Der Sommersound

25. Juli 2011, 16:58
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    foto: apa/andreas altwein

    Steppengrille, Zweifleckgrille oder Heuschrecke - Fauma sorgt für Surroundsound auf der Terrasse.

Auf Grille statt Griller schwört Gregor Fauma in seinem Garten - Denn nur das Tierchen zaubert mediterrane Nächte

Juli. Grelles Licht und sengende Hitze tauschen nächtens mit schwül stehender Luft und leuchtendem Sternenhimmel. Dumpf dampft der Boden im Dunkeln die bleierne Schwüle ab, die vom Morgen an in ihn hineingestrahlt wurde. Die zu Tageszeiten noch schlapp hängenden Pflanzen atmen, wenn die Sonne schon ein paar Stunden untergegangen ist, deutlich hörbar auf. Fensterläden werden geöffnet, Rollläden hochgefahren, und die Sommermenschen lüften ihre stickigen Zimmer hinaus in die Nacht.

Alle erwachen. Menschen, Pflanzen, Nacktschnecken, und selbst die haarigen Riesenhausspinnen wagen sich knisternd aus ihren sinistren Verstecken. Manche behauptet, sie seien so groß, dass man sie deutlich über das Parkett trippeln höre. Fledermäuse ziehen geräuschlos ihre nervösen Loops & Backflips in den Himmel, und Glühwürmchen leuchten einander den Weg zueinander. Und trotzdem, irgendetwas fehlt.

Geld gegen Leben

Den anderen. Denn ich habe vorgesorgt. Rechtzeitig wurde ich beim Zootandler meiner Wahl vorstellig. Aber diesmal nicht, um nach einem Nannostomus marilynae Ausschau zu halten, sondern um in der Reptilienabteilung mein Geld gegen Leben zu tauschen. Ja, natürlich könnte ich Geckos kaufen und die Wände zu den Nachbarn raufjagen - aber danach ist mir vielleicht erst nächstes Jahr.

Dieses wie auch in den letzten Jahren ist mir nach dem Sound des Sommers, dem mediterranen Geräuschteppich, dem provencalischen Dauerfeuer, nach dem Zirpen der Grillen und Heimchen. Und man möchte es nicht glauben - es gibt nicht nur die Sorte "Grille", sondern der geneigte Reptilientandler führt eine breite Selektion unterschiedlichster Jahrgangsgrillen in seinem Sortiment. 

Zirpende Auswahl

Gryllus assimilis, die Steppengrille, und Acheta domestica, das Heimchen, bilden den Grundstock eines vernünftigen Einkaufs. Dazu kann man dann noch Gryllus bimaculatus, die Zweifleckgrille, die Wüstenheuschrecke Schistozerca gregaria und die Wanderheuschrecke Locusta migratoria in den Einkaufskorb schlichten. In jeder der Schachteln befinden sich ein bis zwei Handvoll Tiere, die man am besten mit ein wenig Abstand zur Wohnungstür abends freilässt. Abends deswegen, damit nicht gleich sämtliches Vogelvieh den Einkauf verputzt. Und los geht es.

Erst beginnen die Steppengrillen mit einem ganz leisen sssrrrrt, und sukzessive setzen dann die anderen Musikanten unter den lichtscheuen und nachtaktiven Haxeltieren ein. So verschaffen sie der nächtlichen Terrasse genau jene mediterrane Soundatmo, nach der mich so giert. Zu Gesicht bekommt man sie kaum mehr. Nur jene Exemplare, die sich in die Wohnung verirrt haben, tauchen plötzlich auf, um im Bad oder im Küchenkastl für akustisch deutliche Schrecksekunden bei La Gattin zu sorgen.

Schrecksekunden bei La Gattin

Den ganzen Sommer lang kann nun der gesamte Bezirk das Balzen der Männchen um die Weibchen hören; hören, wie sie gegenüber Konkurrenten ihre Reviere abstecken, und die Freude ist grenzenlos, wenn sich ein paar Exemplare gut geschützt über den Winter retten und in den ersten wirklich warmen Nächten ihren Gesang anstimmen. Ich denke, das mit dem Gecko werde ich noch einmal überdenken müssen - am Ende ist er ein musikfeindlicher Geselle, der mein Orchester in wenigen Tagen wegputzt. Weiß eigentlich wer, wo man Zikaden kaufen kann? (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/22/06/2011)

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14 Postings
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2.versuch

(tschuldigen, wurde abgelenkt)
also: faunenverfälschung ist etwas gaga unter naturfreunden.
bis auf das heimchen kommt nix bei uns natürlich vor, beim wetter der letzen 2 wochen werden die zwar nicht weit gekommen sein, aber ökologisch vorbildlich ist ihr verhalten nicht, eher kindisch.
durch die klimaverschiebung wandern thermophile arten wie das jumpingjack flash'sche weinhähnchen eh von selbst ein.

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so was nennt man faunenverfälschung

also, der "Grundstock eines vernünftigen Einkaufs" sieht wohl anders aus

jumpingjack flash
00
27.7.2011, 23:16

also bei mier peipts (zirpt es) - und ich hab nix gekauft - ganz von alleinen gekommen, seit jahren, so ab mitte juli. laut, täglich.
das tier hab ich noch nicht beim musizieren beobachten können. in frage kommen m.m. nach nur so kleine hellgrüne "heuschrecken".
ist übrigens in einer loggia im 5. stock mitten in wien.

mbli
00
24.8.2011, 14:06
das sind die erwachsenen heuschrecken, ab juni/juli deshalb, weil sie zuerst wachsen müssen.

sind dann 5-7cm groß. höre sie bei mir im 15.stock, das ist ein wunderbares konzert!

jumpingjack flash
00
24.8.2011, 22:12

ich hab bei mir nur so 3-4cm lange dünne kleine grüne heuschrecken gesichtet - seit jahren - zirpen tut trotzdem was :-)

PolskiSerb
00
26.7.2011, 12:16
Nicht kaufen, nicht fangen, nur hören

Hier sind sie alle. Tollste Musik !

http://www.gemafreie-welten.de/s_Grille.html

RaceOfficer
 
00
26.7.2011, 09:08
Die Grille auf der Brille, .....

wenn des der zauner werner noch erleben dürft.

er war halt a visionär.

politisch verfolgt
00
25.7.2011, 17:49
Weiß eigentlich wer, wo man Zikaden kaufen kann?

wieso kaufen? selbst fangen ist angesagt.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind folgende Arten nachgewiesen:

* Cicadetta montana (Bergsingzikade)*, Deutschland, Österreich, Schweiz
* Tibicina haematodes (Weinzwirner)*, Deutschland, Österreich, Schweiz
* Cicada orni (Mannasingzikade)*, Deutschland, Österreich
* Lyristes plebejus (Große Zikade)**, Österreich, Schweiz
* Cicadetta tibialis, Österreich
* Cicadatra atra (Schwarze Zikade)**, Schweiz
* Tibicina quadrisignata, Schweiz

wizenstain
00
25.7.2011, 20:36
bitte genauere angaben zu habitaten

politisch verfolgt
00
25.7.2011, 21:18
na wo

werden die zikaden schon sein? in der wiese, im gebüsch, auf dem baum.

uni versalis
00
25.7.2011, 23:10
na ja, so einfach ist es auch wieder nicht.

die habitate sind in mitteleuropa eher vereinzelt, auch im flachland und das vorkommen der zikaden dürfte auch von der strenge des vergangenen winters abhängen.
eine mehr oder weniger omnipräsente geräuschkulisse wie man sie etwa in frankreich irgendwo ab nördlich von montelimar vorfindet (vorwiegend Lyristes plebejus und Cicada orni) oder sonst wo im mediterranen Klima, gibt es hier nirgends.

politisch verfolgt
00
26.7.2011, 01:08
ok

ich habe kein problem damit, dieses thema an einen zikaden-experten wie sie weiterzureichen.

uni versalis
00
26.7.2011, 11:23
Was soll die verbloedete Meldung ?

Gratuliere zur ueberzeugenden Gegenargumentation. Experte sicher nicht, aber vielleicht neben Ihnen schon. Zu mehr als einer Wikiabschrift reichts bei ihnen wohl nicht.

politisch verfolgt
01
26.7.2011, 12:09
wieso verblödet?

das sollte nett gemeint sein. was zikaden betrifft reicht es bei mir tatsächlich nicht über wiki hinaus.

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