Big in Japan

8. April 2011, 16:24
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In München ist die Ausstellung "Future Beauty - 30 Jahre japanische Mode" zu sehen

Frage: Wie inszeniert man Mode im Museum? Schnellantwort: als Catwalk. Auch das Münchner Haus der Kunst entschied sich für diese gestalterisch konventionelle Lösung. Dafür entschädigt, was man in drei Sälen plus zwei Stiegenhäusern sieht: einen ausgreifenden, abwechslungsreichen Querschnitt durch 30 Jahre Fashion made in Japan. Die Exponate stammen aus der exzeptionellen Sammlung des Kyoto Costume Institute, ergänzt um Dokumentationen, Videos von Modeschauen, Zeitschriften und Entwurfszeichnungen. Die ersten beiden Räume sind Rei Kawakubo / Comme des Garçons, Yohji Yamamoto und Issey Miyake gewidmet, der finale, mit "Cool Japan" überschriebene, jüngeren Designern wie Junya Watanabe, Tao Kurihara, Jun Takizawa und Mintdesign. Fängt es im Zeichen von Junichiro Tanizakis Ästhetik des Schattens statuarisch still und gazeverschleiert an, endet die Schau 130 Kleider später mit Plastikvorhängen, Ambient und Electro Music, Street Style, Neo-Gothic, Mangas und Lolitas.

Faltenwurf und Applikationen

Hier kann man auch fast alle Modelle von allen Seiten betrachten, was das Manko des Auftakts ist. Dort sieht man die mäßig ausgeleuchteten Modelle aus mehr als einem Meter Abstand fast nur von der Seite, ganz selten von vorn. Faltenwurf und Applikationen von Kawakubos Mänteln, Strickpullovern, durchbrochenen Kleidern sind da kaum erkennbar. Sie, Yamamoto und Miyake, stehen für das Umwölben des Körpers, fließende Stoffe ermöglichen die kunstvolle, in japanischer Tradition fußende Abkehr von westlicher Ästhetik. Das festigt sich Mitte der 90er-Jahre bei Yamamoto mit Kimonos, bei Comme des Garçons hingegen kippt es um in Dekonstruktivismus. Seit den 1990er-Jahren regiert wilder Pluralismus. Jun Takahashi propagiert mit seinem Label Undercover Wildheit, Tao setzt mit Blumen und Rüschen auf Girlie-Elemente, Mintdesign auf exzentrischen Materialmix. Dagegen steht die neue Einfachheit von Sacai und Minä Perhonen: reduziert, still, asketisch. (Alexander Kluy/Der Standard/rondo/08/04/2011)

  • "Future Beauty - 30 Jahre japanische Mode" im Haus der Kunst, München. 
Bis 19. 6.
    foto: hersteller

    "Future Beauty - 30 Jahre japanische Mode" im Haus der Kunst, München. Bis 19. 6.

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