Hoch gestöckelt oder flach gesattelt

1. April 2011, 17:58
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RONDO fragte fünf Museums- direktorinnen nach ihrem Favoriten der Saison

Gabriele Zuna-Kratky muss viel gehen

foto: inge prader, thomas preiss, dario punales, johannes wegerbauer, christine wurnig

Für mich sind bei der Schuhauswahl grundsätzlich Anlass und Zweck entscheidend. Da unser Museum rund 40.000 m² groß ist und ich hier sehr oft weite Wege zurücklegen muss, bevorzuge ich tagsüber flache Schuhe. Am Abend trage ich dann gerne Pumps mit einem kleinen Absatz – so wie diese von Christian Louboutin, die auch nicht gerade hoch ausgefallen sind. Ich finde, dass dieser Schuh aber alle Kriterien für elegante Fußbekleidung erfüllt: Der schmale Schnitt ist formvollendet, und der Stiletto-Absatz ermöglicht doch noch ein längeres Stehen. Und Letzteres kommt bei abendlichen Veranstaltungen mitunter ja öfters vor.

foto: inge prader, thomas preiss, dario punales, johannes wegerbauer, christine wurnig

Gabriele Zuna-Kratky ist seit dem Jahr 2000 die Direktorin des Technischen Museums Wien.


Agnes Husslein-Arco hat es gern knallig

foto: inge prader, thomas preiss, dario punales, johannes wegerbauer, christine wurnig


Ich bin eine absolute Schuhfetischistin! Zu meinem Leidwesen kann ich keine High Heels mehr tragen, seitdem ich mir das Fersenbein zertrümmert habe. Hohe Absätze darf ich derzeit also nur bei meiner Nichte bestaunen. Als Favorit sehe ich deswegen auch den flachen Schuh von A Testoni – fesch und dabei elegant. In London ist mir ein ähnlich knalliges Modell von meinem Lieblingsdesigner Paul Smith aufgefallen. Gerade zu einer Frau wie mir, die oft Hosenanzüge trägt, passt er gut. Noch dazu ist rot meine Lieblingsfarbe! Wer mich kennt, weiß, dass ich immer einen Farbakzent in meine Outfits bringe.

foto: inge prader, thomas preiss, dario punales, johannes wegerbauer, christine wurnig

Agnes Husslein-Arco leitet seit dem Jahr 2007 die Österreichische Galerie Belvedere in Wien.


Sabine Folie schaut auf die Labels

foto: inge prader, thomas preiss, dario punales, johannes wegerbauer, christine wurnig


Ich muss zugeben, ich bin keine Schuhfetischistin – daher auch mein Faible für tragbare Schuhe, mit denen man zur Not aus dem Stand losstarten kann. Dafür bin ich aber im Ansatz eine Label-Fetischistin, weshalb es mir auch lieber wäre, wenn mein Favorit von einem eher dekonstruktivistischen Label wie Comme des Garçons, Ann Demeulemeester, Yamamoto oder Mugler stammen würde – nicht von Hugo Boss. Gold muss auch nicht sein, aber diese Bronze hat etwas Futuristisches, und mir gefällt, dass formal die Verwandtschaft zu einem Männerschuh mehrfach gebrochen wird. Bei dessen Anblick habe ich außerdem unverzüglich ein japanisches Outfit und eine schöne Filmerinnerung an 2046 von Wong Kar-wai vor Augen.


foto: inge prader, thomas preiss, dario punales, johannes wegerbauer, christine wurnig

Sabine Folie ist seit dem Jahr 2008 Direktorin der Generali Foundation in Wien.


Stella Rollig teilt ihr kulturelles Versäumnis

foto: inge prader, thomas preiss, dario punales, johannes wegerbauer, christine wurnig


Das Modell von Bally hat es mir wegen seiner schönen Farbkombination angetan. Und ich habe mir ganz bewusst einen hohen Schuh ausgesucht – einen, mit dem ich gar nicht gehen könnte! Ich habe nämlich nie gelernt, auf hohen Absätzen zu gehen – ein kulturelles Versäumnis. Die Sehnsucht danach begleitet mich schon immer. Das knallige Blau-Gelb macht den Schuh zum Blickfang, und dabei bleibt er durch seine Form schlicht – bloß kein Schnickschnack. Außerdem erinnert mich der Keilabsatz an meine Jugend in den 1970er-Jahren. Vielleicht stelle ich mir deswegen einen schmalen Anzug aus Schnürlsamt ideal dazu vor?

foto: inge prader, thomas preiss, dario punales, johannes wegerbauer, christine wurnig

Stella Rollig leitet seit 2004 das Lentos Kunstmuseum Linz.


Sabine Haag setzt auf ganz hoch

foto: inge prader, thomas preiss, dario punales, johannes wegerbauer, christine wurnig


Weil er unglaublich feminin, elegant und sehr sexy wirkt und noch dazu auch die Höhe bewältigbar scheint, gefällt mir dieser Schuh von Louis Vuitton am besten: sowohl zum Cocktailkleid als auch zur Jean – in jedem Fall wertet dieser das Outfit auf. Durch die Fransen bringt er auch noch ein außergewöhnliches Accessoire mit – und schöne Beine gibt es gleich dazu. Ich liebe ja High Heels! In meinem Job muss ich sie oft tragen, was ich aber mit großem Spaß mache. Ich finde, High Heels können den Ausdruck und die Ausstrahlung einer Frau wortwörtlich "heben" – sie sind für mich: "Schmuck am Fuß".

foto: inge prader, thomas preiss, dario punales, johannes wegerbauer, christine wurnig

Sabine Haag ist seit 2009 Direktorin des Kunsthistorischen Museums in Wien.

(Nadine Obermüller/Der Standard/rondo/01/04/2011)

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