Lausig

20. Juni 2011, 18:17
  • Das massenhafte Auftreten der gemeinen Blattlaus wird durch Jungernzeugung bewerkstelligt.
    foto: apa

    Das massenhafte Auftreten der gemeinen Blattlaus wird durch Jungernzeugung bewerkstelligt.

Wilde Klonhorden durchziehen plündernd und mordend den Garten. Dabei handelt es sich nicht um Science-Fiction, sondern um die Blattlaus

Das Fräulein Tochter hat krauses Haar. So kraus, dass es unbenetzbar ist, dass es das Tragen eines Fahrradhelms verunmöglicht - was kein Problem ist, fällt sie doch trotzdem weich und gut gepolstert - und das so eng gelockt ist, dass es mit ungefähr zwei wahrnehmbaren Zentimetern pro Jahr wächst. Bändigen kann man dieses Haar nur mit Gewalt und Kabelbindern. Doch das wird bald Geschichte sein, ist ihr Kindergarten doch bislang nicht von den Läusen heimgesucht worden. Und es ist noch jeder heimgesucht worden. Das wird bitter.

Die Laussaison hat längst begonnen, und so bleiben auch andere zarte Pflänzchen nicht verschont. Die gemeine Blattlaus, ein Vertreter der Pflanzenläuse, welche selbst zu den Schnabelkerfen unter den Neuflüglern innerhalb der zu den Insekten gehörenden Fluginsekten zählt, ist wieder da - und sie kommt selten allein. Dass sie massenhaft auftreten, bewerkstelligen sie durch Jungfernzeugung, also ohne den ganzen Schweinskram rund ums Sexuelle. Der Eizelle wird eine Befruchtung hormonell vorgemacht, wodurch diese sich zu teilen und zu differenzieren beginnt, worauf sich eine neue, idente Blattlaus entwickelt.

Lausiges Saugen

Klonhorden überziehen schwarz-grün die gehegten und gepflegten Triebspitzen von Rose und Pfeifenstrauch, und, wenn man genau hinhört, vernimmt man deutlich ihren Gesang: "Wir sind die wilden Horden, wir plündern und wir morden ...". Es ist tatsächlich dramatisch. Denn der Schaden, den die Läuse anrichten, ist nicht auf den ersten Blick ihnen selbst zuzuordnen. Auf den ersten Blick erkennt der gefrustete Gärtner, dass der Trieb durch das lausige Saugen welkt. Soll sein, neue Triebe warten schon.

Aber leider öffnen die Läuse bösartigen Viren die Schleusen zum Pflanzeninneren und füttern darüber hinaus mit ihrem zuckerlsüßen, weil zuckerreichen Exkrementen, die euphemistisch Honigtau genannt werden, Pilze, die in der Folge der Pflanze massiv zusetzen; ich sage nur "Rußtaupilze". Sind die Klonhorden unbeflügelte, saugende Weibchen, so sorgen Umwelteinflüsse plötzlich für das Ausbilden beflügelter Männchen, die gleich sexuell zur Sache kommen. 

Bi-Bo-Buf

Zwei Einflüsse sind bekannt und gut beschrieben. Da wäre einerseits die Überpopulation, die beflügelte Männchen heranbilden lässt, und andererseits das Erscheinen eines Predatoren, den der hippe Bi-Bo-Buf (Bio-Bobo-Urban-Farmer) sackerlweise im Internet bestellt und im Beet ausgestreut hat. Es handelt sich dabei in der Regel um Larven von Marienkäfern, Schweb- und Florfliegen. Diese bringen mächtig Bewegung in die Läusekolonie, flugfähige Männchen entstehen, Weibchen lassen sich vor Schreck zu Boden fallen, und in Summe tragen die Läuseverzehrer intensiv dazu bei, dass sich die Läuse auf die benachbarten Pflanzen verteilen, um dort in Ruhe ihrem Tagwerk nachzugehen.

Ein wenig wirksamer im Kampf gegen die Läuse ist das regelmäßige Wegspritzen mit dem Gartenschlauch, der Einsatz von Bodenzapferln, die den Läusen, einmal aufgelöst und von den Wurzel absorbiert, den Saft vergällen, weiters das Besprühen mit a) Schmierseifenlösung oder b) mit Gift. Vom Einsatz der natürlichen Feinde der Blattläuse möchte ich nicht abraten, ist es doch spannend und befriedigend zu beobachten, wie sich diese über die Läuse hermachen - doch die Wirkung ist vernachlässigbar. Da müsste man schon viel zeitiger im Frühjahr damit beginnen, nur dass da den Predatoren noch zu kalt ist für ausgiebige Jagdpartien.

Die wirksamste Methode habe ich bei Muttern im Garten beobachtet: Sie fährt mit ihren bloßen Händen einfach von unten nach oben über den befallenen Trieb und zerschmiert die gesamte Population mit einem Wisch. Von des Enkerls Läusen werden wir ihr nichts erzählen. (Der Standard/rondo/17/06/2011)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 47
1 2
nur mal kurz

mit dem Flammenwerfer über die Läuse drübergegangen und schon hat sich das Problem erledigt!

brennesseljauche

hilft angeblich gegen die viecher.

Aber was hilft gegen den Geruch von Brennesseljauche?

Tschickstummel im Gießwasser einweichen.

das löst das Blattlausproblem umgehend. Nur nicht zuviele Stummel oder zulange einweichen lassen, sonst könnte eine leichte Braunfärbung der Pflanzen eintreten.
Für die, die es nicht glauben: Nikotin ist ein starkes Alkaloid.
Und das alles ist 100% bio, für diejenigen, denen sowas wichtig ist. Wer nicht rauchen möchte, bekommt die Stummel beim Gehsteig seines Vertrauens.

wie?

mit dem tschick-wasser die pflanze gießen? das gift ist dann in der pflanze und tötet die läuse, aber nicht die pflanze?
ich hoffe, ich habe das richtig verstanden. klingt jedenfalls einfacher als jede laus händisch zu entfernen.

genau so ist es.

Wobei das Gift nicht in der Pflanze bleibt, sondern nur an der Oberfläche, mit einmaliger Anwendung ist es also langfristig nicht getan.

das beschreibt eine krankheit der tabakpflanze

und hat nichts mit der wirkung von nikotin auf blattlausgeschädigten pflanzen zu tun.

das ist halt nicht wahr.

dsa virus ist leicht uebertragbar, grad auf die beliebten paprika, chilis und tomaten.
das steht sogar in dem link. "It is known to infect members of nine plant families, and at least 125 individual species, including tobacco, tomato, pepper (all members of the useful Solanaceae), cucumbers, and a number of ornamental flowers"

hm, aber meinen sie im tabak einer tschik ist der virus drin und der kann sich dann auf die pflanzen übertragen? ich stell ja keine tabakpflanze auf.

Ein nachgewiesener Übertragungsweg...

Funktioniert auch Nikotinpflaster?

:) Wäre sicher eine Marktlücke.
Danke für den Tipp.

Die Nikotinpflaster

müßten sie den Blattläusen einzeln aufpicken, dann sollte das auch gehen.
:-)

haha: was ist weiß und springt von baum zu baum?.....

....ein steirischer Arzt beim Zeckenimpfen.

versucht es mal mit Ohrwürmer - hat bei uns gut geklappt! http://tinyurl.com/3hk97ds

Sie meinen

z.B. John Coltranes "My Favorite Things" hilft wirklich?

http://www.youtube.com/watch?v=i... re=related

http://www.youtube.com/watch?v=q... re=related

... damit das ding auch ein End hat ...

:-) vielleicht zur Unterstützung

Rapsöl

Auf meinen Paprikastauden hatte ich das Problem, heuer habe ich es mit Rapsöl versucht (wobei die Art des Öls wahrscheinlich egal ist). Einfach einen langen Zahnstocher ins Öl eingetunkt und dann die Tropfen über die Blattläuse laufen lassen. Bei den frischen Blättern und Blüten sitzen sie schön zusammen, mühsamer wirds, die einzelnen Halunken auf den Blattunterseiten einzuträufeln.

Das habe ich immer am Abend gemacht, in der Früh dann mit der Gießkanne fest abgegossen, damit die Pflanze untertags dann nicht "verbrennt". So 2-3 Tage lang.

Fazit: Ohne Chemie und Pie-pa-po alle Blattläuse tot. Und sie sind auch nicht auf meine Tomatenpflanze rüber. Allerdings mach ich fast täglich einen Check, ob eh keine neuen da sind. Bis jetzt aber nicht

Die Mischung macht's

Schmierseife + Neem.

Oma hat recht

In meinen ersten Jahren hab ich auch mit Schmierseife gespritzt. Aber noch viel bessere Erfahrungen habe ich auch mit dem "Wegwischen" der Blattläuse von den Triebspitzen und Blütenknospen. Man muss nur früh genug im Jahr beginnen - ich mach das sicherlich schon seit April. Wenn nur ganz wenige Läuse ihrem Werk nachgehen, kann man das ganz schön unter Kontrolle halten. Und ein bisserl Freud sollen die kleinen ja auch haben. Der Nachwuchs will ja auch Marienkäfer sehen ;)

Auch wenn's...

...den Bobo-Gärtnern nicht gefällt; am Besten hilft Chemie. Die "biologischen" Mittel sind nicht so effizient und schwieriger in der Anwendung, deswegen überfordern sie den typisch-unerfahrenen Urban- und Lifestylegärtner.

Also Chemie: Ordentlich einspritzen (auch auf Blattunterseiten), ein bissl einwirken lassen, mit kräftigen Druck die Pflanze abspritzen, drüberwischen, nochmal abspritzen.

Falls es Gemüse- oder Obstpflanzen sind, KEIN "einziehendes/systemisches" Mittel verwenden (auch kein biologisches), das wird nämlich mit den Früchten mitgegessen.

na da spricht ja der groooße auskenner über systemische gifte. schauen sie mal in die anleitungen div. systemischer gemüse- und obstgifte, die sind in der regel nach 14 tagen für den menschen ungefährlich, je nach sorte (stoffwechselgeschw. ist ausschlaggebend). wer auf seine ess-pflanzen systemisches gift für zierpflanzen aufsprüht hat eh einen vogel.

Schwierige Sache?

Ich habe in meinem Garten Rainfarn verteilt - eine leicht giftige Farnart (angreifen ist ungefährlich), die als Abwehrpflanze fungiert. Einerseits sing schlagartig die Wühlmäuse beleidigt und weg (muss ziemlich stinken an der Wurzel), andererseits sind (fast) alle Läuse auf dem Farn - und dem ists egal. Somit habe ich Ruhe auf den Nutzpflanzen und vor den Mäusen. Den Einsatz von Nützlingen empfehle ich im kleinsten Maßstab. Endogene Bakterienmischungen (z.B.: EM) helfen, die Pflanzen zu stärken und den Boden aufzubereiten ("hilf der Pflanze sich selbst zu schützen"). Nützlingshotels und diverse Winterhaufen helfen gut und nachhaltig ohne das System zu stören.

Posting 1 bis 25 von 47
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.