Was läuten hören

29. Mai 2011, 17:48
  • Schon die Biene Maja wusste sie zu schätzen - zu Recht: Die klassische, blaue Glockenblume ist ein Dauerbrenner bzw. Dauerblüher.
Foto: www.pixelio.de/Cornerstone
    foto: pixelio.de/cornerstone

    Schon die Biene Maja wusste sie zu schätzen - zu Recht: Die klassische, blaue Glockenblume ist ein Dauerbrenner bzw. Dauerblüher.

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Mehrjährigkeit, schier endlos dauernde Blühdauer von Mai bis September und Schattenverträglichkeit sprechen für die Glockenblume

Wenn man die Begriffe Urban, Gardening, City, Guerilla, Farming, Junior und Farmers in beliebiger Variation aneinanderreiht, beschreibt man ein Phänomen, das seit einiger Zeit die öffentliche Wahrnehmung sucht. Die Nomenklatur für die Tatsache, dass auch auf jung getrimmte Menschen gerne einmal ihre Bobo-Handerln in feuchtes Erdreich stecken, ist bereits das Image dieser herbeigeschriebenen Bewegung.

Young Urbans Garden in der City sehen sich als City-Farmer und fühlen sich ein wenig Guerilla, wenn sie Hundeklos mit Funkien pimpen. Ich denke, dass dies weder eine Bewegung ist, noch dass sie es notwendig hätte, so benamst zu werden - denn, und darin bin ich mir einig, es braucht keine neuen Bezeichnungen wie "bluebelling" oder "bellflowering" für die beglückende Tätigkeit des Glockenblumenpflanzens. Glockenblumenpflanzen bringt Frohgemut, Vorfreude und kindliche Nachfreude an den Vorspann von Biene Maja (sprich: Bienemeier).

Helle Reflexionen

Die Glockenblume Campanula gibt es in der ganz klassischen Form, mit ebenmäßigen, nach unten geneigten Hütchen als Campanula persicifolia, übersetzt die "Pfirsichblättrige", oder auch Campanula cochleariifolia, die Zwerg-Glockenblume. Das Artepitheton cochleariifolia leitet sich vom Löffelkraut (Cochlearia) ab, da die Form ihrer Grundblätter ähnlich ist (aus: Wikipedia). Bereits diese beiden Formen bringen eine Idee von Blumenwiese in den Garten. Denn Glockenblumen dürfen in keiner Blumenwiese fehlen.

Zumeist in der Farbe Blau vertreten, schaffen es natürlich wieder die weißen Formen, sich in den Vordergrund zu spielen. Und womit? Mit Recht. Denn es sind in der Regel die weißen Vertreter der meisten Blüten, die Akzente mit ihren hellen Reflexionen des Lichts setzen. Und, lucky me, ich habe seit Jahren irgendwo her einen Topf voll weißer Glockenblumen im Besitz. Ich tippe auf eine C. betulifolia.

Rund um diese weiße Schönheit drücke ich nun alles, was mit Campanula auch nur irgendwie anfängt, in die Erde und kann es gar nicht erwarten, durch meine Glockenblumenbeete zu lustwandeln. Dabei kann es schon passieren, dass ich über die Begrenzung meines "geliebten" Rollrasens hin zu den Steinplatten der Terrasse stolpere, denn dort schlagen die treuesten aller Campanulae ihre Wurzeln in die Erde, die Campanula portenschlagiana oder auch Dalmatiner Glockenblume.

Trockenheit, Frost, Enge

Was habe ich der schon angetan! Trockenheit, Frost, Enge, maximale Vernachlässigung - doch sie steht nach wie vor zu mir und verwöhnt mich mit einem dunkelblauen Blütenmeer auf Knöchelhöhe. Ich hoffe, dass meine wiedererwachte Fürsorge nicht Gegenteiliges bewirkt. Hinzu gesellen sich dieses Jahr die Karpatenglockenblume C. carpatica, die entzückend sternchenförmige, hellblau leuchtende Hängepolsterglockenblume C. poscharskyana, und, auf die bin ich besonders gespannt, die Knäuel-Glockenblume "Emerald", eine C. glomerata.

Es gibt viele Gründe, Glockenblumen zu verfallen. Unter den gängigsten sind die Mehrjährigkeit, die schier endlose Blühdauer von Mai bis September, die Schattenverträglichkeit und ihre Ignoranz gegenüber wochenlangen Minusgraden und daraus resultierender Trockenheit. Meine ganz persönliche Zuneigung erhalten sie aber auch, weil sie so wunderbar spontan in sämtliche Beetlücken passen und dort mit ihren fragilen Sprossachsen und zarten Hütchen zu brillieren wissen. So viel zum Urban Bellflower Insaning. (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/27/05/2011)

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2 Postings
FAUNA NICHT FAUMA

am foto,

ist übrigens Campanula persicifolia gut erkennbar an den vergleichsweise schmalen Blättern!

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