersee benennt man die Rebsorte. In Europa legt man Produktionsweise und Herkunft fest und subsumiert dies unter Kürzeln wie AOC, DO, DOC, denen man, wenn es zu wenig eindringlich erscheint, noch ein "garantita" wie in Italien oder ein "calificada" wie in Spanien dazupackt.
DAC und Dak
Österreich versucht es über eine regionale Bezeichnung plus DAC, die für einen typischen Geschmackstyp des jeweiligen Gebietes stehen soll. Interessant ist, dass sich das Kürzel "Dak" dabei im Sprachgebrauch stärker durchgesetzt hat als die jeweilige Gebietsbezeichnung, die davor steht und ungleich nützlicher ist.
Klare Hinweise auf Qualitätsstufen zu geben ist jedoch möglich und wird zum Beispiel in Burgund seit langem praktiziert: Steht der Regionsname "Bourgogne" drauf, ist es ein einfacherer Wein, der in größerer Menge bei höheren Durchschnittserträgen in durchschnittlich guten, aber nicht aufregenden Weingärten der Region gewachsen ist. Mit dem Namen eines Dorfes wird das Ganze schon anspruchsvoller. Soll es noch ein Schäuferl mehr sein, dann steht noch ein Weinberg- oder Lagenname dabei.
Bessere und schlechtere Weingärten
Je enger der geografische Raum der Herkunft eines Weines am Etikett definiert ist, desto besonderer ist er. So weit das taugliche Grundsystem, das auch immer öfter in Österreich zu finden ist, und an dem man sich auch als Unwissender beim Weinkauf gut orientieren kann: Grüner Veltliner Burgenland kann durchaus gut sein, hat aber weniger Substanz als ein Golser Grüner Veltliner, dem wieder der Veltliner aus der Lage XY in ebendiesem Ort übergeordnet ist.
Ob's einem tatsächlich schmeckt, wird man trotzdem probieren müssen: Denn auch hier bestehen massive Unterschiede zwischen sorgfältig und weniger sorgfältig arbeitenden Winzern, die bessere oder schlechtere Weingärten besitzen. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/12/08/2011)