Kulinarik-Club

Die Exotik der Käsekrainer

3. März 2011, 17:05
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    Ein Abend bei den Gastronauts: Tartare vom Pferd oder doch Ziegen-auge vom Grill?

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    Curtiss Calleo (links) verdankt New York, dass es nun auch dort "Kasekrainer" gibt.

Ein New Yorker Kulinarikclub namens Gastronauts kostet sich durch alles, was Gott oder das Gesetz verboten haben

Wenn Curtiss Calleo Wien besucht, holt er sich die erste Käsekrainer noch am Weg vom Flughafen. Denn diese Spezialität gibt es nicht in New York. Das heißt: bis jetzt. Denn Calleo hat mittlerweile dafür gesorgt, dass der Fleischhauer seines Vertrauens in Brooklyn Kasekrainer produziert. Das war gar nicht so einfach. Denn nur mit Worten lässt sich die Essenz der berüchtigten "Eitrigen" schwer vermitteln. Es brauchte Anschauungsmaterial aus Österreich. Nur: Diese Art von Genussmittel nach Amerika einzuführen, ist nicht legal. Jeder, der schon einmal in den USA war, weiß, dass bei der Einreise Hunde an den Koffern schnüffeln, um das Einschleppen fremder Nahrungsmittel zu verhindern. Vakuumpackungen können dabei ganz hilfreich sein.

Dem Brooklyner Fleischhauer mit dem schönen Namen The Meat Hook ist eine Käsekrainer gelungen. Sie entspricht zwar nicht ganz dem Vorbild, dafür schmeckt sie wunderbar homemade. Calleo findet sie eigentlich besser als das Original, auch wenn er letzteres doch vorzieht - aus Sentimentalität. Denn er kennt die Käsekrainer aus seiner Jugend. Sie war oft die letzte Option im mageren Salzburger Nachtleben, wo die Gehsteige bekanntlich früh hochgeklappt werden. Auf die berühmte Würstelkönigin am Hanuschplatz war allerdings immer Verlass. Auch um vier Uhr morgens.

Lebender Oktopus

Dabei ist Calleo eigentlich kein Fastfood-Fan. Ganz im Gegenteil. Vor vier Jahren gründete er gemeinsam mit Ben Pauker die New Yorker Gastronauts, einen Club für abenteuerlustige Esser. Das Motto auf der Homepage: Non ut vivam edo, sed ut edam vivo. Übersetzt heißt das: Ich esse nicht um zu leben, sondern umgekehrt - oder so ähnlich. Jedenfalls geht es um Essen als Abenteuer. Wobei die Käsekrainer sicher zu den weniger gewagten Gaumenfreuden des Clubs gehört, der inzwischen 500 Mitglieder zählt - 200 weitere stehen auf der Warteliste. Lebender Babyoktopus, eine koreanische Spezialität, ist da schon eine größere Herausforderung.

Der Ekelfaktor spielt eine Rolle, aber nicht die entscheidende: Das eigentliche Ziel ist es, Speisen zu entdecken, die in anderen Weltregionen eine Selbstverständlichkeit sind. Oder wie Calleo es formuliert: Du musst probieren zu probieren. "Wir sind die Guten", meint er schmunzelnd. "Wir sind bereit, uns auf das Fremde einzulassen. Wir essen jedes Tier von der Schnauze bis zum Schwanz, bei uns wird nichts weggeschmissen." Da kommt dann auch einmal gegrilltes Ziegenauge auf den Teller. Angeblich der schmackhafteste Teil des Tiers, der etwa bei Grillfesten in Süditalien dem Ehrengast vorbehalten bleibt.

Welches Pflaster wäre für die Gastronauts besser geeignet als New York? An der Roosevelt Avenue in Queens herrscht größere ethnische Diversität als an jedem anderen Ort der Welt. Hier lassen sich in einem Cajun-Lokal Alligatorenwurst und Turducken kosten, eine Spezialität, die aus einem Truthahn (turkey) besteht, der mit einer Ente (duck) gestopft ist, die wiederum mit einem Huhn (chicken) gefüllt ist. Alles entbeint, wohlgemerkt, damit einem die Knochen nicht in die Quere kommen. Bei den Ecuadorianern gegenüber gibt es gebratenes Meerschweinchen - wenn auch nur auf beharrliche Nachfrage, denn schließlich ist sein Verzehr in New York illegal. Das Verbotene ist überhaupt ein ständiger Anreiz für die Gastronauts. Zumal die Verbote in vielen Fällen schwer nachvollziehbar sind. So serviert etwa kein Restaurant in den USA Pferdefleisch.

Pferde werden zwar auch in den USA geschlachtet, aber nur, um daraus Tiernahrung herzustellen. Für Menschen ist das Fleisch verpönt, in manchen Bundesstaaten sogar explizit verboten. Anlass genug für die Gastronauts, eine geheime Verkostung zu planen. Zu diesem Zweck fährt Curtiss Calleo ins kanadische Quebec, kauft dort 25 Kilo Pferdefleisch, packt es in Trockeneis und deklariert es an der Grenze als Tiernahrung. Er engagiert zwei erfolgreiche Küchenchefs und lässt Carpaccio, Tartare, Herz mit Trüffeln, Geschmortes mit Radi und schließlich Steaks servieren.

Speakeasy-Feeling

Da Verbotenes bekanntlich Spaß macht, wird bei der Gelegenheit noch eine zweite illegale Ingredienz verarbeitet: die südamerikanische Tonkabohne, die in Europa längst eine begehrtes Gewürz für Gourmetdesserts ist, in den USA wegen ihres Gehalts an potenziell krebserregendem Cumarin hingegen verboten. Beim Gastronaut-Dinner würzt sie den Aperitif, die Steaksauce und das Semifreddo zum Abschluss. Die Location für das Dinner stellt die erwähnte Fleischerei zur Verfügung: The Brooklyn Kitchen, einen Hinterraum mit Küche.

Der hohe Raum mit unverputzten Ziegeln bietet Platz für sechzig Personen. Das Event, A Chevaline Dinner, ist ausgebucht, noch bevor es die Gastronauts auf ihre Homepage stellen. Die Mundpropaganda ist schneller. Die Gäste, die meisten sind deutlich unter 40, finden sich pünktlich ein. Die 100 Dollar pro Person sind im Voraus zu bezahlen. Die Stimmung ist verwegen, viel anders wird man sich auch in einem Speakeasy nicht gefühlt haben, wo während der Prohibition Alkohol ausgeschenkt wurde.

Die ersten beiden Gänge sind serviert, Carpaccio und Tartare haben großen Zuspruch gefunden. Calleo beginnt sich langsam zu entspannen. Tagsüber arbeitet er als Grafikdesigner. Die Gastronauts gehen sich bislang nur als zeitaufwändiges Hobby aus, Calleo will jedoch einen Beruf daraus machen. Es gab große Artikel in der New York Times, Interviews mit BBC World und anderen Fernsehstationen. Ein Pilot für eine mehrteilige Doku-Soap wird produziert. Und Calleo plant Dependancen in anderen Städten. Ob gar Wien eine Option sein könnte? Wenn auch nicht mit New York vergleichbar, ist Wien dennoch eine Immigrantenstadt, in der sich spannende kulinarische Entdeckungen machen lassen. Außerdem steckt auch die heimische Küche voller Abenteuer: Für die New Yorker Gastronauts wären Beuschel, Kalbsbries oder gar Hirn mit Ei echte Herausforderungen. Das gilt mittlerweile auch für viele Wiener. Und nicht zuletzt könnte es interessant sein, die hiesige "Eitrige" mit der Brooklyner "Kasekrainer" zu vergleichen. Letztere müsste man allerdings ebenfalls über die Grenze schmuggeln, denn auch in der EU ist es verboten, Fleischwaren einzuführen. (Natalie Lettner/Der Standard/rondo/04/03/2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 62
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tablespace65
10
Die USA bleiben auch im Bereich "Kulinarik" der Spitzenreiter in Dekadenz und Schwachsinnigkeit!

Ich würde es - bis zu einem gewissen Grad - ja noch verstehen, wenn dieses "Entdecken von Speisen" wenigstens im Verborgenen stattfände. Aber dass sich dieser grausliche C. CALLEO auch noch voller Stolz interviewen und ablichten lässt, ist an an Geschmacklosigkeit und Dekadenz nicht mehr zu überbieten!

Es ist sicherlich eine "besondere Leistung" und eine "besonderer Gaumenkitzel", wenn man Babyoktopus oder Ziegenaugen frisst! Man könnte ja beinahe den Eindruck gewinnen, dass die "Gastronauts" alle schon unter BSE leiden...

Sehr bedauerlich ist halt auch, dass der STANDARD einer derartiger perversen Angelegenheit, um es ein wenig überspitzt zu formulieren, auch noch so viel Bedeutung beimisst und so viel Raum gibt! Sehr schade!

cheap thrills
01

probiert's es einmal mit menschenfleisch, freunde ...

Renor Kurf
30
ein wahnsinn

octopus babies lebendig zu verspeisen. bitte was sind das für menschen die sich das freiwillig reinziehen? ich wünsch diesen armseeligen barbaren nix gutes. genausowenig wie dem käsekrainer habera.

geilhuber
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15.5.2011, 22:16

also, ich find babyoktopus super. aber schoen totkauen, sonst klebts wegen den Saugnaepfen in der Speiseroehre. Sollten Sie unbedingt einmal probieren!

winesceptator
 
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der Kleine Geist

Offenheit ist eine Gabe die nicht jedem Geist vergönnt ist.

Renor Kurf
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nix offenheit

das ist eine frechheit dem tier gegenüber. der octopus steht in einigen ländern verpflichtet unter narkose bei versuchen oder ähnlichem. es ist ein schlaues tier!! und durchzogen mit nervensträngen.

offenheit...pff..

agent provokateur
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ich würde meinen, der oktopus ist das gar nicht anders gewohnt. gemeinhin wird er in freier wildbahn auch von seinen natürlichen feinden bei lebendigem leibe verzehrt.

ich kann zwar auch kein lebendes wesen runterwürgen (auch austern nicht) - das sind halt persönliche grenzen. allerdings finde ich das match lebender oktopus vs. mensch eh recht fair, wenn man den nämlich "falsch" schluckt, bleibt er mit den saugnäpfen in der röhre hängen und dann wird es für den esser eher eng.

- da gab es übrigens auch mal einen ziemlich schrägen japanischen film (name leider vergessen) da hat man das gesehen, die art des verzehrs dürfte nicht unüblich sein, allerdings sah der im film echt nicht mehr baby mäßig aus.

Darth Gy
01
der film

das war old boy: http://video.google.com/videoplay... 801837465#

na ja, andere länder andere sitten...

Renor Kurf
00
jaha!

in der natur schauts natürlich ungleich grauslicher aus. eine anthilope wird auch nicht höflicht gefragt werden bevor ihr der exodus gemacht wird. finde aber nicht, dass das den lebenverzehr von getier rechtfertigt. ich schneid mir ja auch nicht mein schnitzel direkt runter nur weils dann noch besser schmeckt.
da tun die menschen so bemüht sich abzuheben und dann machens aus sensationsgeilheit oder was auch immer erst wieder alles nach, was das wilde viech schon seit jahrtausenden treibt.

den gedanken mit der speiseröhre find ich auf jeden fall gut. und den film den du ansprichst: das ist wahrscheinlich "oldboy". südkorea wäre das dann zwar, aber da gibts auch so eine szene. und ja stimmt! ungewöhnlich ist das nicht, aber allemal unnötig.

Heavyweather
40

Die freuen sich über die Eitrige, bei uns freuen sich die Leut über Burger und Cola...

In wirklichkeit ist das alles doch nur zum speiben.

Lieber weniger Fleich essen und Pferd im Semmerl hat man nur gegessen weil es nix anderes mehr gegeben hat. Deswegen auch die Trennung von Pferdefleischhauer und Fleischhauer.
.siehe auch Frankreich.

valtheWU
01
total netter service beim standard:

"Curtiss Calleo (links) verdankt New York, dass es nun auch dort "Kasekrainer" gibt."

ich hab schon geglaubt, der unsichtbare typ rechts wär' gemeint. weit gefehlt!

Admiralarzt Prosper Alpinus
01

Krainer (wurscht ob mit Käse oder ohne) gehören gesotten, nicht barbarisch gebraten.

Alles keine Slawen, diese Banausen. ^^

tramezzino
03

zuerst angesotten, anschließend gegrillt.

Admiralarzt Prosper Alpinus
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Niemals! Brrrrrrrr....

A Voice
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Oh doch

Mmmmmmmmmmmmmmmmmm

bb b
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Hehe

1994 habe ich 1 kilo Selchspeck aus Siebenbürgen über Seattle nach Vancouver geschmuggelt, als mitbringsel für meine Gastgeber. HMMM das hat geschmeckt. Und "heruntergespült" haben wir´s mit einem wunderbaren Zweschkenschnaps, Provenienz siehe oben. Speck habe ich immer im Kühlschrank, das selbstgemachte siebenbürgische schmekt unvergleichbar gut. Mahlzeit

Radlerwahn68
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Dann solltens einmal

den Pferdeleberkäse vom Schuller aus Floridsdorf probieren!

tehj4ckass
01

Pferde-Käse-Leberkäse vom Gumprecht!

Miguel Rodrigez
02
Verboten gut

Genau! Die Friedensbrücke rulez! :-)

Mit zwei dieser teuflischen Semmeln am Vormittag um 11 in den Autositz sinken und den Verkehr der Brigittenauer Lände an sich vorbeiziehen lassen. Dann sich dem Verzehr der gut gefüllten Semmen widmen (muss man extra bestellen, sonst sind sie zu dünn belegt) und die Explosion der Gewürze am Gaumen erleben.

Den Rest des Tages von Zeit zu Zeit rülpsen und ein schlechtes Gewissen wegen der Tett-Kohlenhydratkombination haben.

Der Waehlerwille
 
00
Warum eigentlich nicht Kaesekrainer?

Krawuzi Kabuzi
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Weil die Amys nicht kapieren, daß man mit 'ae' ä meint. Probier mal mit einem Umlaut im Namen und mit entsprechender ae, oe, ue Umschrift am grünen Einreisewisch durch die US Immigration zu kommen. Da kannst du dich dann auf eine längere Diskussion einlassen, warum du verschiedene Namen angegeben hast.

Als Lautumschrift für Käsekreiner würd' ich: 'Case-e-kryner' hinschreiben.

A Voice
00
Ich denke

weil "Kasekrainer" von Englischsprachigen in etwa "Käskrainer" ausgesprochen wird.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
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etwa so, wie man mitunter iun den USA Türken(Syrer-, Ägypter-...)standln mit der Ankündigung "kaybob"

sehen kann.
Korrket ausgesprochen haben wir das "kebab".

is net wurscht
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es geht halt nix über a eitrige mit an buckl und an gspiebenen

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