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Wie Haifischzähne baumeln mehr als 20.000 Scherbenteile von der Decke des Augarten Flagshipstore.

Designer Philipp Bruni und seine Vase "Pinocchio".
Ein kleines Mädchen drückt sich an der Auslage die Nase platt, so fest, dass es schon beim Zuschauen wehtut. Doch nicht die putzigen Windhündchen, die pausbäckigen Schäferinnen oder die sich aufbäumenden Porzellanrösser haben es ihr angetan. Es ist die Decke des Augarten-Flagshipstores, die das Kind staunen lässt. Mehr als 20.000 Scherben von Augarten-Desserttellern baumeln dort wie Haifischzähne von der Decke. Betritt man das Geschäft, hält diese Installation aber auch etwas für die Ohren parat. Leichte Windstöße schicken Wellen in das Scherben-Meer und verursachen ein Geräusch, wie man es von Klangspielen aus dem Gastgarten beim Chinesen kennt. Ob die Verkäuferinnen von Augarten von dieser Idee ebenso begeistert sind, wie die gerade eintretende Kundschaft, darf allerdings bezweifelt werden.
Happy sind sie trotzdem mit dem, was der Designer Philipp Bruni hier in der Spiegelgasse 3 nach dem Umzug des Geschäfts vom Stock-im-Eisen-Platz, gleich um die Ecke, angestellt hat. Und Glück müssten die Damen bei so vielen Scherben ohne Ende haben. "Die Decke ist ein oft vernachlässigtes Architekturelement, das viel Spielraum zulässt", sagt der Gestalter Philipp Bruni. Der in Mödling aufgewachsene Designer, der seit fünf Jahren in Mailand arbeitet, hat die Luft eines fast 300 Jahre alten Unternehmens geschnuppert und schickt sie durch eine Art Jahrhundertfilter. Bruni lupft dabei die konservative Decke eines der traditionellsten österreichischen Unternehmen, lugt darunter und lässt Neues sichtbar werden. Der 29-Jährige tut dies frech und frisch.
Werkbankinstallation
Er spielt mit der Zerbrechlichkeit, ohne dabei das Material, das oftmals zu Unrecht in den Vitrinen von Großtanten verortet wird, zu beleidigen. "Was steckt dahinter", lautete die Frage, die sich der Designer stellt, der unter anderem für Manner, Römerquelle, Molto Luce oder die tschechische Glasfirma Lasvit arbeitet. Besonders wichtig ist es dem gelernten Maschinenbauingenieur, auf den Manufaktur-Charakter von Augarten hinzuweisen.
Auf einer Art Werkbankinstallation finden sich unter mundgeblasenen Glasstürzen die Porzellanzutaten Feldspat, Quarz und Kaolin. Auch kleine Teile von verschiedenen Porzellanfiguren gibt's zu sehen. Hand aufs Herz, wer weiß schon, dass so ein putziges Persönchen mitunter aus zig Teilen gebrannt wird, ehe es als pastelliges Ganzes auf dem Kaminsims landet? Dass das schiefgehen kann, ist auch hier sehen, so ist unter anderem ein Porzellan-Kavalier ausgestellt, der ganz ohne Absicht in die Knie geht. "Hoppalas" nennt das der Designer. Weiters gehören zum Konzept des Geschäfts, das circa 180 Quadratmeter auf zwei Etagen misst, Fotos aus der Produktion, Videoscreens, viel Leder in einem erdig-roten Ton, Holz und ein Boden aus Stahlplatten.
Die Lange Nase des Porzellans
Auch in der Produktkollektion ist Bruni mit einem Entwurf vertreten, der seit Monaten durch internationale Lifestyle-Gazetten wandert - so wie andere moderne Augarten-Objekte, die zum Beispiel aus der Feder des heimischen Durchstarters Marco Dessi oder von Thomas Feichtner stammen. Pinocchio heißt Brunis Vase, die auf sehr unkonventionelle Weise die Zerbrechlichkeit von Porzellan aufs Korn nimmt. Den Boden des Objekts bildet eine Kugel, sozusagen der Kopf Pinocchios, aus dem heraus die lange Nase wächst. Wie ein Stehaufmännchen oder ein Metronom lässt sich das Blumenbehältnis hin- und herwiegen. Der erste "Pinocchio" war schneeweiß, mittlerweile gibt es zehn verschiedene Designs. Der letzte Streich gibt den "Pinocchios" das Aussehen von Billardkugeln mit Langnase. "Die Idee zur Form kam wie ein Zündfunken, ganz plötzlich, mitten in der Nacht", erzählt der Gepetto dieser Vase, der nach eigenen Worten schon als Kind lieber im elterlichen Architekturbüro Saftpressen entwarf, als in den Kindergarten zu gehen.
Klar gibt's noch immer Stücke aus dem Augartenfundus, die einen die Nase rümpfen lassen, aber gerade Brunis Inszenierung motiviert, dem einen oder andere Porzellanwesen auch einen zweiten Blick zu gönnen. Unterhaltungswert haben gerade diese skurrilen Stücke, auch wenn man sie nicht unbedingt mit nach Hause nehmen möchte.
Wer im neuen Geschäft auf den Geschmack von Porzellan gekommen ist, sollte sich von hier schnurstracks zur Manufaktur Augarten im gleichnamigen Garten machen, wo im ehemaligen kaiserlichen Lustgebäude, ebenfalls vor kurzem eröffnet, ein neuer Shop und ein ganzes Augarten-Museum auf Besucher warten. Zweiteres birgt Schätze, die bis auf das Jahr 1718 zurückgehen. Ach ja, ein paar kleine Elefanten lassen sich im Porzellanladen natürlich auch finden. Und sie trampeln brav auf einem Scherbenhaufen. (Michael Hausenblas/Der Standard/rondo/05/08/2011)
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und 'Adlmüller', die Liste lässt sich fortsetzen. Was für ein Kauferlebnis beim Braun, man fühlte sich wie in Mailand oder Paris, wenn für ein Tuch eine Schublade geöffnet wurde, da entnahm man eine Mahagonikiste in welcher in einer Schachtel in Seidenpapier eingepackt das gewünschte Tuch zum Vorschein kam. Das nenne ich 'Kauferlebnis'.
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