Viele Events, wenig Erfolg

13. Juni 2011, 20:00
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    foto: erwin wurm, elfie semotan

    Ohne mit der Wimper zu zucken, erklären sie das gesellschaftspolitische Konzept eines Kleidungsstücks - wie sie es produzieren und verkaufen sollen, das wissen sie aber meistens nicht.

Mit der heimischen Mode stimmt was nicht - Die Frage ist nur: Was?

Heute ist uns ernst zumute. Auch das kommt hin und wieder vor, besonders aber, wenn wir über die Lage der heimischen Modeschöpfer und -szene nachdenken. Sie ist nämlich alles andere als rosig. Und das, obwohl es derzeit so viele Modeveranstaltungen gibt wie noch nie und die Förderungen mehr als reichlich fließen. Da stimmt was nicht. Die Frage ist nur: Was?

Sind es die Hochschulen, die hierzulande weniger Modemacher als Modekünstler hervorbringen? Ohne mit der Wimper zu zucken, erklären sie das gesellschaftspolitische Konzept eines Kleidungsstücks - wie sie es produzieren und verkaufen sollen, das wissen sie aber meistens nicht.

Heillos zerstrittene Szene

Oder ist es die heillos zerstrittene Szene selbst, die von Jahr zu Jahr größer, aber auch selbstbezogener wird? Da sind die Proponenten von unit-f, deren Festival (es findet diese Woche in Wien statt) einen international abgesicherten, aber auch recht theoretischen Modebegriff vertritt. Anders als die Designweek hat ihr Festival relativ wenig Ausstrahlung in der Stadt. Da sind die Macher des austrianfashion.net, da ist die MQ Fashion Week, der Modepalast, und da sind die Vienna Fashion Awards. Man kann von Glück reden, wenn die Köpfe, die dahinterstecken, überhaupt miteinander sprechen - geschweige denn an einem Strang ziehen.

Oder sind es die Geldgeber, die komplizierte Balance aus Stadt und Bund und Wirtschaftskammer, die da kräftig fördert und dort, sich aber nicht durchringen kann, die Strukturen nachhaltig zu verändern?

Von höchster Qualität undtragbar

Oder aber, und jetzt wird es wirklich ernst, sind es am Ende sogar wir selbst, also Herr und Frau Österreicher, die schuld daran sind, dass von einer nennenswerten Modeszene in diesem Land kaum die Rede sein kann? Wer hat in der letzten Zeit ein Kleidungsstück eines österreichischen Designers gekauft? Eben. Dabei ist manches von höchster Qualität. Und durchaus tragbar.

Das Wiener Museum für angewandte Kunst hat vergangene Woche übrigens die Personale zu Helmut Lang absagen müssen. Es wäre nicht schlecht, sich hin und wieder an ihn zu erinnern. (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/10/06/2011)

pmd1
00
15.6.2011, 08:34
die heimelige modeszene

jaja, stimmt schon. von allem was angerissen. vieles fehlt aber das würde den rahmen sprengen.

aber bitte nicht vergessen. auch österreichs modeschreiber gehören zur modeszene. und die sitzen bekanntlich auch nur hier in jurys und frontrow und nicht dort wo es professionell zugeht.

postingname*
02
15.6.2011, 08:58
ganz recht...

lässig ein paar fragen in die runde zu streuen, ohne der eigenen verantwortung nachzukommen und - ohne süffisante distinguiertheit - über heimische designer zu berichten, lässt darauf schliessen, dass unsere modeschreiber nicht teil der lösung, sondern teil des problems sind!

numani
01
14.6.2011, 14:48
Ausbildung und Gesellschaft

Bei den Absolventen der Angewandten sind immer wieder einzelne Talente dabei, die dann auch international bei bekannten Marken als Stylisten arbeiten. Die Ausbildung an der Uni ist mit bekannten Designern wie Westwood, Castelbajac & Owens nicht schlecht kann sich aber natürlich mit St. Martins, Antwerpen oder Parsons nicht messen. Da es in Österreich schlichtweg keine globalen Mode-Marken gibt, die RTW und Couture Kundschaft kaum vorhanden ist (Ausnahme Touristen) und der Modebegriff von Magazinen wie Madonna, Woman & Seitenblicke definiert wird, bleibt den Talenten einzig der Weg ins Ausland (Paris, Mailand, London, NY). Dass dies auch für Designer aus einem kleinen Land ein erfolgversprechender Weg ist zeigt Belgien.

karakal
01
14.6.2011, 12:53
Hm. Ganz einfach.

wo kann ich Kleidungsstücke in vernünftiger Qualität zu vernünftigen Preisen kaufen, ohne dass ich von irgendeiner Möchtegern-1.Bezirk-Tussi-Verkäuferin schief angeschaut werde, wenn ich in Jean und Polo ins Geschäft reinschneie...

postingname*
02
14.6.2011, 11:17
lose gedanken teil1

. mode wird maszlos gehypt, findet jedoch in dieser form keine entsprechung in der gesellschaft
. modeevents werden zunehmend als geschäftsidee entdeckt, dienen jedoch lediglich als hippes beiwerk, mit dem sich inhaltlich völlig unbedarfte veranstalter schmücken
. visionslose beamte vergeben jahrelang förderungen, ohne damit ein erfolgreiches wirtschaftliches tätigsein des geförderten zu verküpfen

postingname*
03
14.6.2011, 11:17
lose gedanken teil2

. der künstlerische entwurf agiert per definitionem in einem theoretischen, einem unmittelbaren rahmen, dort liegt seine bedeutsamkeit und kompetenz. kontroverse, bzw. das publikum überfordernde resultate liegen in der natur der sache und sollten niemanden besonders überraschen
. die dienstleistung am kunden, db. die bezugnahme auf seine praktischen, seine alltäglichen bedürfnisse, jenseits eines ästhetischen diskurses gilt als minderwertige tätigkeit

postingname*
02
14.6.2011, 11:16
lose gedanken teil3

. das erarbeiten einer bedeutsamen position fällt in anbetracht der zunehmenden komplexität und geschwindigkeit immer schwerer (davon abgesehen war mode nie jene disziplin, die an einer besonders ernsthaften auseinandersetzung gefallen gefunden hätte). die inhaltliche vakanz wird gefüllt von stereotypen models und suspekten promis, die zu den eigentlichen protgonisten aufrücken.
. statt einer ernsthaften berichterstattung über die bemühungen heimischer designer, muss sich der geneigte leser mit lady gagas perücken oder ratten bescheiden. glamour, glamour, blink, blink!!

… im übrigen gibt es in wien ein paar hart arbeitende idealisten, die sowohl inhaltlich als auch wirtschaftlich erfolgreich agieren

Gustav Schirmer
 
01
wirklich jetzt?

Nagut von vorne: Modemacher oder Modekünstler? Die Sache ist ganz einfach: Wenn man möchte, dass an einer Kunst-Hochschule Leute allein zu dem Zweck herangebildet werden sollen um dann möglichst erfolgreich in das System Mode/Produktion/Marketing bzw. in die Industrie zu passen, dann verlangt man da etwas wovon alle gerade versuchen wegzukommen. Wenn man keinen Künstlerischen Anspruch haben darf, wieso studiert man dann? Für einen Herrn Hilpold ist es natürlich ein viel einfacheres: Warum jemand Mode studiert interessiert ihn gar nicht erst: Er möchte sein fertiges Produkt vor die Nase gesetzt bekommen - möglichst gut vermarktet und produziert; dann ist er glücklich! Was sich Menschen dahinter denken ist ihm ohnehin egal.. wirklich gut so??

prinzessin auf der erbse
00
10.6.2011, 00:44

denke auch, dass die Aufgabe einer Kunstuni nicht in erster Linie eine Berufsausbildung ist. Aber den Leuten beim Überleben zu helfen wäre ja trotzdem in Ordnung.

Das könnte ja zB auch durch gute nationale und internationale Vernetzung (passiert ja zT) oder auch Alumniprogramme verbessert werden.

Zu bedenken geben möchte ich noch, dass auch bildende Künstler (sich) verkaufen können müssen.

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