Sei dankbar!

23. Mai 2011, 18:31
  • Artikelbild
    foto: peter kretschmer / pixelio.de

    "Clair de Lune" heißt diese Pfingstrose, die 1954 gezüchtet wurde. Der Name ist dabei Programm: In der Dämmerung schimmert sie wie milchiges Mondlicht.

    Foto: Peter Kretschmer/pixelio.de

Sie ist geeignet für kalkhaltige Böden und sonnige Lagen, wird seit der Antike gepflegt und findet sich in jedem Bauerngarten - Gregor Fauma über die Pfingstrose

Die Wege zu einer Pflanze sind oft verschlungen. So kann aus der Freude an Al Pacinos Schauspiel die Begeisterung für Debussys Suite Bergamasque entstehen, deren dritter Satz, der Gassenhauer Clair de Lune, nicht mehr aus dem gärtnerischen Leben wegzudenken ist. Der Film heißt übrigens Frankie and Johnny, und Al Pacino wirbt darin 118 Minuten lang um die Gunst von Michelle Pfeiffer.

Clair de Lune ist aber auch der Name einer wunderbaren Pfingstrose, die von White - Wild & Son 1954 gezüchtet wurde. Und der Name ist Programm. In der Dämmerung, wo unser Farbsehen langsam nachlässt, schimmern die Blütenblätter dieser einzigartigen Pfingstrose wie milchiges Mondlicht dem Dunkel entgegen. Die krausköpfige, rosa Pracht Paeonia lactiflora "Monsieur Jules Elies" und die schlichte, zartgelb blühende Paeonia mlokosewitschii haben einst ihr Genom dafür gegeben.

Bauernpfingstrose und Chinesischen Pfingstrose

Interessierte unterscheiden die Bauernpfingstrose von der Chinesischen Pfingstrose. Ursprünglich nur rot blühend, schafften die Chinesen über Jahrhunderte hinweg, der Pflanze auch noch gelbe, weiße, ja schwarz-violette Formen abzuzüchten und zu kultivieren. Wir sprechen von Paeonia suffruticosa. Aber auch Paeonia lactiflora, mit ihren ballähnlichen, dichten Blüten, verstand es, sich in die Geschichtsbücher der Biosystematiker einzutragen. In Europa steht seit Jahrhunderten in jedem mehr oder weniger gepflegten Bauerngarten, speziell am Alpensüdrand, ein Pfingstrosenbusch herum. Geeignet für kalkhaltige Böden und sonnige Lagen, konnten sich Paeonia mascula und Paeonia officinalis, Korallen- bzw. echte Pfingstrose, selbst gegen stärkste, gartenmodische Gegenwinde behaupten. Seit der Antike gepflegt, dienten sie auch als Heilmittel in der damals noch jungen, aber aufstrebenden Fachrichtung der fahrenden Bader und Salber.

In Bauerngärten finden stets jene Pflanzen Einlass, die zur Gruppe der Dankbaren gehören. Dankbar sind jene Pflanzen, die mit einem Minimum an Pflege ein Maximum an Pracht erreichen. Und das können die guten Pfingstrosen wie kaum andere Sträucher und Büsche. Was brauchen sie dazu? In erster Linie Ruhe. Päonien möchten nicht gerne umgesetzt werden, sondern bevorzugen einige Jahre des sich Akklimatisierens und Anfreundens mit der Umgebung. Zu frühes Umsetzen quittieren sie mit zickigem Blütenabwurf und Blattschlappheit.

Wurzelballen teilen

Weiters schätzen sie organisches Düngematerial, wovon es rund um einen Bauerngarten ja genug geben müsste - immer nur der Nase nach! Wenn die Blüten besonders groß und schwer sind, tun sie der Pflanze einen Gefallen, wenn Sie diese in der Blütezeit stützen und die Blüten nach dem Verblühen entfernen. Eine Düngergabe im Spätsommer wie auch im Frühjahr darauf versorgt die Päonie mit ausreichend Nährstoffen. Wird die Staude zu groß oder schnorren benachbarte Gärtner entsprechend hartnäckig, so kann man mit einem scharfen Messer den Wurzelballen teilen, verteilen und den Rest wieder ins gewohnte Platzerl setzen.

Doch auch die robustesten Pflanzen schwächeln hin und wieder. So sind es meist Pilze, die einer zu feucht stehenden Pfingstrose zu schaffen machen. Hier kann man nur durch eine optimale Standortwahl vorbeugen und einen Platz wählen, an dem zugige Bedingungen herrschen, auf dass nach Niederschlag die Pflanze schnell wieder auftrocknet. Wer wie ich von diesen wunderbaren Pflanzen nicht genug bekommen kann, findet unter www.thepeonysociety.org ausreichend Informationen und Sekundärliteratur. (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/20/05/2011)

  • Fauma & Flora

    Lass es brummen! [31]

    TitelbildBienen sind en vogue - Das Halten und Pflegen eines Bienenstocks ist ein Trend, der aus den USA kommt - Wer es nicht ernst meint: Hände weg!

  • Fauma & Flora

    Strebergärten [1]

    TitelbildDas außergewöhnliches Gartenbuch von Georg Grabherr und Lois Lammerhuber animiert zum Strebertum beim Garteln

  • Fauma & Flora

    Heilende Halme [11]

    TitelbildGräser sind einfach da und fordern nichts - Warum das gerade jetzt richtig ist

  • Fauma & Flora

    Pfui, Spinne! [31]

    TitelbildWarum Ameisen und andere Krabbeltiere interessant und hilfreich sind

  • Fauma & Flora

    Großes Glücksspiel [6]

    TitelbildDie Pflanzen stressen den Gärtner: Die eingewinterten Pflanzen drängt es ans Tageslicht, was strategisches Vorgehen erfordert

  • Fauma & Flora

    Ode ans Unkraut [8]

    TitelbildJetzt beginnt das Rätselraten, was da Knospen treibt: Warum auch der Warzige Krähenfuß und der garstige Eiterzahn ihr Gutes haben

  • Fauma & Flora

    Waschen, schneiden, hinlegen [32]

    TitelbildAm Beginn der neuen Saison muss der Garten erst wieder in Fasson gebracht werden - Den Beginn macht das Schleppen der Erdsäcke

  • Fauma und Flora

    Der Garten als Labor [1]

    TitelbildEin Wettbewerb regt zum Gespräch über den privaten Garten als Handlungsfreiraum ein

  • Fauma & Flora

    Zwischenbilanz [22]

    TitelbildNach einem Jahr im neuen Garten gilt es die Quote der Pflanzen festzustellen, die den kalten Februar tatsächlich überlebt haben

  • Fauma & Flora

    Brokkoli als Mediator [4]

    TitelbildGedanklich ist es schon so gut wie fertig, das neue Gemüsebeet im Garten - Ein Hochbeet muss her in der Saison 2012, so viel ist sicher

  • Fauma & Flora

    Grünkohl: Eisig-süßer Genuss [13]

    TitelbildErhöhen Pflanzen die Konzentration ihrer Zellflüssigkeiten, sinkt der Gefrierpunkt - Das weiß der Grünkohl

  • Fauma & Flora

    Apfel statt Eibe [59]

    TitelbildBeserlparks zu Obstgärten, Kanalfluren zu Gemüsebeeten und überhaupt mehr Essbares statt Stachelgrün - das wünscht Gregor Fauma sich von der Stadt

  • Fauma & Flora

    Überraschung! [20]

    TitelbildDer Ritterstern läuft so manchen Erwartungen zuwider und blüht vor dem Wachstum

  • Fauma & Flora

    Schnupfen ade! [35]

    TitelbildÜber die Kraft der Kräuterhexen und ihre Heilmittel aus dem Garten räsoniert Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Vollmond [30]

    TitelbildMit der Spezies der sogenannten Mondgartler und ihrem Ratgeber am Firmament beschäftigt sich Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Trumpfkartenniveau [4]

    TitelbildJunggärtner meinen schnell einmal, mehr zu wissen, als den Tatsachen entspricht. Gregor Fauma erklärt, warum er der Jeunesse jardinière dennoch mit Nachsicht begegnet

  • Fauma & Flora

    Der Garten gibt keine Ruh [8]

    TitelbildDie dräuende Vergänglichkeit so deutlich zu spüren gehört zu den Höhepunkten im Gartenjahr

  • Fauma & Flora

    Was läuten hören [2]

    TitelbildMehrjährigkeit, schier endlos dauernde Blühdauer von Mai bis September und Schattenverträglichkeit sprechen für die Glockenblume

  • Fauma & Flora

    Grabenkämpfe [9]

    TitelbildJetzt ist es Zeit, den Boden für das Frühjahr zu bereiten - Vor dem Umgraben muss noch aufgeräumt werden, meint Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Beziehungsarbeit [5]

    TitelbildWarum Rollrasen gestandene Gartler ganz unglücklich macht, erklärt Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Herbstzeitlose: Tödlich schön [20]

    TitelbildEin entzückender Vorbote des Winters ist die Herbstzeitlose, sie hat aber auch ihre Tücken, berichtet Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Entwurzelt [30]

    TitelbildDer Umzug ins Winterquartier ist für alle Pflanzerln und ihren Gärtner kein Vergnügen - Und eine neue Hecke muss auch noch her, klagt Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Grobe Arbeiten [2]

    TitelbildSaisonal bedingt stehen Tätigkeiten im Garten an, die Schweiß, Schmerzen und Schadenfreude mit sich bringen, meint Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Torschlusspanik [13]

    TitelbildWenn es herbstelt, werfen sich die Pflanzen noch einmal mächtig in Schale - Das kostet sie Substanz, die sie in Form von Dünger wieder bekommen sollten

  • Fauma & Flora

    Expertenklimax [5]

    TitelbildNicht nur in Großbritannien wird die Vereinsmeierei um den Garten zu edler Blüte gebracht, berichtet Gregor Fauma

pock i ned
00
25.5.2011, 15:42
heisst die rubrik wirklich FAUMA&Flora?

was ist denn eigentlich so eine fauma?

Gregor Fauma1
 
01
26.5.2011, 15:44
zum Beispiel meine Tochter, sie ist so eine Fauma.

Oder auch meine Großmutter. Die war auch so eine Fauma. Noch Fragen?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.