Kinderlose Kinderfeinde und würdelos herumrutschende Kinderbesitzer
Ob es besonders cool aussieht, wenn Georg mit seinem Dutzidutzi im Kinderbecken des Freibads kniet, zum Gaudium des Nachwuchs Tut-Tut-Dampfergeräusche produziert und darauf hofft, dass von den Badbetreibern die Hygieneauflagen eingehalten werden, kann er nicht sagen. In Wirklichkeit geht es sowieso darum, dass man von vornherein nicht dabei ertappt wird. Die diesbezügliche Gefahr ist allerdings relativ gering.
Immerhin haben es die Architekten dieses unglückseligen Orts an der Stadtperipherie so eingerichtet, dass kinderlose Kinderfeinde und würdelos im Kinderbecken herumrutschende Kinderbesitzer geografisch weitestmöglich auseinandergehalten werden. Auch bezüglich der kulinarischen Versorgung hat man mit einem Schnitzel-Buffet für Erwachsene und einer Pommes-Bude für Dutzidutzis dafür gesorgt, dass die bereits während der Wintermonate in Kenia für die heimische Badesaison vorgegerbte Frührentnerpartie mit ihren Schnapskarten und die lieben Kleinen mit ihren Star-Wars- und Pokémon-Quartetten sich nicht allzu oft gegenseitig ein "Schleichts eich, Gfrasta" an den Kopf werfen müssen.
Angenehme Seiten hat das Leben im Kinderbecken natürlich auch. Junge Mütter fragen Georg mitunter besorgt, wo denn die zum Dutzidutzi gehörende Rabenmutter stecken würde. Er erntet auf die Antwort, diese sei im Büro, Mitleid und manchmal auch das Angebot, dass man ihm bei den Kindern helfen könne, wenn es ihm zu viel wird. Abgesehen von einigen Abstrichen kann man also sagen, dass das Leben im Freibad noch in Ordnung ist. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 17.06.2011)