Bier im Gerede

Piratenbier

13. Mai 2011, 17:05
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    foto: reuters/ho

    Das "Pirate Queen" genannte Bier wurde zur Nachreifung auf Rumfässer abgezogen, die vorher für den Captain Morgan Rum in Verwendung waren.

Conrad Seidl fand einen schönen Weg, Gutes zu trinken und dabei Gutes zu tun

Wenn sich Christian von der Heide eines Sozialprojekts annimmt, dann fließt am Ende eine Menge Geld. Wenn sich Christian von Heide eines Bierrezeptes annimmt, dann fließt am Ende ein gutes Bier. Und er ist gut darin, beides zu verbinden, denn er ist nicht irgendwer in der Brauerszene: Hauptberuflich ist er technischer Direktor bei Diageo vulgo Guinness. Ehrenamtlich ist er Präsident der European Brewery Convention.

Und wenn so jemand bei einer Mälzerei anfragt, ob es nicht eine kleine Spende für ein besonderes Bier gäbe, dann gibt es die Malze (Pale Ale Malz, Röstmalz und ein wenig Rauchmalz von der Mälzerei Weyermann in Bamberg) umsonst - natürlich auch Hopfen (die relativ neue Züchtung Herkules), Hefe und einen Platz, das Bier fachgerecht herzustellen. Freiwillige Helfer, die für den Spaß, mit ihm ein Bier zu brauen, kräftig spenden, finden sich auch immer. In diesem Frühjahr hat man sich in Wien bei der 1516 Brewing Company versammelt - gebraut wurde ein Porterbier, das nun im Ausschank ist.

Für herzkranke Kinder in Jamaika

Weil das Geld, das durch die Spenden und den Verkauf des Bieres hereinkommt, einem Projekt für herzkranke Kinder in Jamaika zugute kommen soll, wurde das "Pirate Queen" genannte Bier zur Nachreifung auf Rumfässer abgezogen, die vorher für den Captain Morgan Rum in Verwendung waren.

Diesen Bezug zu Jamaika schmeckt man auch: Das rötlich-schwarze Bier verströmt ein Aroma von Vanille, Tabak, Laubholz und Dörrzwetschken. Der Antrunk ist schlank und erfrischend (wodurch man die mehr als acht Prozent Alkohol kaum herausschmeckt), die Röstnoten und die Hopfenbittere kommen rasch zur Geltung, dann erst kommt auch mit dem Mundgefühl die Erinnerung an Rum und Schokolade, Schokolade und nochmals Schokolade - dieser Eindruck begleitet auch den lang anhaltenden und sehr trockenen Nachtrunk.

Insgesamt ist dies schon ein recht eindrucksvolles Bier. Aber das lässt sich noch toppen: Christian von der Heide hat nämlich herausgefunden, dass es durchaus Sinn gemacht hat, dass man Porterbiere im frühen 18. Jahrhundert aus Zinnkrügen getrunken hat - Zinn lässt die Bittere stärker hervortreten. Also hat er auch da um eine Spende geschnorrt und entsprechende Trinkgefäße bekommen, aus denen das Bier auch mit dem richtigen Mundgefühl genossen werden kann. Man zahlt gerne etwas mehr dafür. (Conrad Seidl/Der Standard/rondo/13/05/2011)

Kommentar posten
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black jack
01

Wenn ein Seidl was zu sagen hat, wär's auch interessant wie ein Krügl darüber denkt.

Günther Hase
 
00
25.5.2011, 12:34
Acht Prozent ???

Nie im Leben. Ich hab das Bier vor nicht allzulanger Zeit getrunken und es ist ein wirklich gutes, intensives Porter - aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass es 8% haben soll. Wenns nicht der Bierpapst schrieb, ich hielts für Seemannsgarn ;-)

syndesmoseband
01
16.5.2011, 15:27

Ya Man, das Zinnkrug-Service habe ich leider nicht genießen dürfen (wäre aber auch nicht auf die Idee gekommen danach zu fragen), aber trotz allem eines der besten Biere, das ich seit längerem getrunken habe.

Aktuelles Wetter in Eisenstadt
00
16.5.2011, 21:31

Die Bestellung im Zinnkrug ist auf der Karte unter der Option "Pewter" vermerkt und würde Sie immerhin stolze €20 gekostet haben. Muss wohl ein Zinnfass damit gemeint sein ...

syndesmoseband
00
16.5.2011, 21:48

damit kann aber nur pfand gemeint sein, oder?

Bierpapst
01
24.5.2011, 15:16

Wer aus dem Pewter trinken will, muss ihn kaufen (und darf ihn natürlich mitnehmen), denn Zinngefäße machen bei der Reinigung Probleme, können sich verfärben etc - daher soll niemand aus einem schon mehrfach gebrauchten und durch die Reinigung unansehnlich gewordenen Trinkgefäß trinken müssen.

chrom
00
15.5.2011, 11:45
Conrad Seidl schreibt einen Bericht über Bier!

The Gentle Art of Making Enemies
06
15.5.2011, 15:26
In einem Paralleluniversum ist's umgekehrt.

Da schreibt das Bier über Conrad Seidl.

MichaelWar
00
15.5.2011, 23:41

Köstlich, vielen Dank!

gidolf
01
14.5.2011, 12:26

Sinn kann nicht gemacht werden. (Die Bittere?)

The Gentle Art of Making Enemies
11
14.5.2011, 15:37
Doch...

Nur Halbgebildete regen sich über "Sinn machen" auf. Die Gebildeten wissen es besser.

twertwert
20
15.5.2011, 12:11

Bilden Sie mich bitte.. es interessiert mich.

The Gentle Art of Making Enemies
10
15.5.2011, 14:21
Gerne! Einige Zeilen weiter unten habe ich an "LCMSMS2" eine kurze Erklärung gepostet.

LCMSMS2
21
15.5.2011, 10:42
Die Gebildeten ...

... vermeiden derartige Anglizismen.

http://www.spiegel.de/kultur/zw... 38,00.html

The Gentle Art of Making Enemies
13
15.5.2011, 14:20
Nur weil es im "Spiegel" steht, ist es noch nicht korrekt.

Gerade B.Sick ist übrigens ein Paradebeispiel für einen Halbgebildeten.

Gerne helfe ich hier allen auf die Sprünge, die "making sense" irrigerweise für einen Anglizismus halten:

Erstens ist es streng genommen - wenn schon, denn schon - ein Latinismus ("sententiam facere") und fand bereits in der Dt. Klassik den Weg in die Werke Goethes und Kollegen.

Somit fand "Sinn machen" zweitens auch konsequentermaßen Eingang in das Wörterbuch der Gebrüder Grimm (deren wissenschaftliche Bedeutung heutzutage leider de facto unbekannt ist), wo man es unter dem Lemma "Sinn" finden kann.

gidolf
00
16.5.2011, 08:33

Das liegt aber daran, dass im Lateinischen (wie auch im Englischen) 'machen' die zusätzliche Bedeutung 'ergeben' hat (wie beispielsweise bei einer Rechnung). Im Deutschen hingegen macht fünf mal sieben nicht 35, sondern es ergibt es .. und unsere primäre Zusatzbedeutung ist leider eben 'herstellen'.

Aktuelles Wetter in Eisenstadt
01
15.5.2011, 15:03

Gerade der Ausdruck "Sinn machen" findet sich nun aber bei den Grimms durchaus nicht als gängiger.

Im Grunde eine belanglose Frage eigentlich, schöneres Deutsch ist aber immer noch "Sinn ergeben".

Viel tragischer und schmerzhafter sind auf alle Fälle die drei "hat" im zweiten Satz des letzten Absatzes; das tut wirklich weh.

twertwert
00
15.5.2011, 14:36

Danke für den Input:).

Reicht mir zwar mangels Quellen noch nicht, um überzeugt von der Sinnhaftigkeit des "Sinn machens" zu sein, aber es reicht, um die Aussagen des B. Sick anzuzweifeln.

hellfast
11
15.5.2011, 14:26

schwache argumentation. im deutschen verwendet man immer noch "ergeben".

Günther Hase
 
00
25.5.2011, 14:14

finde es lustig wie Sie ohne jede Erläuterung die (mMn schlüssige) "schwache Argumentation" kritisieren. Das ist schon recht nah am Kindergarten Niveau.

The Gentle Art of Making Enemies
11
15.5.2011, 14:57
Was ist an der Nennung im Wörterbuch der Gebrüder Grimm...

... eine "schwache Argumentation". Im Gegenteil: Unter Germanisten werden Sie niemanden finden, der ein Wort oder eine Redewendung als modernen Anglizismus bezeichnet, wenn besagtes Wort/Redewendung vor 200 Jahren bei Grimm angeführt wurde.

Auch die Entlehnung von "sententiam facere" ist eigentlich völlig unbestritten.

Also: bitte eine schlüssige und nachvollziehbare Erklärung nachtragen, warum meine Argumentation schwach sein soll.

hellfast
00
15.5.2011, 15:53

wenn's nicht mehr in unserer sprache seit 200jahren ist, und dann über das englische zu uns kommt?

pirat was sonst
02
13.5.2011, 20:10
Lechz!

die Welt macht doch Fortschritte!

LargoLaGrande
00
13.5.2011, 17:25

und wo kriegt man das?

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