Das Schnapsbrennen wollen ihm die anderen depperten Wochenendler schon seit Jahren einreden, weil es dem Dichterfürsten sozusagen genetisch eingeschrieben sei
Der Nachbarbauer sagt: Holz hat man immer fünfmal in der Hand. Einmal beim Baumfällen, dann beim Zerkleinern auf handliche Prügel. Dann kommt nach einjähriger (Weichholz) oder zweijähriger (Hardcore) Lagerung der Transport zum Hof, dort schneidet man es auf Ofengröße - und dann verkauft man es gegen Barzahlung an die depperten Wochenendler aus dem Wasserkopf. Vielleicht liegt es an der restbäuerlichen Ader des Dichterfürsten, dass er nur in äußersten Notfällen einheizt oder gar dazu bereit ist, ein Lagerfeuer anzuwerfen. Immerhin grasen und pflügen in ihm noch immer gerade bezüglich Holzverbrauch diverse der Sparsamkeit Richtung Geiz zuneigende agrarökonomische Vorfahren und werden etwa in Sachen sinnvolle Holzverschwendung Most und Schnaps erst in erster Generation, also von ihm nicht mehr produziert - weil ja der Herr Vater: Überzeugungsbrenner!
Wobei: Das Schnapsbrennen wollen ihm die anderen depperten Wochenendler schon seit Jahren einreden, weil es dem Dichterfürsten sozusagen genetisch eingeschrieben sei. Aber tagelang rauschig nur von den heißen Dämpfen im Haus war er dann eigentlich schon in der Jugend, wie er sich nebelig erinnert. Damals ist übrigens einem anderen Nachbarbauern beim Schnapsbrennen der Hof abgebrannt, weil er einen Dampf gehabt hat von dem Teufelszeug und nachts eingeschlafen und deshalb der Kessel explodiert ist, worauf die Bäuerin zum Bauern "Teifizeig"gesagt hat, nicht nur den Hof, sondern auch die Ehe als zerstört betrachtete und ihm abpaschte. Vom Unsinn eines Lagerfeuers ein anderes Mal. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 10.06.2011)