"Nicht jeder ist schwul, der Mode mag!"

19. Mai 2011, 17:00
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Die kanadischen Zwillingsbrüder Dean und Dan Caten vom Label Dsquared inszenieren die diesjährige Life-Ball-Modeschau als Aufmarsch von Engeln

DER STANDARD: Sie haben fünf Schwestern. Was haben Sie von ihnen gelernt?

Caten-Brüder: Sie haben von uns gelernt: Die richtigen Proportionen, was ihnen steht, welche Farben ihnen passen.

DER STANDARD: Man sagt, Sie hätten früher die Kleider Ihrer Schwestern getragen. Korrekt?

Caten-Brüder: Ja, aber nur manchmal, wir haben damit gespielt.

DER STANDARD: Wann werden Männer Röcke tragen?

Caten-Brüder: An manchen Männern schauen Röcke sexy aus, an manchen lächerlich. Man muss ein gut gebauter Typ sein, damit einen das passt, an uns würden Röcke zu feminin aussehen.

DER STANDARD: Was ist mit Make-up?

Caten-Brüder: Männer schauen auch ohne Make-up gut aus. Ein bisschen Farbe im Gesicht kann aber nicht schaden. Grooming ist auch keine schlechte Idee, aber man sollte aufpassen, dass man nicht irgendwann Augenbrauen wie jene von Linda Evangelista hat.

DER STANDARD: Männerhandtaschen?

Caten-Brüder: Klar, man muss sie ja nicht Handtaschen nennen, Männertaschen ist ein besseres Wort.

DER STANDARD: Wie schwul ist Dsquared?

Caten-Brüder: Wir sind schwul, und wir sind stolz darauf. Aber das Label ist für jeden, ob hetero oder schwul. Nicht jeder ist schwul, der Mode mag. Das ist eine sexistische Einstellung.

DER STANDARD: Was war Ihr erstes Designerstück?

Caten-Brüder: Calvin-Klein-Jeans, als wir sieben waren.

DER STANDARD: Ich habe gelesen, dass Sie als Kinder keine Jeans tragen durften.

Caten-Brüder: Das stimmt, wir trugen sie nur, wenn unser Vater nicht da war.

DER STANDARD: Sind Sie wirklich in einer Wohnwagensiedlung aufgewachsen?

Caten-Brüder: Nein! Unsere Familie war arm, aber wir hatten ein Haus.

DER STANDARD: Ist White Trash von Einfluss für Sie?

Caten-Brüder: Bis zu einem gewissen Punkt: ja. Aber wir stellen den Stil auf den Kopf. Wir mögen auch den Stil von Lastwagenfahrern oder Obdachlosen.

DER STANDARD: Was haben Sie in Ihrer Jugend vermisst?

Caten-Brüder: Mode. In Kanada hatten nicht einmal Leute mit Geld ein Auge dafür, wie also Leute ohne Geld?

DER STANDARD: Wie sahen Sie in den Achtzigern aus?

Caten-Brüder: Verrückt. Wir hatten blonde Strähnchen, trugen goldene Schuhe.

DER STANDARD: Montana oder Mugler?

Caten-Brüder: Beide.

DER STANDARD: Ihr Lieblingssong von Madonna?

Caten-Brüder: " Substitute For Love"!

DER STANDARD: Marcel Proust oder James Joyce?

Caten Brüder: Kennen wir beide nicht.

DER STANDARD: Man sagt, Sie schlafen manchmal sogar im selben Bett. Stimmt das?

Caten-Brüder: Ja.

DER STANDARD: Leben Sie auch zusammen?

Caten-Brüder: Wir haben mehrere Wohnungen und Häuser, aber überall separate Schlafzimmer. Aber wir mögen es, im Bett noch miteinander zu sprechen.

DER STANDARD: Sie verbringen so viel Zeit zusammen, wie finden Sie einen Partner?

Caten-Brüder: Wir müssen niemanden finden, die finden uns. Oder sie finden uns zusammen.

DER STANDARD: Kleiden Sie sich immer identisch?

Caten-Brüder: Nur wenn es ein Event mit Smokingpflicht ist. In den gleichen Outfits kommen wir stärker rüber - als Team.

DER STANDARD: Wie lange trugen Sie in Ihrer Jugend dieselbe Kleidung?

Caten-Brüder: Bis es uns auf die Nerven ging, und jeder von uns eine andere Farbe wählte. Unsere Schwestern steckten uns dann in verschiedene Outfits.

DER STANDARD: Ihre Modeschauen ähneln Unterhaltungsshows: Ihre beste Show?

Caten-Brüder: Als wir unsere erste Frauenkollektion vorstellten. Alle Models kamen aus einem pinken Flugzeug. Naomi kam von der anderen Seite, als ob sie sich verspätet hätte. Wir spielten AC/DC, und alle Topmodels traten auf.

DER STANDARD: Vergangenes Jahr trat Bill Kaulitz von Tokio Hotel bei Ihrer Show auf. Gute Idee?

Caten-Brüder: Unser Thema war die Rocky Horror Picture Show. Er ist ein moderner Frankenstein, das passte gut.

DER STANDARD: Kann Bill Kaulitz eine Stilikone auch für einen Erwachsenen sein?

Caten-Brüder: Uns gefällt sein Mut, sich so zu stylen. Er ist eine Art Boy Gaga.

DER STANDARD: Eine Ihrer Modeschauen fand in einem nachgebauten Fitnessstudio statt. Wie oft trainieren Sie in der Woche?

Caten-Brüder: Auf jeden Fall öfters als früher. Wenn's geht, jeden Tag.

DER STANDARD: Ihr schwächster Muskel?

Dan: Mein Herz. Dean: Mein Arsch.

DER STANDARD: Das Thema Ihrer Life-Ball-Modeschau?

Caten-Brüder: Armeen und Engel: Manche sind ganz schön abgeranzt, manche dunkel, manche hell, manche schweben, andere stehen in Flammen. Was unseren Engeln aber gemeinsam ist, ist, dass sie eine positive Energie ausstrahlen.

DER STANDARD: Welche Rolle spielt Aids in Ihrem Leben?

Caten-Brüder: Viele unserer besten Freunde sind daran gestorben. Wir haben gesehen, wie das Ganze anfing, es wäre toll, dabei zu sein, wenn das Ganze endet. Aids ist auf jeden Fall etwas, das man immer im Kopf behalten sollte.

DER STANDARD: Viele Menschen gehen damit mittlerweile sehr leichtsinnig um.

Caten-Brüder: Ja, die Aufmerksamkeit nimmt ab. Menschen fürchten sich nicht mehr davor, das ist sehr leichtsinnig. Menschen sterben noch immer an Aids.

DER STANDARD: Was ist typisch kanadisch an Ihnen?

Caten-Brüder: Unsere Ehrlichkeit, unsere Bodenständigkeit, unsere Einfachheit.

DER STANDARD: Wie sehen Sie den Stil der Österreicher?

Caten-Brüder: Wir mögen Lederhosen und Dirndln! Das ist richtig sexy.

DER STANDARD: In Wien wird das kaum getragen.

Caten-Brüder: Ja, hier ist der Stil recht distinguiert, die Menschen sind elegant, die Männer geben sich als Gentlemen. Wir finden das ganz gut.

DER STANDARD: Ein, zwei oder drei Knöpfe?

Caten-Brüder: Einen am Abend, drei untertags im Winter, zwei untertags im Sommer.

DER STANDARD: Letzte Frage: Was bedeutet Ihnen Mode?

Caten-Brüder: Mode ist unser Leben.

(Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/20/05/2011)

  • 1964 in Ontario geboren, 
gründeten die Caten-Brüder 1994 das Label 
Dsquared.
    foto: hersteller

    1964 in Ontario geboren, gründeten die Caten-Brüder 1994 das Label Dsquared.

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