Mehrere Fahrräder besitzen

14. April 2011, 17:17
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Pro: "Gleichberechtigung" von Eric Frey - Kontra: "Eine moralische Sackgasse" von Thomas Rottenberg

+++Pro
Von Eric Frey

Kennen Sie eine Frau mit etwas Selbstwertgefühl, die nur ein paar Schuhe hat? Oder auch nur zehn? Warum soll also ein Mann – ein richtiger Mann, nicht einer jener Komplexler, die ihre fehlende Muskelkraft mit luftverpestenden PS zu kompensieren versuchen – nicht mehrere Räder besitzen? Ein Citybike für den Alltag, ein Rennrad für die Kondition, ein Mountainbike fürs Abenteuer, ein Lastenfahrrad für den Großeinkauf, ein Faltrad fürs leichte Reisen, ein E-Bike für schwache Momente (oder als Altersvorsorge)? Und warum nicht ein elegantes schwarzes Rad für den Abendtermin und ein grell gelbes, wenn man einmal knallig drauf ist? Und dann das ganze Set noch einmal fürs Wochenendhaus!

Wohin mit all diesen Rädern, wenn der Fahrradkeller schon mit alten Schrottgestellen überquillt? Die gleiche Frage habe ich mit Blick auf unseren vollen Schuhkasten meiner Frau gestellt, als sie mit neuen Stiefeln nach Hause kam. Auf meiner Seite sei noch etwas Platz, sagte sie. Sogleich griff ich nach dem Bike-Katalog.

Kontra---
Von Thomas Rottenberg

Vielräderei mag harmlos erscheinen, doch sie führt ins Abseits. Denn der Poly-Bikismus ist teuer, fördert die rastlose Habsucht und führt oft zu Gier.

Sie zweifeln? Dann schauen Sie sich Michael Embacher an. Der hegt und pflegt mehr als 200 Räder: ein Rad-Museum von Weltrang, dem ein Prachtband (Cyclopedia, Dumont) huldigt. Fast alle Räder sind fahrtauglich. Embacher benutzt sie. Das, sagt er, mache Freude.

Eine Lüge: Stellen Sie sich vor, Sie müssen los – und 200 Räder betteln: "Ich, ich, ich!" Sie wählend das Falsche. Garantiert. Und dann wird es geklaut, weil Sie das falsche Modell zur falschen Zeit am falschen Ort ... Oh, Hölle! Oh, Pein!

Besitz, zeigt dies, belastet. Und Auswahl blendet: Ist Fernsehen denn besser, seit es 1000 Sender gibt? Außerdem fördert die Hoffnung auf Überfluss sogar den Terror: Träumt nicht der Selbstmordattentäter von 72 Jungfrauen?

Also: Wehren wir den Anfängen! Möge die Metze Zeitgeist auch der Poly-Bikerei frönen, so gilt doch: Charakter-Radler strampeln singulär und einspurig. In jeder Hinsicht. (Der Standard/rondo/15/01/2011)

  • Vielräderei mag harmlos erscheinen, doch sie führt ins Abseits.
    foto: der standard

    Vielräderei mag harmlos erscheinen, doch sie führt ins Abseits.

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