1980 fertigte man bei Hublot erstmals eine Modellreihe mit einem Uhrenband aus Kautschuk
Die Kalender zeigten das Jahr 1976, als Carlo Crocco, 32, Spross einer Mailänder Uhrmacherdynastie, die MDM Genève ins Leben rief. Die drei Buchstaben meinten "Montre des Montres". Die "Uhr unter den Uhren" sollte ein sportlicher Zeitmesser sein, ausgestattet mit einem langlebigen Kautschukarmband. Weil es so etwas in der Schweiz bis dahin noch nicht gegeben hatte, war eine Neuentwicklung angesagt, welche drei Jahre beanspruchte. 1980 erlebten die Besucher der Basler Uhrenmesse ein schwarzes Armband, das sich Wasser, Schweiß und Alterung widersetzte. Eingewebte Stahlfasern bewirkten hohe Reißfestigkeit.
Nasenmenschen kamen durch den Vanillegeruch auf ihre Kosten. Das Gehäuse setzte sich zwar über Traditionen hinweg, zeichnete sich aber trotzdem durch Zeitlosigkeit aus. Die zwölf Schrauben zur Fixierung der Lünette weckten Erinnerungen an ein Bullauge. Somit kam der Name Hublot, das französische Wort dafür, ebenso wenig von ungefähr wie der Erfolg seiner Kreationen, zu denen auch Chronografen gehörten. In der Überzeugung, ein unsterbliches, gegen Zeitgeistströmungen resistentes Produkt geschaffen zu haben, übersah Crocco, dass die Zeiten sich ändern. So stand Hublot 2004 trotz legendärer Erzeugnisse finanziell mit dem Rücken zur Wand. Es brauchte den sprichwörtlichen Weißen Ritter.
"Big Bang"
Selbiger erschien in Gestalt des dynamischen Jean-Claude Biver, das krasse Gegenteil von Crocco. Der Luxemburger, dem Blancpain ab 1983 seine Renaissance verdankte, sicherte Hublot mit der markanten "Big Bang" definitiv das Überleben und mehr. 2008 spülte der Verkauf an die LVMH-Gruppe dem Mehrheitseigner Carlo Crocco 400 Millionen Schweizer Franken in die persönliche Kasse. Aber auch Jean-Claude Biver kam nicht zu kurz. Er hatte sich in weiser Voraussicht nämlich zumindest zwanzig Prozent der Hublot-Anteile gesichert. Mehr wollte ihm Carlo Crocco nicht verkaufen.
"Urknall"-Modell
Der spontane Erfolg des "Urknall"-Modells ab 2005 gründete sich auf mehreren Faktoren. Zusammen mit m-Design hatte Biver ein gleichermaßen opulentes wie geniales Sandwich-Gehäuse aus der Taufe gehoben. Der Aufbau in mehreren Schichten, die durch Schrauben zusammengehalten werden, gestattete die fast schon beliebige Fusion von Materialien. Zum Beispiel fanden Wolfram, Karbon und Keramik zusammen oder Gold und Kautschuk, verstärkt durch Kevlar. Quasi alles war und ist möglich, denn die Schale steckt praktisch keine Grenzen. Beim Innenleben gab für Biver zunächst nur eine Wahl: den jahrzehntelang bewährten Automatik-Chronografen 7750 von der Eta.
Modell "Mag Bang"
Auf Dauer mochte sich der Firmenlenker aber nicht mit Großserieneinheitskost abfinden. Den ersten Schritt in Richtung Manufaktur markierte 2007 das Modell "Mag Bang". In angemieteten Räumlichkeiten nahe Nyon werden Teile des ersten eigenständigen Kalibers mit Namen HUB 44 produziert. Bezüglich Geometrie und Aufbau glich es dem Valjoux 7750. Konsequenzen musste Hublot nicht fürchten, denn der rechtliche Schutz für diesen Bestseller war damals schon seit drei Jahren ausgelaufen. Ungeachtet dessen unterschieden sich Material und Farbgebung der tragenden Teile signifikant vom Original. Möglich machte es Ag5, ein Werkstoff, den auch Flugzeugbauer und Hersteller chirurgischer Instrumente erfolgreich verwenden. Die Legierung besteht aus Magnesium (fünf Prozent), Mangan (2,3 Prozent) und überwiegend Aluminium. Dank dieser Materialien bringt die komplexe Platine nur 1,9 Gramm auf die Waage. Das gesamte Gestell ist 3,7 Gramm leicht, trotzdem aber extrem stabil. Echtes Federgewicht zeichnete auch das graue Gehäuse aus. Weil Ag5 außerordentlich hohe Anforderungen an die Bearbeitung stellt, blieb Hublot deutlich unter der angepeilten Limitierung von 250 Exemplaren. Die relativ wenigen glücklichen Besitzer einer Mag Bang können sich also richtig freuen.
"Unico"
Doch das war nur der erste Schritt. Seit 2010 läuft die Uhrenfabrikation im eigenen Firmengebäude am Ortsrand von Nyon nahe Genf auf vollen Touren. Rund 6000 Quadratmeter Nutzfläche stehen den gut 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung. Das Fertigungsspektrum reicht von T0, also der Komponentenproduktion, bis hin zu T3, der Fertigstellung kompletter Zeitmesser. Die Etappen T1, Vormontage von Bauteilen, und T2, Zusammenbau und Reglage von Uhrwerken, sind ebenfalls vorhanden. Mehr als beachtlich ist der breit angelegte Maschinenpark. Er reicht von der klassischen Drehbank bis hin zu elektronisch gesteuerten Fertigungszentren der neuesten Generation. Einer der Stars des uhrmacherischen Geschehens bei Hublot heißt "Unico".
"All Black"
So sollen bei Hublot ab 2013 rund die Hälfte aller Kaliber heißen. Das 1240 ist echte Manufakturarbeit. Die Rotorautomatik mit Chronograf besteht aus 393 Komponenten. 222 davon sind unterschiedlich. Platinen, Brücken und Kloben entstehen ebenso im eigenen Haus wie eine ganze Reihe spezifischer Kleinteile. Selbstverständlich kann der Newcomer eine ganze Reihe besonderer Merkmale vorweisen: Das Schaltrad des Chronografen erledigt seine funktionssteuernden Aufgaben vorderseitig und ist damit durchs skelettierte Zifferblatt jederzeit sichtbar. Vorhanden sind gleich zwei horizontale Räderkupplungen, dazu ein 30-Minuten-Totalisator sowie eine Flyback-Funktion. Die neu entwickelte Unruh mit variablem Drehmoment und die freischwingende Unruhspirale oszillieren mit vier Hertz. Eine kräftige Zugfeder stellt 72 Stunden Gangautonomie sicher. Einfallsreich auch das intelligente Wechsel-Echappement mit Siliziumanker und -ankerrad, welches sich mit wenigen Handgriffen austauschen lässt. Die Erst-edition des außergewöhnlichen Uhrwerks mit Fensterdatum tickt in einem markanten, 48 mm großen King-Power-Gehäuse. Nur 500 Exemplare gibt es von der mächtigen "All Black" mit tiefschwarzer Keramik-/Kautschuk-Schale. (Gisbert L. Brunner/Der Standard/rondo/29/07/2011)