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Langsam entwickelt sich der Garten. Platsch, da rollt der Rasen drüber.
Wer gerne einmal nach Indien fährt, und, ganz unter uns, wer tut das nicht, informiert sich zuvor: über die lokalen Helden, die Gepflogenheiten der Gesellschaft und die Möglichkeiten, Durchfall-exzessen zu entgehen. Der Schauspieler Shah Rukh Khan, stets frisch gebügelte Hemden und Verzicht auf Fleisch könnten, in dieser Reihenfolge, die Ergebnisse dieser Nachforschungen sein.
Wer sich dann noch in eine indische Tageszeitung vertieft, wird feststellen, dass dort seitenweise über Inserate Bräute und Bräutigame gesucht und auch inseriert werden. In Indien übernehmen liebenswerterweise die Eltern die Auswahl des jeweiligen Partners; praktisch, so kann man ihnen später den schwarzen Peter einer unglücklichen Beziehung zuschieben.
Ineinander-Verlieben
Braut und Bräutigam lernen einander in der Regel erst einen Tag vor oder direkt am Hochzeitstag selbst kennen. Da bleibt nicht viel Zeit für Beziehungsarbeit, das Ineinander-Verlieben kommt ein wenig kurz - kann aber noch kommen. Ganz anders ist jedoch die hiesige Anbahnung zwischen Gartler und seinen Pflanzen. Wer, sagen wir bei Bakker, einen schwarzen Seidenbaum, Albizia julibriss, in "Summer Chocolate" gekauft hat, erhält für 25,50 Euro netto einen 15 Zentimeter langen Zwirn mit Blatt, der in einer Handvoll Erde steckt. So kann eine Beziehung, ein zärtlicher Flirt beginnen und eventuell zu einer Liebeshochzeit führen.
Intensive Fürsorge
Der Gartler und sein Pflänzchen können durch intensive Fürsorge, liebevolle Bewässerung und gegenseitige Düngergaben langsam und immer enger zusammenwachsen, und womöglich wird, nach vielen Jahren innigster Harmonie, aus der Amour fou eine solide Beziehung zwischen Baum und Mensch, der selbst der Dorfpfarrer seinen Segen gibt und wo der Bürgermeister zur diamantenen Hochzeit gratulieren kommt.
Die Hoffnung stirbt zuletzt, irgendwann bin auch ich dran, aber zuvor möchte ich den mächtigen, grobrindigen Albiziastamm zumindest noch umarmen und mich, in seinem mächtigen Schatten liegend, von jahrzehntelanger Gartenarbeit ausruhen können. Da mögen sich die Inder etwas abschauen, arranged marriage hat in meinem Garten keinen Platz, ha!
Diese Braut ist mir zu schön
Dies ist jetzt leider gelogen, denn in meinem Garten habe nicht nur ich etwas zu sagen. Diese Fahrlässigkeit manifestiert sich in seltsamen Beeten, vertrockneten Kräutern und konzeptlosen Einkäufen. Aber es geht noch schlimmer. Seit Tagen zieren einige Quadratmeter Rollrasen unseren Nord- wie auch unseren Südgarten. Fettes Grün, gesundes Blatt, dichter Wuchs - aber diese Braut ist mir zu schön. Diese Braut konnte ich nicht beschnuppern, diese Braut hat mir nie ihr vorsichtiges Interesse signalisiert, diese Braut hat mir nie zu verstehen gegeben, dass ich der Richtige für sie wäre.
Jetzt liegt sie da, bittet mich täglich um zweimalige Benetzung und, wenn geht, keine Benutzung. Für Zwölffuffzich den Quadratmeter macht sie mir das Grün. Ist das nicht schäbig? Nichts, gar nichts ist so falsch, mir so zwider und überhaupt der Art fehl am Platz wie ein Rollrasen in einem langsam sich entwickelnden Garten. Ich glaube nun zu wissen, wie sich für manchen Inder eine arrangierte Hochzeit anfühlt. Oh oh. (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/29/04/2011)
Bohne, Zucchini und Kürbis brauchen eine Stütze - Die ist ihnen der Gärtner, der im Mai ausreichend Rankhilfen aufstellt, weil das junge Gemüse sonst bald den Kopf hängen lässt, weiß Gregor Fauma
Jetzt ist der Moment, um Rosen an Land auf Pilzbefall zu untersuchen und für neue Seerosen ein passendes Gewässer zu finden
Die Eisheiligen stehen vor der Tür. Welches junge Gemüse trotzdem schon hinausdarf und was besser im Haus bleibt, weiß Gregor Fauma
Der Nachbar wird schön schauen: Wegen der Hortensien ums Hochbeet sieht er bald nicht mehr in Ihren Garten! Einige Anregungen, die zu Freude und Erfolg führen mögen.
Autochthone Pflanzen wie die Clematis können mit Frostattacken im April eh gut umgehen - Exotische Schönlinge brauchen halt momentan ein wenig mehr Aufmerksamkeit, weiß Gregor Fauma
Ein Hochbeet schont den Rücken, nicht das Geldbörsel - Es sei denn, man greift zu Hammer und Nägeln anstelle von großteils hässlichen Fertigsets, meint Gregor Fauma
Guter Dünger muss reifen wie Wein, aber bei einem Verschnitt aus Ästen und Gras kann man nachhelfen
Viel Platz unter der Sonne und reichlich Wasser will der Krautstiel - Er dankt's dem Beilagenesser mehrfach in einer Saison mit üppigen Ernten, weiß Gregor Fauma
Advent und Wohltätigkeit gehören zusammen. Charity im eigenen Garten ist, wenn man dem Lieblingsstrauch die (Schnee-)Last nimmt und alle Stauden stützt, meint Gregor Fauma
Wie feucht und sandig mag's die Fragaria? Die Antwort auf genau diese Frage ist eine süße Denksportaufgabe, meint Gregor Fauma
Solange die Böden noch nicht gefroren sind, heißt es: dick anziehen und großzügig sein mit Blumenknollen - Das freut natürlich auch den einen oder anderen Nager, der dafür selbstlos die Erde lockert
Los geht's: Rasch das alte Laub aus den Gartenschlapfen beuteln und sofort draußen klären, was die Pflanzen bald schon brauchen werden
Tropische Pflanzen wie die Engelstrompete wachsen auch in den südamerikanischen Bergen - Minusgrade, nur für kurze Zeit, machen sie sogar robuster, meint Gregor Fauma
Der Gewöhnliche Steinklee macht etwas Ungewöhnliches: Er faltet seine Blätter vor dem Schlafengehen, um uns den nächsten Tag zu versüßen - Womit, verrät Gregor Fauma
Für Gärtner ist der November ein Glücksspiel: Friert es, gibt es hohe pflanzliche Verluste zu beklagen - Auf Sicherheit spielende Outdoor-Experten setzen dagegen das herumliegende Laub einfach als Thermojacke ein - Eine warme Empfehlung von Gregor Fauma
Dem Gärtner stinkt die frühe Dämmerung, er steckt die Zehen in den Boden: Tipps für den Knoblauchmonat Oktober von Gregor Fauma
Schicht für Schicht abwechselnd Trocken- und Grünzeug übereinanderlegen: Das hat sich auch beim Komposthaufen bewährt - Faule Tricks von Gregor Fauma
Der Herbst ist der Höhepunkt des Gartenjahres - so zur rechten Zeit vorgesorgt wurde
Stellen Sie sich vor, Sie sind Psychiater, und ein Garten kommt zu Ihnen - Redet er ständig vom Dachs, hat er keinen Dach(s)schaden - Das Problem liegt tiefer. Also beim Boden, meint Gregor Fauma
Das Nachtschattengewächs mit dem heißumstrittenen Namen wird gern auf dem Balkon gezogen - Gregor Fauma über Theorie und Praxis der Tomate
Die Kiwi und ihre Klischees: Die populäre Neuseeländerin ist in Wahrheit gebürtige Chinesin, und dass sie in Österreich nicht reifen mag, ist auch Blödsinn
Wenn die Groupies kommen, kriegt Gregor Fauma zwar Schampus verehrt - aber anstrengend ist es schon
Zurückstutzen oder wuchern lassen? Das ist die Frage, die über die Süße der Trauben entscheidet - Gregor Fauma gibt Tipps für die Rebenpflege
Dass der Wind noch selten etwas Gutes gebracht hat, können Gärtner aus ganzer Seele bestätigen - Gregor Fauma über den Feind der zarten Blüte
Erschöpfend war das Nichtstun des Sommers, jetzt aber darf Gregor Fauma umso intensiver garteln
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