Oben ohne im Freibad

  • Was ist peinlich daran, das in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle - dezent freilich - zu genießen, ja sich daran zu weiden?
    foto: apa/julian martin

    Was ist peinlich daran, das in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle - dezent freilich - zu genießen, ja sich daran zu weiden?

Pro: "Weil's einfach geil ist" - Kontra: "Keine halben Sachen"

+++Pro
Von Autor der Red. bekannt

Man könnte es jetzt natürlich mit den Mädels von "bara bröst" halten, die einst mit vollem Körpereinsatz das Recht erkämpften, barbusig in öffentlichen Becken plantschen zu dürfen. Ihr Argument, Männern sei das auch gestattet, war ja nur schwer von der Hand zu weisen. Es soll eine helle Freude gewesen sein, als sie die Badeanstalten in Uppsala, Stockholm, Lund, Malmö und ja sogar Sandviken stürmten.

Sich hinter starken Frauen zu verstecken, ziemt sich allerdings nicht. Dann schon lieber erhobenen Hauptes, quasi mit blanker Brust, in die unübersehbare, von den Rondo-Leuten wenig listig platzierte Peinlichkeitsfalle tappen. Wobei, was ist peinlich daran, nichts gegen die Präsentation sekundärer Geschlechtsmerkmale zu haben, wenn man sich quasi seit frühester Jugend nicht einmal am Anblick primärer stößt? Was ist peinlich daran, das in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle - dezent freilich - zu genießen, ja sich daran zu weiden? Hey, Männer, hey, Frauen, nichts! Das würde ich jederzeit unterschreiben.

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Kontra---
Von Mia Eidlhuber

Im Leben kann man sich nicht alles aussuchen. Nicht die großen Dinge, nicht die kleinen. Wäre es so, wir wären hier auf weniger wackeligem Gebiet unterwegs. Ich hätte mir das Pro verordnet und dem sportlichen Herrn oben Kontra gegeben. Er wäre vom Sexismus-Verdacht freigesprochen und ich in der Gleichberechtigungsdebatte fein heraußen. Aber in dieser sophistischen Übung kommen wir so nicht weiter. Wenig helfen auch die wenig gut gemeinten Argumente seitens sommerlich erregter (männlicher) Redaktions-Gemüter, die meinen: "Es machen immer nur die Falschen!" Ich sage dazu nur so viel: Oben ohne im Freibad hat den Effekt einer Überraschungsparty, die vom Geburtstagskind selbst ausgerufen wird. Im Freibad gilt: Weniger ist mehr. Oben ohne, gute Frauen, bitte dort, wo es Wichtigeres bewegt: im Gerichtssaal etwa (wie die Frauen der ukrainischen FEMEN-Bewegung gegen Sextourismus) oder mitten in der Stadt, demonstrieren für "Topless equality". In NYC, Big Apple. Dort ist das erlaubt, schon seit 1992. Per Höchstgericht. (Der Standard/rondo/08/07/2011)

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