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Gartenzäune sind okay, solange man über sie hinweg kommunizieren - oder auch nur spechteln kann.
Der britische Geograf Jay Appleton war bestimmt nicht in der Pötzleinsdorfer Cottage spazieren, als er seine Prospect-Refuge-Theorie entwickelte. Sie besagt, dass die Menschen im Zuge der Evolution ganz bestimmte ästhetische Vorlieben entwickelt hätten, was die Ausstattung ihres Heims betrifft. Unsereins homo sapiens sapiens, so Appleton, bevorzuge Wohnorte, von welchen wir einen unverstellten Blick hinaus ins weite Land hätten.
Das böte den Vorteil, Feinde schon früh ausmachen zu können und so weniger Zeitdruck zu haben, um Handlungsoptionen abzuwägen, Entscheidungen zu fällen und schlussendlich diesen Folge zu leisten. Aber es ist nicht nur prospect, also Ausblick allein, nein, auch refuge: Schutz muss die Niederlassung bieten, Rückzugsmöglichkeiten, um selbst nicht gesehen zu werden. Wir wollen also spechteln, aber dabei nicht erwischt werden - so in etwa könnte man die Prospect-Refuge-Theorie zusammenfassen.
Zentren der Kommunikation
Der homo sapiens poetzleinsdorferiensis tickt da aber anders oder hatte halt seinerzeit andere Selektionsbedingungen. Denn er kastelt sich ein. Er setzt grüne Hecken rund um seine Behausungen, die so dicht wachsen, dass nicht einmal Captain Kirks Phaser in Stufe 2 diese durchdringen könnte. Nur von ersten Frühjahrsspaziergängen weiß ich, wie schön diese nun den Blicken verborgenen Gärten sind. Da waren die Hecken noch bar jeder Belaubung, und man sah Menschen bei der Gartenarbeit, sah schöne Frühjahrsbeete, konnte sich Anregungen holen, blieb für einen Tratsch über Dickmaulrüssler kurz stehen oder blickte verstohlen weg, wenn man zu Intimes bezeugen hätte können.
Gerade Gärten sind Zentren der Kommunikation. Meist der mit einem selbst, aber gerne auch jener mit Passanten, die lobend stehen bleiben, die die Pracht zu schätzen wissen, die mit Kennerblick die darbende Nina Weibull beseufzen und Tipps geben, in welcher Gärtnerei das Kilo Surfinien gerade sehr wenig koste. Was nützt die ganze Pracht, wenn ich sie wegsperre? Wenn ich sie hinter Liguster-, Kirschlorbeer- oder gar Thujenhecken verberge? Und wie unbefriedigend ist es andererseits (und zwar buchstäblich!), zu wissen, dass draußen am Zaun Menschen vorbeigehen, ohne erkennen zu können, wes Habitus sie sind?
Strategien für und gegen das Spechteln
Das passt doch vorn und hinten nicht zusammen. Leute, lest Euren Appleton, reißt die Hecken nieder und gebt die cottageoise Pracht Eurer Gärten frei! Für den Refuge-Aspekt kann man ja auch gewitzte, gärtnerische Lösungen entwickeln. Man schiebe seine Liege unter die Hängebirke, verfrachte den Lieblingslehnstuhl unter die lang herabhängenden Blätter der Weide, oder bastle sich aus immer kleiner werdenden Torbögen, Ramblerrosen und Clematen einen höhlenartigen Ort des Rückzugs, von dem aus man unbeobachtet aus dem Garten hinausspechteln und den Passanten hinterherspucken kann.
Die schönste Form des Rückzugsortes habe ich in Rossatz gesehen. Da ließ der Bewohner eine große Fläche Rasen ungemäht stehen und stellte da seinen Liegestuhl hinein. Niemand konnte ihn sehen, und wenn er vom Nickerchen erwacht die Augen öffnete, sah er bunte Blumen sein Blickfeld abgrenzen, Bienen tanzen und zentral einen azurblauen Himmel mit weißen Wattewolken, auf denen Heidi jodelnd über die Länder zog. Und: Jeder Garten hat uneinsehbare Winkel, in denen man dann all die Sachen machen kann, die niemand sehen soll. Aber Vorsicht! Hören kann man sie eventuell trotzdem. Also, seid einsichtig und gewährt Einsicht! (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/05/08/2011)
Die deutsche Rosenzüchtung Westerland ist seit über 40 Jahren ein Hit. Zu Recht, denn wer sie nur ein bisserl aufpapperlt und ihr beim Ranken hilft, wird mit üppigen Duft- und Farberuptionen belohnt, weiß Gregor Fauma.
Jetzt ist der Moment, um Rosen an Land auf Pilzbefall zu untersuchen und für neue Seerosen ein passendes Gewässer zu finden
Wildwuchs wird man dem Doldenblütler nicht abgewöhnen - Aufessen hilft, meint Gregor Fauma
Der Nachbar wird schön schauen: Wegen der Hortensien ums Hochbeet sieht er bald nicht mehr in Ihren Garten! Einige Anregungen, die zu Freude und Erfolg führen mögen.
Pflanzenläuse vermehren sich so schnell, dass einem schwarz wird vor Augen. Hausmittelchen helfen nur, wenn man sie früh genug einsetzt, weiß Gregor Fauma.
Ein Hochbeet schont den Rücken, nicht das Geldbörsel - Es sei denn, man greift zu Hammer und Nägeln anstelle von großteils hässlichen Fertigsets, meint Gregor Fauma
Um rascher an eine eigene Vogelpopulation zu kommen, können Gärtner etwas tun: mehr mulchen und weniger wegschneiden zum Beispiel, meint Gregor Fauma
Viel Platz unter der Sonne und reichlich Wasser will der Krautstiel - Er dankt's dem Beilagenesser mehrfach in einer Saison mit üppigen Ernten, weiß Gregor Fauma
Bohne, Zucchini und Kürbis brauchen eine Stütze - Die ist ihnen der Gärtner, der im Mai ausreichend Rankhilfen aufstellt, weil das junge Gemüse sonst bald den Kopf hängen lässt
Wie feucht und sandig mag's die Fragaria? Die Antwort auf genau diese Frage ist eine süße Denksportaufgabe, meint Gregor Fauma
Die Eisheiligen stehen vor der Tür. Welches junge Gemüse trotzdem schon hinausdarf und was besser im Haus bleibt, weiß Gregor Fauma
Los geht's: Rasch das alte Laub aus den Gartenschlapfen beuteln und sofort draußen klären, was die Pflanzen bald schon brauchen werden
Autochthone Pflanzen wie die Clematis können mit Frostattacken im April eh gut umgehen - Exotische Schönlinge brauchen halt momentan ein wenig mehr Aufmerksamkeit, weiß Gregor Fauma
Der Gewöhnliche Steinklee macht etwas Ungewöhnliches: Er faltet seine Blätter vor dem Schlafengehen, um uns den nächsten Tag zu versüßen - Womit, verrät Gregor Fauma
Guter Dünger muss reifen wie Wein, aber bei einem Verschnitt aus Ästen und Gras kann man nachhelfen
Dem Gärtner stinkt die frühe Dämmerung, er steckt die Zehen in den Boden: Tipps für den Knoblauchmonat Oktober von Gregor Fauma
Advent und Wohltätigkeit gehören zusammen. Charity im eigenen Garten ist, wenn man dem Lieblingsstrauch die (Schnee-)Last nimmt und alle Stauden stützt, meint Gregor Fauma
Der Herbst ist der Höhepunkt des Gartenjahres - so zur rechten Zeit vorgesorgt wurde
Solange die Böden noch nicht gefroren sind, heißt es: dick anziehen und großzügig sein mit Blumenknollen - Das freut natürlich auch den einen oder anderen Nager, der dafür selbstlos die Erde lockert
Das Nachtschattengewächs mit dem heißumstrittenen Namen wird gern auf dem Balkon gezogen - Gregor Fauma über Theorie und Praxis der Tomate
Tropische Pflanzen wie die Engelstrompete wachsen auch in den südamerikanischen Bergen - Minusgrade, nur für kurze Zeit, machen sie sogar robuster, meint Gregor Fauma
Wenn die Groupies kommen, kriegt Gregor Fauma zwar Schampus verehrt - aber anstrengend ist es schon
Für Gärtner ist der November ein Glücksspiel: Friert es, gibt es hohe pflanzliche Verluste zu beklagen - Auf Sicherheit spielende Outdoor-Experten setzen dagegen das herumliegende Laub einfach als Thermojacke ein - Eine warme Empfehlung von Gregor Fauma
Dass der Wind noch selten etwas Gutes gebracht hat, können Gärtner aus ganzer Seele bestätigen - Gregor Fauma über den Feind der zarten Blüte
Schicht für Schicht abwechselnd Trocken- und Grünzeug übereinanderlegen: Das hat sich auch beim Komposthaufen bewährt - Faule Tricks von Gregor Fauma
freundliche Kommunikation mit Mitmenschen, das eigene Reich (vermutlich begehrlichen) Blicken preis geben... furchtbar. Ein Horror für den durschnittlich wohlhabenden Österreicher. Richtig entspannt sind in der meistens nur jene, die wirklich wenig oder wirklich viel haben.
kann man auch sagen, dass die thujenhecken generell sehr gerne in österreich als sichtschutz eingesetzt werden. in der nähe von gehwegen und straßen verständlicher als dort wo man sich die sicht auf einen bach, berg, ebene, wald etc. verstellt.
Der Autor hätte also Freude daran, in den Lebensbereich wildfremder Menschen einzusehen bzw. seinen Senf dazu zu geben. Soll so sein. Dass er aber voraussetzt, die Menschen hätten ein Interesse am Gespräch mit Fremden, welche in ihre Gärten stieren bzw. eine Freude daran Vorbeigeher zu begaffen, befremdet mich. Den Menschen dient der eigene Garten zur persönlichsten Erbauung. Was Andere, ja Fremde davon halten, ist einem Genießer wurscht. Wessen Urteil gewünscht und anerkannt wird, der wird zur Geselligkeit in den Garten geladen.
mit vorder und hintergarten (letzterer uneinsichtig) wärs möglich - sowie tlw. in england - wobei ja nicht alle zeigefreudig sind.
wir sitzen tlw. auch im vordergarten - hinter einem nicht blickdichten zaun - im dorf weiss also jeder alles was wir da tun - uns störts nicht, aber nicht jedermanns/fraus sache.
hier im dorf waren wirklich die hunde der grund dass einige hinten ihre immer offenen gärten (früher als felder genutzt) einzäunten.
bei uns waran es weniger die hundstrümmerln als die streunenden hunde die sich in unserem biotob badeten, beim rauskraxeln aus dem wasser schäden anrichteten. ausserdem hatten die kinder angst wenn plötzlich ein grosser fremder hund vor ihnen steht und bellt. weiters schäden in den gemüsebeeten durch graben und zertreten wie das totpinkeln einzelner bäumchen....
tja, warum gibt es wohl das schöne alte deutsche wort ein"friedung" ... ;-)
aber zugegeben: es ist schade, dass leute auch den vorgarten, in dem sie sich meist eh nicht aufhalten, blickdicht machen. gerade diese zone böte sich den passanten als blickfang an. man sieht manchmal in tourismusgebieten völlig geschlossene, meterhohe umzäunungen, sowas ist dem ortsbild sicher abträglich.
blickdichte, meterhohe umzäunungen
Auch in Wien an der alten Donau gibt so was mittlerweilen. Normalerweise inklusive Überwachungskamera.
Ich finde, so was schaut ganz grausam und furchtbar nach neureich aus. Und stört wirklich sehr das Ortbild. Ich fühle mich unwohl an solchen Orten und irgendwie auch unerewünscht.
Weil, sobald etwas nicht eingezäunt ist, es als Allgemeingut gilt. Hätte ich einen Garten, ich würde nicht wollen, dass bis an meine Haustüre heran fremde Hunde kacken, Leute durch den Vorgarten trampeln usw. Passierte meine Eltern früher öfters, bis sie einen Zaun hatten. Ganz zu schweigen vom Verlust der Privatsphäre, wenn jeder sofort sehne kann, was sich am Grundstück alles abspielt. So gesehen halte ich Faumas Argumente für nicht stichhaltig.
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