Conrad Seidl über einen polnischen Wettbewerb, der die Bierszene herausfordert
Dominik Szczodry hat sich schon mehr gefreut. In der Brauerei Bracki in Cieszyn - einer habsburgischen Gründung aus dem Jahr 1846 in der damals österreichischen Stadt Teschen - könne er beinahe jedes Bier brauen, hatte er vor dem Wettbewerb um das beste hausgebraute Bier Polens erklärt. Nur mit einem Kölsch, da täte er sich schwer.
Nun aber muss er. Das kam so: Jedes Jahr veranstaltet die Vereinigung polnischer Hobbybrauer (PSPD) einen Wettbewerb, in dem Amateure zeigen, wie gut im heimischen Kochtopf (oder einer privaten Kleinstbrauanlage) gelingt, was es an großen Bierstilen auf der Welt gibt. Sechs Kategorien waren heuer vorgegeben, von ganz leicht bis sehr stark: 70/- (sprich: seventy shilling), Kölsch-artig, Böhmisch Dunkel, Wiener Lager, starkes helles belgisches Ale und Russian Imperial Stout.
Siegerbier von Heineken nachgebraut
200 Einsendungen sind gekommen - und aus denen wurde von einer internationalen Jury das Siegerbier des Wettbewerbs gekürt. Es war eben das in der Kölsch-Kategorie eingereichte Bier von Jan Szata, einem 21-jährigen Studenten. Dem jungen Mann ist das Bierbrauen quasi in die Wiege gelegt, sein Vater ist Mälzer.
Und jetzt kommt der spannende Teil: Das Siegerbier wird nämlich traditionsgemäß auf Kosten des Sponsors Heineken mit allem drum und dran (eigenes Glas, eigenes Etikett, sogar eigener Kronkorken inklusive) im industriellen Maßstab in Teschen nachgebraut - nach dem Original-Rezept des Amateurs. Was als Beitrag zur Bierkultur inzwischen enorme Breitenwirkung erzielt hat, stellt Braumeister Szczodry und den Hobbybrauer Szata vor einige Herausforderungen: Kölsch ist gar nicht so einfach im größeren Maßstab zu brauen. Und es ist eine geschützte Herkunftsbezeichnung: Das fertige Bier wird also nicht Kölsch heißen dürfen. Aber es wird gut schmecken, so viel ist gewiss. (Conrad Seidl/Der Standard/rondo/24/06/2011)