Schwein gehabt

8. April 2011, 16:22
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Wo wir gerade von der Fastenzeit sprechen: Der Dichterfürst fragte im Waldviertel nach einer Lammkeule

Wo wir gerade von der Fastenzeit sprechen: Neulich hat der Dichterfürst droben bei den Holzwilden in der von zwei nach regelmäßigem Surschnitzi-Abusus aussehenden Frauen geführten Metzgerei nach einer Lammkeule gefragt. Nicht, dass jetzt der Klavierspieler aufgehört hätte zu spielen, die restliche Kundschaft panikartig die Lokalflucht ergriffen und es Mistelballen durch die Todesstille geweht hätte. Gott sei Dank war der Metzger selbst gerade nicht da. Frage nicht.

Frauen werden beim Fleischhauer ja gern als Verkaufspersonal eingesetzt, weil sie in der direkten Konfrontation mit der Kundschaft oft deeskalierend wirken. Die Fleischer haben sich das von den Sonderkommandos der Polizei abgeschaut. Dort sind bei Demonstrationsauflösungen, Fußball-Hooliganereien oder unangekündigten Spritpreiserhöhungen auf Großtankstellen am Freitagnachmittag auch immer Frauen an vorderster Front mit dabei. Sie können nämlich zum linken und rechten Gesindel und den restlichen Autofahrern mit der Stimme der weiblichen Vernunft sagen: "Seids um Gottes Willen nicht so deppert und gebts eine Ruhe, sonst dreht mir der Kollege hinten im Schlachtraum, äh, im Mannschaftswagen durch, und das wird wieder völlig unnötig eine blutige Geschichte. Von den Gerichtskosten danach reden wir jetzt noch gar nicht."

Der Dichterfürst jedenfalls fragte nach Lammfleisch und bekam ein helles zweistimmiges Lachen zu hören, das wie eine Mischung aus Arie der Königin der Nacht und Stuka-Angriff klang: "Nein, Schaf haben wir nicht, wir sind eine Metzgerei." Nach Ostern wird wieder Schwein gekauft. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 08.04.2011)

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    "Nein, Schaf haben wir nicht, wir sind eine Metzgerei."

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