Am Vortag musste er draußen bei den Holzwilden testen, ob der Veltliner im Keller über den Winter eh nicht schlecht geworden sei
Der Dichterfürst liegt auf dem Sofa und lässt es in seinem Kopf ein wenig brummen. Am Vortag musste er nach längerer Pause vom Landleben draußen bei den Holzwilden testen, ob der Veltliner im Keller über den Winter eh nicht schlecht geworden sei. Alles bestens. Innerhalb von nur drei Stunden nach Ankunft lag also nicht nur die Zugehkatze vollgefressen mit zwei Kübeln Whiskas komatös im Eck und ließ schnarchend Giftgas entweichen. Auch alle Nachbarn, die aufgrund der Frühlingssonne die Schießscharten schon geöffnet hatten, nutzten freudig die Gelegenheit, den angereisten Dichterfürsten zu zwo, dro Flaschen Kamptalperle zu überreden, die er bitte aus seinem Keller holen solle. Was leider viel zu wenige Leute wissen: Die Lebensfreude am Nachmittag ist die schönste.
Zusätzlich befeuert von mediterranen Temperaturen, die teilweise die magische Zehn-Grad-Grenze überschritten, fiel es auch leichter, auf Drängen der Frau die mumifizierten Mäuse aus ihren Fallen zu befreien und nach ersten Maulwurfaktivitäten Ausschau zu halten. Der Dichterfürst vermochte sogar gütig darüber hinwegzusehen, dass der Schnauzer vom Dauerrohbau nebenan schon einmal sein Kofferradio mit Radio Niederösterreich fit für die Gartensaison machte. Die daraus plärrenden Loblieder auf die Heimat und deren gütigen Landesvater wurden manchmal leider von frischen Nachrichten aus Japan unterbrochen. Das sorgte für manch treffliches Argument gegen das Atom, die in der Weltwirtschaft tätige Saubande, und warum Jodtabletten gut gegen Kröpfe sind. Es ist ein gutes Land. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 18.03.2011)