Sonne ohne Sonnenschutz macht alt und krank, sagen Dermatologen - Heißt das, dass wir jetzt auch in der Stadt UV-Filter brauchen? Ja, hat Karin Pollack erfahren
Neulich in der Mittagspause. Einer der ersten schönen Sonnentage, die Menschen recken ihre Nasen in die Luft, schließen die Augen vor lauter Genuss und genießen die warmen Strahlen. Keiner hier will, dass der Sonnenschirm aufgespannt wird. Bis das Essen kommt, vergeht eine halbe Stunde, bis zum Zahlen ist die Stunde Mittagspause um. Und so passiert's. 30 bis 40 Minuten Eigenschutzzeit gegen UV-Strahlen haben nur Menschen mit olivfarbener, dunkelbrauner Haut und dunklen Augen, Enrique Inglesias oder die Desperate Housewife Eva Longoria beispielsweise. Wer vom Hauttyp her auch nur eine Spur heller ist, züchtet sich dermatologisch betrachtet Unschönes heran.
Vielleicht nicht sofort, doch Hautzellen haben ein langes Gedächtnis und merken sich jede Dosis ziemlich genau. Und deshalb scheuen meist Hautärzte die Sonne wie der Teufel das Weihwasser, denn viel zu oft entdecken sie jene Flecken auf der Haut, die sie Malignes Melanom nennen müssen. Der schwarze Hautkrebs streut, wenn er zu spät entdeckt wird, seine zerstörerischen Zellen in Lunge, Knochen und Hirn. Der Zusammenhang zwischen UV-Licht und dieser Entartung ist eindeutig erwiesen.
Lieber schön bleiben
Aber Schluss jetzt mit Horrorszenarien: "Das ganze Jahr über reden alle von Anti-Aging, das wirksamste Mittel dagegen, alt auszusehen, sind Sonnencremen mit hohen Lichtschutzfaktoren", betont Markus Dawid, Vorstand der Abteilung für Dermatologie am Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien, und meint damit Pigmentflecken, Falten und den Verlust von Elastizität.
Ob er auch Büroarbeitern, die Tag für Tag vor dem Bildschirm ihr Leben fristen, eine Tagescreme mit Sonnenschutzfaktor empfiehlt? "Was für eine Frage?, findet er, "jeder ist ganz sicher irgendwann einmal in der frischen Luft, auf dem Weg hin oder zurück zur Arbeit zum Beispiel oder eben in der Mittagspause, und das wesentlich schädlichere UVA-Licht, das bis in tiefe Schichten der Haut vordringt, macht auch vor Fensterscheiben nicht halt." Seine Empfehlung: Tagescremen mit Lichtschutzfaktor und zusätzlich Sonnencremen für alle, die keinen Platz mehr unter dem Sonnenschirm ergattert haben.
Davon gibt es zunehmend eine größere Auswahl. Cremen im 30- bis 50-Milliliter-Gebinden passen in jede Handtasche. "Schwieriger ist das für Männer, vor allem für jene mit Glatzen, die ganz besonders stark dem UV-Licht ausgesetzt sind", bemerkt Dawid. Ganz abgesehen davon sei die Luft in klimatisierten Räumen trocken und Feuchtigkeit auch im Sommer ein zentrales Hautthema.
Klimawandel spielt eine große Rolle
Nicht zuletzt spielt auch der Klimawandel in Sachen Sonne eine große Rolle. Durch die Ausdünnung der Ozonschicht fangen immer weniger Ozon-Moleküle in der Atmosphäre die gefährlichen ultravioletten Sonnenstrahlen ab. Unweit der Antarktis, dort, wo das Ozonloch am größten ist, etwa in Patagonien oder Australien, spüren die Menschen diese Auswirkungen bereits direkt auf der Haut. Aber auch bei uns kommen die Auswirkungen der fehlenden UV-Filter in der Atmosphäre geografisch betrachtet näher.
Vor Ostern war die Ozon-Schutzschicht über der Arktis dünn wie noch nie, seit es Messungen gibt. In Skandinavien, Russland und Nordeuropa brannte die Frühlingssonne so stark wie im Hochsommer. Das wird auch eine Zeit noch so bleiben. Zwar sind die Ozonloch verursachenden Fluorchlorkohlenwasserstoffe seit dem Montreal-Protokoll 1989 verboten, aber bis sich die atmosphärischen Sonnenfilter regenerieren, wird noch einige Zeit vergehen. Markus Dawid warnt: "Es ist falsch, zu glauben, dass nur die Mittagssonne Hautzellen schädigt, das kurzwellige UVA-Licht ist abends noch gleich stark wie zu Mittag." Gut eincremen, bis es finster wird, eine Alternative dazu gibt es nicht.
Ein Tipp für alle, die ihre Haut langfristig gesund erhalten wollen: La Roche-Posay wird Mitte Mai eine eigene Sonnenschutz-App namens "My UV Check" zum Download aufs iPhone online stellen. (Karin Pollack/Der Standard/rondo/06/05/2011)