Frühblüher und Frühflieger

  • Die Hummeln sind toughe Arbeiterinnen, die selbst bei niedrigsten Temperaturen und Schlechtwetter unterwegs sind, zum Beispiel zu Kirschbäumen.
    foto: apa/angelika warmuth

    Die Hummeln sind toughe Arbeiterinnen, die selbst bei niedrigsten Temperaturen und Schlechtwetter unterwegs sind, zum Beispiel zu Kirschbäumen.

Kirschblüten, Magnolienbäume und Forsythien liefern die erste Nahrung für die fleißigen Hummeln, die es Gregor Fauma besonders angetan haben

Wenn der Frühling kommt, kommt auch vielen Insekten der Frühling, und sie bereiten sich auf anstrengende Tage vor. Dazu braucht es Kraft und Kondition. Das Erscheinen der ersten Fliege in der Wohnung wird von mir immer gefeiert, denn sie stellt für mich den Beginn einer wunderbaren Zeitspanne dar; einer Zeitspanne, die von Wärme und Licht geprägt ist. Auf die erste Fliege folgt in der Regel der Hummelflug. Die hiesigen Hummeln haben den Winter in Erdhöhlen überstanden und ziehen nun ihre Kreise auf der Suche nach Pollen und Nektar. Sie sind nicht irgendwer, sondern Liebkinder des britischen Boulevards, denn es sind die Jungköniginnen, die in Folge ihren Staat erst gründen werden.

Und, my goodness, sie sind bereits im Herbst begattet worden und legen nun ihre Eier in alten Bäumen oder Mäuselöchern ab. Als liebsorgende Mutter Königin stellt sie auch ein Schüsserl mit Honig bei, kein Schmäh, damit die geschlüpften Larven auch gleich etwas zum Papperln haben. Die Monarchie hat doch ihren Charme. Die Hummeln sind, im Unterschied zu den als Zezn verschrie-nen Bienen, toughe Arbeiterinnen, die selbst bei niedrigsten Temperaturen und Schlechtwetter unterwegs sind und mit ihren langen Rüsseln Nektar und Pollen sammeln. Und ist eine Blüte noch verschlossen, so kann es schon vorkommen, dass sie diese einfach aufbeißen. Hunger muss gestillt werden.

Zuerst der Sex, dann das Essen

Wenn der Frühling kommt, drängen sich jene Pflanzen in den Vordergrund, die noch vor den Energie liefernden Blättern ihre Fortpflanzungsorgane in die wärmenden Strahlen Helios' halten. Zuerst der Sex, dann das Essen. Magnolienbäume zeigen ihre ganze Pracht, entwickeln riesige Blüten und protzen mit ihren Pastellfarben. Diverse Zierkirschen, Marillen und unterschiedlichste Apfelhybriden leuchten mit ihren Farben, als gäbe es kein Morgen. An den Sommerrandzeiten, also Frühjahr und Herbst, sind die schönsten Farben zu sehen. Das mag am eher weißen denn gelben Licht liegen. Eine der prächtigsten Straßen diesbezüglich ist die Sollingergasse in Wien-Döbling. Dort explodieren Kirschbäume zu einer rosafarbenen Pracht, die ihresgleichen sucht.

Nicht minder spektakulär sind die Vorgärten und Hecken der Einfamilienhäuser links und rechts der Dürren Waring auf dem Schafberg. Hier zeigen die Forsythien, benannt nach dem berühmten Denver-Clan-Boss Blake Carrington, was sie so draufhaben. Und sie haben jede Menge Gelb drauf. Bei den auch Goldglöckchen oder Goldflieder genannten Büschen erscheinen die Blüten am letztjährigen Zweig. Das gilt es zu wissen, wenn man sich mit der Gartenschere an der Forsythie nach deren Blüte austoben möchte. Denn lässt man eine Forsythie in aller Ruhe vor sich hin wachsen, so gedeiht ein ansehnlicher Busch von bis zu vier Meter Höhe. Möchte man hingegen eine Hecke schneiden, so sollte man ausreichend letztjährige Triebe stehen lassen, um in den Genuss eines gelben Blütenmeers zu kommen. Frühblüher Forsythie, Frühflieger Hummel - die Natur scheint die beiden wie füreinander gemacht zu haben. Blieben den Hummeln aber tatsächlich nur Forsythien zur Labsal über, so müssten sie verhungern. Denn die hiesigen Forsythien sind allesamt Hybride, die weder Pollen noch Nektar produzieren. So garstig kann sie auch sein, die Natur. (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/15/04/2011)

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