Großsponsor Swatch für Biennale

"Das weibliche Auge"

19. Juni 2011, 17:03
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    foto: epa/hannibal hanschke

Die Kunstbiennale in Venedig hat einen neuen Großsponsor - in Gestalt der Schweizer Uhrenmarke Swatch

Standard: Die Kunstbiennale von Venedig wurde noch nie von einem Unternehmen unterstützt? Und dann kam Swatch. Wie kam's?

Arlette Elsa Emch: Vor zwei Jahren habe ich den Chefsessel bei Swatch übernommen. Meine erste Reise danach war nach Venedig zur Biennale. Dort ist uns gleich Ivan Navarro ins Auge gestochen, und wir haben mit ihm eine Swatch gemacht.

Das ist wohl nicht die einzige Motivation für ein Engagement dieser Größenordnung.

Emch: Nein. Swatch hat eine lange Beziehung zur Kunst und eine dem entsprechende Galerie an Kollaborateuren, die hier beigetragen haben. Zu den aktuellen gehören Jeremy Scott, Markus Linnenbrink und der englische Fotograf und Regisseur Rankin.

Worin genau besteht das Sponsoring?

Emch: Wir sehen es als Partnerschaft. Wir haben die Möglichkeit, neuen Künstlern zu begegnen, neue Kontakte zu knüpfen.

Also nicht darin, der Biennale einfach eine Menge Geld zu überweisen.

Emch: Nein, obwohl wir auch ein Sponsor sind.

Und Sie sagen nicht, wie viel ...

Emch: Nein.

Wie wichtig ist Ihnen persönlich Kunst?

Emch: Sehr. Ich habe (unter anderem) Kunstgeschichte studiert. Es war in meiner Familie immer ein zentrales Thema. Und ich sammle selbst seit Jahren.

Was sammeln Sie?

Emch: Das möchte ich nicht sagen.

Auf der Pressekonferenz zur Eröffnung der Biennale gab es heuer zwei Premieren, nämlich zwei Frauen auf dem Podium. Zum ersten die erste Solo-Kuratorin in der Geschichte der Biennale, Bice Curiger, und eine weitere Frau, Sie als Präsidentin des sponsernden Unternehmens. Warum ist so eine Situation erst 2011 möglich? Sind Kunst und Uhrenwelt den Frauen gegenüber gleichermaßen reserviert?

Emch: In der Uhrenwelt finden Sie sehr viele Frauen, eigentlich auf allen Ebenen des Managements. Die Swatch Gruppe ist immer ein Vorreiter in der Uhrenindustrie gewesen. Dünn wird es ganz oben. Da sind Frauen wirklich eine Seltenheit. Und um dort hinzukommen, braucht man, ob Mann oder Frau, in erster Linie klarerweise die fachlichen Voraussetzungen, exzellente Gesundheit, physisch und psychisch, und eine gewisse Opferbereitschaft.

Was haben Sie geopfert?

Emch: Nicht meine Familie. Ich hatte meine Kinder schon mit 20. Als ich dann 40 war, haben mich meine Kinder nicht mehr so gebraucht. Über die anderen Opfer möchte ich nicht sprechen.

Sie sind als Präsidentin von Swatch quasi die Kreativ-Erbin des Swatch-Gründers Nicolas G. Hayek und haben damit nach dessen Tod, vor etwa einem Jahr, die Aufgabe, die Anfang der 1980er-Jahre entstandene Plastikuhr unentwegt wiederzubeleben. Nicht leicht.

Emch: Ich bin keine Erbin, aber es ist eine interessante Aufgabe. Ich bringe auch sicher einen anderen Stil ein. Ich meine damit nicht einen weiblichen Führungsstil, sondern ein weibliches Auge. Die Kunst, die ich sehe, meine Art, die Dinge zu betrachten, fließt natürlich in die Arbeit ein. Die Swatch ist deshalb so interessant, weil sie nahezu eine eigene Kategorie von Produkt ist. Sie lebt und gedeiht außerhalb der Uhrenbranche. Es ist wohl eine Uhr, aber auch Kunst fürs Handgelenk. Oder einfach ein Lifestyle-Objekt. Der gute Preis spielt natürlich eine Riesenrolle. Unsere bunten Color Codes Swatches etwa waren präzise im Trend dessen, was man in der Mode sieht. Von Color Blocks schwärmen ja alle, und das wird im Herbst noch so weitergehen.

Ihre Lady Collection mit dem doppelt langen Armband ist ebenfalls gut eingeschlagen, allerdings nicht ganz neu. Chanel hat in den 1970ern schon etwas Ähnliches vorgestellt, und Gucci hat sich mit einer Version mit doppelt langem schmalem Lederband in den 1990ern präsentiert.

Emch: Es ist nicht immer wesentlich, der Erste und Schnellste zu sein. Wir sind ja schon aufgrund der Preiskategorie nicht mit den angesprochenen Produkten vergleichbar. Es ist wichtig, das Auge in alle Richtungen schweifen zu lassen. Im Übrigen sind die Entscheidungen über unsere Produkte keine Solo-Angelegenheit. An einem solchen Entscheidungsprozess sind ungefähr zehn Leute beteiligt.

Was haben Sie auf der diesjährigen Biennale gefunden, was man in der Zukunft an Handgelenken wird sehen können?

Emch: Wir sind schon eine ganze Weile mit der Biennale in Kontakt. Vor allem auch mit der Kuratorin Bice Curiger, die ja aus der Schweiz kommt. Derzeit gibt es eine Reihe von Gesprächen. Und es wird sicher Projekte geben, die hier ihren Ausgang nehmen. (Bettina Stimeder/Der Standard/rondo/17/06/2011)

Arlette Elsa Emch ist Swatch-Chefin seit 2009. Sie kam 1992 als Kommunikationsleiterin zum Konzern und ist seit 1998 Mitglied der erweiterten Konzernleitung. Seit 1997 leitet sie cKwatch, das Joint Venture mit Calvin Klein.

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