Wer dieser Tage etwas auf sich hält, wirft sein neues Mountainbike auf den Müll oder verschenkt es
Wer dieser Tage etwas auf sich hält, wirft sein neues Mountainbike auf den Müll oder verschenkt es. Man kann das Rad auch einfach unversperrt auf die Straße stellen und darauf hoffen, dass sich eine rumänische Bande seiner erbarmt - obwohl ein Diebstahl ohne Schlossknacken zumindest in der einschlägigen Kleinkriminellenszene einen unsportlichen Eindruck erweckt. Selbstverständlich kann man sein Mountainbike auch armen Verwandten auf dem Land schenken, die keine Ahnung davon haben, was in der Metropole gerade angesagt ist. Der aus dem Stadtbild längst verschwundenen Emo-Mode ist es schließlich nicht anders ergangen. Sie fristet heute in strukturschwachen Gegenden der Heimat ein Gnadenbrot in windschief gemeschten Frisuren der Supermarktverkäuferinnen oder Pendelschüler.
Im Geräteschuppen armer Verwandter hat der stets trendbewusste Franz übrigens auch das gut erhaltene Wrack eines alten Rennrads gefunden, mit dem er derzeit durch die Stadt gockelt und sich auf dem schmalen Sattel samenproduktionstechnisch gesehen bis auf weiteres von potenzieller Vaterschaft verabschiedet. Es stammt aus der Produktion der österreichischen Radsportlegende Ferry Dusika, macht also auf dem Hühnerhof bei den jüngeren Gockeln ordentlich etwas her. Die müssen in wie Schwammerln aus dem Boden schießenden Vintage-Geschäften sündteuren Schrott aus Italien oder Frankreich kaufen, den man auf dem Land bei Altwaren-Tandlern für einen Bruchteil des Geldes nachgeschmissen bekommt, Die Welt der Männer ist eine seltsame Welt. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 03.06.2011)