Conrad Seidl fand einen schönen Weg, Gutes zu trinken und dabei Gutes zu tun
Wenn sich Christian von der Heide eines Sozialprojekts annimmt, dann fließt am Ende eine Menge Geld. Wenn sich Christian von Heide eines Bierrezeptes annimmt, dann fließt am Ende ein gutes Bier. Und er ist gut darin, beides zu verbinden, denn er ist nicht irgendwer in der Brauerszene: Hauptberuflich ist er technischer Direktor bei Diageo vulgo Guinness. Ehrenamtlich ist er Präsident der European Brewery Convention.
Und wenn so jemand bei einer Mälzerei anfragt, ob es nicht eine kleine Spende für ein besonderes Bier gäbe, dann gibt es die Malze (Pale Ale Malz, Röstmalz und ein wenig Rauchmalz von der Mälzerei Weyermann in Bamberg) umsonst - natürlich auch Hopfen (die relativ neue Züchtung Herkules), Hefe und einen Platz, das Bier fachgerecht herzustellen. Freiwillige Helfer, die für den Spaß, mit ihm ein Bier zu brauen, kräftig spenden, finden sich auch immer. In diesem Frühjahr hat man sich in Wien bei der 1516 Brewing Company versammelt - gebraut wurde ein Porterbier, das nun im Ausschank ist.
Für herzkranke Kinder in Jamaika
Weil das Geld, das durch die Spenden und den Verkauf des Bieres hereinkommt, einem Projekt für herzkranke Kinder in Jamaika zugute kommen soll, wurde das "Pirate Queen" genannte Bier zur Nachreifung auf Rumfässer abgezogen, die vorher für den Captain Morgan Rum in Verwendung waren.
Diesen Bezug zu Jamaika schmeckt man auch: Das rötlich-schwarze Bier verströmt ein Aroma von Vanille, Tabak, Laubholz und Dörrzwetschken. Der Antrunk ist schlank und erfrischend (wodurch man die mehr als acht Prozent Alkohol kaum herausschmeckt), die Röstnoten und die Hopfenbittere kommen rasch zur Geltung, dann erst kommt auch mit dem Mundgefühl die Erinnerung an Rum und Schokolade, Schokolade und nochmals Schokolade - dieser Eindruck begleitet auch den lang anhaltenden und sehr trockenen Nachtrunk.
Insgesamt ist dies schon ein recht eindrucksvolles Bier. Aber das lässt sich noch toppen: Christian von der Heide hat nämlich herausgefunden, dass es durchaus Sinn gemacht hat, dass man Porterbiere im frühen 18. Jahrhundert aus Zinnkrügen getrunken hat - Zinn lässt die Bittere stärker hervortreten. Also hat er auch da um eine Spende geschnorrt und entsprechende Trinkgefäße bekommen, aus denen das Bier auch mit dem richtigen Mundgefühl genossen werden kann. Man zahlt gerne etwas mehr dafür. (Conrad Seidl/Der Standard/rondo/13/05/2011)