Hardcore in Japan

14. April 2011, 12:01
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Es verhält sich so, dass die Japaner eine alte Band aus dem Jahre Schnee und mit dem schönen Namen "Knüppel aus dem Sack" dringend leibhaftig sehen wollen

Dass Franz noch einmal ein Problem mit dem Atom bekommt, hätte er sich nicht gedacht. Es verhält sich aber so, dass die Japaner seine alte Band aus dem Jahre Schnee und mit dem schönen Namen "Knüppel aus dem Sack" dringend leibhaftig sehen wollen. Daran ist erstens das Internet schuld. Stichwort: Facebooke ich ins Mikrofon, hört man im Weltall jeden Ton. Zweitens zählt es zu den guten Begleiterscheinungen des Älterwerdens, dass nichts mehr muss und alles kann. Das zeitigt unter anderem die Folge, dass plötzlich alle auf der Matte stehen, denen man früher nicht einmal theoretisch nachgelaufen wäre. Bloß weil man altersresistent wieder in die Saiten greift. Franz hat für diese Leute einen Fachbegriff. Er lautet "Sauger".

Die Japaner jedenfalls, so Franz, hätten alle einen Klopfer. Wer hätte schon vor 20 Jahren gedacht, dass man einen einer verflossenen Liebschaft zugeeigneten, bei einem obskuren Wiener Hundepunk-Label aufgelegten Song wie den Mikro-Hit Fuck Off And Die noch einmal freiwillig hören will. Den Japanern scheint das aber jetzt zu gefallen. Das Ausland leuchtet.

Blöderweise sind zu den offerierten Konzerten im Land der aufgehenden Sonne aktuell die Strahlen dazugekommen. Zwar würde man ausreichend weit um das Atom herumgefahren werden, um live vor japanischen Hundepunks juvenile Härte zeigen zu können. Ein mulmiges Gefühl aber bleibt. Franz sagt: "Mir wäre es eigentlich lieber, wenn wir daheimbleiben könnten. Das geht aber nicht, weil wir total Hardcore sind!" Schön dumm, wenn man erst mit 40 seinen guten Ruf zu verlieren hat. (Christian Schachinger/Der Standard/rondo/15/04/2011)

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    Wer hätte schon vor 20 Jahren gedacht, dass man den Mikro-Hit Fuck Off And Die noch einmal freiwillig hören will.

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