Sie ist geeignet für kalkhaltige Böden und sonnige Lagen, wird seit der Antike gepflegt und findet sich in jedem Bauerngarten - Gregor Fauma über die Pfingstrose
Die Wege zu einer Pflanze sind oft verschlungen. So kann aus der Freude an Al Pacinos Schauspiel die Begeisterung für Debussys Suite Bergamasque entstehen, deren dritter Satz, der Gassenhauer Clair de Lune, nicht mehr aus dem gärtnerischen Leben wegzudenken ist. Der Film heißt übrigens Frankie and Johnny, und Al Pacino wirbt darin 118 Minuten lang um die Gunst von Michelle Pfeiffer.
Clair de Lune ist aber auch der Name einer wunderbaren Pfingstrose, die von White - Wild & Son 1954 gezüchtet wurde. Und der Name ist Programm. In der Dämmerung, wo unser Farbsehen langsam nachlässt, schimmern die Blütenblätter dieser einzigartigen Pfingstrose wie milchiges Mondlicht dem Dunkel entgegen. Die krausköpfige, rosa Pracht Paeonia lactiflora "Monsieur Jules Elies" und die schlichte, zartgelb blühende Paeonia mlokosewitschii haben einst ihr Genom dafür gegeben.
Bauernpfingstrose und Chinesischen Pfingstrose
Interessierte unterscheiden die Bauernpfingstrose von der Chinesischen Pfingstrose. Ursprünglich nur rot blühend, schafften die Chinesen über Jahrhunderte hinweg, der Pflanze auch noch gelbe, weiße, ja schwarz-violette Formen abzuzüchten und zu kultivieren. Wir sprechen von Paeonia suffruticosa. Aber auch Paeonia lactiflora, mit ihren ballähnlichen, dichten Blüten, verstand es, sich in die Geschichtsbücher der Biosystematiker einzutragen. In Europa steht seit Jahrhunderten in jedem mehr oder weniger gepflegten Bauerngarten, speziell am Alpensüdrand, ein Pfingstrosenbusch herum. Geeignet für kalkhaltige Böden und sonnige Lagen, konnten sich Paeonia mascula und Paeonia officinalis, Korallen- bzw. echte Pfingstrose, selbst gegen stärkste, gartenmodische Gegenwinde behaupten. Seit der Antike gepflegt, dienten sie auch als Heilmittel in der damals noch jungen, aber aufstrebenden Fachrichtung der fahrenden Bader und Salber.
In Bauerngärten finden stets jene Pflanzen Einlass, die zur Gruppe der Dankbaren gehören. Dankbar sind jene Pflanzen, die mit einem Minimum an Pflege ein Maximum an Pracht erreichen. Und das können die guten Pfingstrosen wie kaum andere Sträucher und Büsche. Was brauchen sie dazu? In erster Linie Ruhe. Päonien möchten nicht gerne umgesetzt werden, sondern bevorzugen einige Jahre des sich Akklimatisierens und Anfreundens mit der Umgebung. Zu frühes Umsetzen quittieren sie mit zickigem Blütenabwurf und Blattschlappheit.
Wurzelballen teilen
Weiters schätzen sie organisches Düngematerial, wovon es rund um einen Bauerngarten ja genug geben müsste - immer nur der Nase nach! Wenn die Blüten besonders groß und schwer sind, tun sie der Pflanze einen Gefallen, wenn Sie diese in der Blütezeit stützen und die Blüten nach dem Verblühen entfernen. Eine Düngergabe im Spätsommer wie auch im Frühjahr darauf versorgt die Päonie mit ausreichend Nährstoffen. Wird die Staude zu groß oder schnorren benachbarte Gärtner entsprechend hartnäckig, so kann man mit einem scharfen Messer den Wurzelballen teilen, verteilen und den Rest wieder ins gewohnte Platzerl setzen.
Doch auch die robustesten Pflanzen schwächeln hin und wieder. So sind es meist Pilze, die einer zu feucht stehenden Pfingstrose zu schaffen machen. Hier kann man nur durch eine optimale Standortwahl vorbeugen und einen Platz wählen, an dem zugige Bedingungen herrschen, auf dass nach Niederschlag die Pflanze schnell wieder auftrocknet. Wer wie ich von diesen wunderbaren Pflanzen nicht genug bekommen kann, findet unter www.thepeonysociety.org ausreichend Informationen und Sekundärliteratur. (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/20/05/2011)