Wurmstichig

  • Auf der Regenwurmfarm entsteht der Bio-Humus.
    foto: fauma

    Auf der Regenwurmfarm entsteht der Bio-Humus.

Wie man mit Bio-Humus und Kompost-Tee - bei richtiger Anwendung - dem Boden Gutes tun kann

Das Kreuz ist steif, der Buckel krumm - aber die Zwiebeln sind in der Erde. Der Einkauf unproblematischer Sommerblüherzwiebel geht wie jedes Jahr leicht von der Hand, das Angebot wird ständig größer und die Preise, mein Gott, man darf da nicht kleinlich sein. Dies ist auch einer der seltenen Momente, in denen ich gerne vor der Kassa in der Schlange stehe. Ich spüre die neidig-bewundernden Blicke jener Grabler, die sich nur ein bis zwei Packerl Gladiolenzwiebel, quasi als kleines Mitbringsel, in ihr riesiges Baumarktwagerl gelegt haben. Oh was für ein Kerl, müssen sie sich denken, wenn sie mich und mein Wagerl mustern, das, angefüllt wie Teller schlecht erzogener Buffetesser, überbordend mit bunten Zwiebelmischungen auf seine Abfertigung wartet. Gladiolen sind n-a-t-ü-r-l-i-c-h nicht dabei.

Die Freude des Einkaufs ebbt beim In-die-Erde-drücken schnell ab. Erstens, wohin mit all dem Zeug? Zweitens, au tut das weh, immer den Kopf ganz unten und den Arsch in der Höh'. Ist dies erledigt, so hat man sich ein Schälchen Tee verdient, um dem Körper wieder Temperatur und belebende Substanzen zuzuführen. Doch was muss ich hören? Ich auch, meint der Garten, und bittet mich keck um einen Schluck. Aber nicht irgendeinen Tee, nein, es muss Kompost-Tee sein, wie er in den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich schon von jeher erzeugt wird. Dieses vorerst grotesk anmutende Produkt hat nun auch Eingang in die heimischen Supermarktregale gefunden - und ich lasse mich überraschen, wie viel schlecht sehende Senior-Innen ob der Optik und Haptik des neuen Produkts sich daheim einen Luzernenkompostregenwurmkot-Tee aufsetzen werden, um in Folge geharnischte Beschwerdebriefe direkt vom Lokus weg an den Erzeuger zu schicken.

Tee für Pflanzen

Tatsache ist, es gibt Tee für Pflanzen, und es gibt diesen Tee in großen Teebeuteln mit einem sehr langen Faden daran, um diesen Beutel über Nacht in eine Gießkanne zu hängen und tags darauf den Pflanzen damit eine Freude zu bereiten. In den Beuteln ist allerlei Feines darin. Ausgangsstoff sind abgemähte Luzernen. Die Luzerne Medicago sativa ist eine hülsenfrüchtelnde Klee-Art, winterhart und immergrün, die von Bauern im Rahmen einer Feldwechselbewirtschaftung als stickstoffbindender Bodenbeleber eingesetzt wird.

Die Mahd wird mit Pferdedung versetzt und hitzekompostiert, um in Folge auf einer riesigen Regenwurmfarm sukzessive von Wurm, Springschwanz und von noch vielen anderen Kleinstviechern langsam zu wunderbarem Bio-Humus verdaut zu werden. Angeblich kann man das Schmatzen der Tiere schon von weiter Ferne deutlich vernehmen - für Vögel und Angler muss diese Farm das Paradies sein. Das Ergebnis glücklichen Verdauens ist feinste Komposterde, leicht rieselnd und absolut frei von Gerüchen. Ob man diese nun mit Bioerde versetzt oder pur mit nach Hause nimmt, ist Geschmackssache, ich nehme die Variante Tee, bei der sich im Beutel noch Brennnesseln und, etwas für esoterisch Angestochene, aktiviertes Steinmehl dazugesellen. Allen jenen Gärtnern, die sich im Laufe ihrer Karriere sukzessive zu Kompostierern verändert haben, empfehle ich ein kleines Roadmovie nach Absdorf zur Regenwurmfarm von Alfred Grand - dem wahren Godfather of Vermicomposting. (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/01/04/2011)

VermiGrand Regenwurmfarm Alfred Grand
Kremserstr. 63, 3462 Absdorf
Tel: +43/0/664-132 69 04
Fax: +43/0/227-870 41

Bio-Erde, Regenwurm-Humus und Kompost-Tee erhältlich bei "ja, natürlich!" führenden Supermärkten.

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