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Kaum eine andere Tätigkeit bietet einem ein so wunderbares Wegdriften der Gedanken, eine mit sich und seinen Ideen im Austausch stehende Kontemplation und ein Gebären neuer Denkwege.
Juli, die beste Blütenzeit ist vorbei. Jetzt tanken jene Pflanzen wieder Kraft, die sich im Juni verausgabt haben. Rosen, Clematen und andere schrille Blüher investieren wieder mehr in ihre Blätter und das Wachstum, um dann in einigen Wochen eventuell erneut aufzublühen. Remontierend heißt die Eigenschaft, mehrmals im Jahr eine Blüte hervorzubringen.
Ich bin schon gespannt, ob die mit den Worten "duftend, remontierend, buschig" von mir geforderte und von Herrn Krepela von der gleichnamigen Gärtnerei mit "Princess Alexandra of Kent" vorgeschlagene und letztendlich verkaufte Rose dem nachkommen wird. Denn meine eigenen Rosen schmollen nach wie vor ob des Bezirkswechsels mitten in ihrer Winterruhe. Die wahren Großmeister des Remontierens scheinen mir aber die Unkräuter, oder, political-hortico-correctly, Wildkräuter oder auch "Spontane Begleitvegetation" zu sein. Ohne Unterlass schieben sie ihre Schosse aus der bleiernen Erde, saftig grün recken sie ihre gierigen Triebe gen Licht und mit einer unglaublichen Chuzpe schnorren sie Nährstoffe, Platz und Wasser von den gewollten und bewusst gesetzten Gartenkindern.
Wegdriften der Gedanken
Ich habe dieses Jahr schon so viele Pappeltriebe gezupft, dass man damit das Land der Phönizier wieder aufforsten hätte können. Aber ich bin ihnen dafür dankbar. Kaum eine andere Tätigkeit bietet einem ein so wunderbares Wegdriften der Gedanken, eine mit sich und seinen Ideen im Austausch stehende Kontemplation und ein Gebären neuer Denkwege. Während die Hand in gleichförmigen Bewegungen den Wildtrieb möglichst am Wurzelansatz packt und herauszupft, verstummen Sorgen und innere Konflikte. Im Allerkleinsten, im Pflegen der Beete nur wenige Zentimeter über der Scholle, findet man Ruhe, Frieden und innere Einkehr. Jogging, Bikran-Yoga und andere Ganzkörperrelaxantien haben für einige Zeit Pause.
Das bewusste Verändern der Natur, das Domestizieren von Pflanzen und Tieren, schlussendlich das Kontrollieren und Bestimmen der Vorgänge um einen herum sind möglicherweise die Wurzeln dieses zutiefst befriedigenden Triebs des Unkrautrupfens. Als entscheidende Instanz betreibt man Selektion, für manche gottgleich, für andere eher eine zufällige Erscheinung, ein Öko-Parameter, der bestimmt, welches Pflänzlein weiterleben darf und welches ausgerupft werden muss. Ist man Teil der Natur, der Umwelt - oder sind wir Menschen außerhalb dieser Begriffswelt?
Störrisch und unberechenbar
Oft greift die Hand auch unsicher zu, weiß der an sie angewachsene Gärtner nicht, ob der Keimling eine gewünschte und bewusst gesetzte Rarität ist, oder doch nur ein Kind des Windes, das sich hier zufällig angesiedelt hat. Man kann ja beide eine Weile stehen lassen, um sich dann für die langsamere Pflanze zu entscheiden. Denn das Unkraut, glauben Sie es mir, wächst immer schneller, prächtiger und gesünder. Manche Wildkräuter, wie zum Beispiel die Vogelmiere, kann man essen. Sie blüht übrigens auch sehr schmuck.
Wie auch der Klatschmohn, der störrisch und unberechenbar durch die Lande zieht. Kaum eine Geröllhalde ist vor seiner Pracht sicher, kein Schutthaufen ist ihm zu trocken, er hält alles aus. Aber wehe, sie möchten ihn mitnehmen und in ihr High-End-Superboden-beste-Bedingungen-Beet stecken.
Er wird dort innerhalb weniger Stunden zusammenfallen und sich nicht mehr derappeln. Wie Hohn wirkt da die gärtnerisch noch unbestellte Fläche unter dem Badezimmerfenster: Roter Klatschmohn, zittrig im Wind und von leuchtender Intensität, matcht sich mit dem tiefblauen Feldrittersporn, durchsetzt von Persischem Ehrenpreis, gelbem Ackersenf und dem hübschen Hirtentäschel. Dieses Beet wurde noch nie gegossen, noch nie gedüngt, nicht gemulcht und auch sonst überhaupt nichts - es wird ausschließlich bewundert. (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/08/07/2011)
Die Eisheiligen stehen vor der Tür. Welches junge Gemüse trotzdem schon hinausdarf und was besser im Haus bleibt, weiß Gregor Fauma
Jetzt ist der Moment, um Rosen an Land auf Pilzbefall zu untersuchen und für neue Seerosen ein passendes Gewässer zu finden
Autochthone Pflanzen wie die Clematis können mit Frostattacken im April eh gut umgehen - Exotische Schönlinge brauchen halt momentan ein wenig mehr Aufmerksamkeit, weiß Gregor Fauma
Der Nachbar wird schön schauen: Wegen der Hortensien ums Hochbeet sieht er bald nicht mehr in Ihren Garten! Einige Anregungen, die zu Freude und Erfolg führen mögen.
Guter Dünger muss reifen wie Wein, aber bei einem Verschnitt aus Ästen und Gras kann man nachhelfen
Ein Hochbeet schont den Rücken, nicht das Geldbörsel - Es sei denn, man greift zu Hammer und Nägeln anstelle von großteils hässlichen Fertigsets, meint Gregor Fauma
Advent und Wohltätigkeit gehören zusammen. Charity im eigenen Garten ist, wenn man dem Lieblingsstrauch die (Schnee-)Last nimmt und alle Stauden stützt, meint Gregor Fauma
Viel Platz unter der Sonne und reichlich Wasser will der Krautstiel - Er dankt's dem Beilagenesser mehrfach in einer Saison mit üppigen Ernten, weiß Gregor Fauma
Solange die Böden noch nicht gefroren sind, heißt es: dick anziehen und großzügig sein mit Blumenknollen - Das freut natürlich auch den einen oder anderen Nager, der dafür selbstlos die Erde lockert
Wie feucht und sandig mag's die Fragaria? Die Antwort auf genau diese Frage ist eine süße Denksportaufgabe, meint Gregor Fauma
Tropische Pflanzen wie die Engelstrompete wachsen auch in den südamerikanischen Bergen - Minusgrade, nur für kurze Zeit, machen sie sogar robuster, meint Gregor Fauma
Los geht's: Rasch das alte Laub aus den Gartenschlapfen beuteln und sofort draußen klären, was die Pflanzen bald schon brauchen werden
Für Gärtner ist der November ein Glücksspiel: Friert es, gibt es hohe pflanzliche Verluste zu beklagen - Auf Sicherheit spielende Outdoor-Experten setzen dagegen das herumliegende Laub einfach als Thermojacke ein - Eine warme Empfehlung von Gregor Fauma
Der Gewöhnliche Steinklee macht etwas Ungewöhnliches: Er faltet seine Blätter vor dem Schlafengehen, um uns den nächsten Tag zu versüßen - Womit, verrät Gregor Fauma
Schicht für Schicht abwechselnd Trocken- und Grünzeug übereinanderlegen: Das hat sich auch beim Komposthaufen bewährt - Faule Tricks von Gregor Fauma
Dem Gärtner stinkt die frühe Dämmerung, er steckt die Zehen in den Boden: Tipps für den Knoblauchmonat Oktober von Gregor Fauma
Stellen Sie sich vor, Sie sind Psychiater, und ein Garten kommt zu Ihnen - Redet er ständig vom Dachs, hat er keinen Dach(s)schaden - Das Problem liegt tiefer. Also beim Boden, meint Gregor Fauma
Der Herbst ist der Höhepunkt des Gartenjahres - so zur rechten Zeit vorgesorgt wurde
Die Kiwi und ihre Klischees: Die populäre Neuseeländerin ist in Wahrheit gebürtige Chinesin, und dass sie in Österreich nicht reifen mag, ist auch Blödsinn
Das Nachtschattengewächs mit dem heißumstrittenen Namen wird gern auf dem Balkon gezogen - Gregor Fauma über Theorie und Praxis der Tomate
Zurückstutzen oder wuchern lassen? Das ist die Frage, die über die Süße der Trauben entscheidet - Gregor Fauma gibt Tipps für die Rebenpflege
Wenn die Groupies kommen, kriegt Gregor Fauma zwar Schampus verehrt - aber anstrengend ist es schon
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Dass der Wind noch selten etwas Gutes gebracht hat, können Gärtner aus ganzer Seele bestätigen - Gregor Fauma über den Feind der zarten Blüte
Trittpflanzen vertragen einiges. Nur wenn man sie in Beeten und Kübeln ansiedeln möchte, leisten sie Widerstand
"Ist man Teil der Natur, der Umwelt - oder sind wir Menschen außerhalb dieser Begriffswelt?" als Zitat aus dem Artikel vorweg.
Ich begreife mich ganz als Teil der Natur. Deshalb stoert mich das sog. Unkraut nicht und sollte es sich zu sehr verbreiten, weiss ich anders damit umzugehen, als es einfach rauszurupfen!
Vielen Dank!
Pete J. Probe
die meisten von uns finden ruhe erst unter der scholle...
... aber in "totenstellung" auf die scholle zu liegen gibt einen anklang davon.
oder, wenn das kreuz dafür auch schon zu ruiniert ist: im unkraut-statt-lotos-sitz das wild wuchernde unkraut bewundern.
das yoga des nicht-jätens; dem gleichmütigen ist alles blume.
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