Im TV schaut alles so einfach aus, nicht nur die Kochshows - Aber das Umsetzen in der freien Wildbahn hat seine Tücken, findet Gregor Fauma
"Und dann teilen wir die Pflanze, indem wir den Wurzelstock vorsichtig auseinanderziehen." Sachte greifen die Hände des Fernsehlieblings an die Wurzelhälse, die auf einer angenehm hohen Arbeitsplatte bereitliegen. Ohne Werkzeug und mit wenigen Griffen werden aus einer großen zwei immer noch stattliche Pflanzen erzeugt. In der nächsten Einstellung sieht man den Gärtner die Wurzelballen sachte in ein vorbereitetes Erdloch gleiten lassen, welches mit ein paar Handbewegungen wieder aufgefüllt und zugeschaufelt wird. Noch ein wenig andrücken, angießen und gut ist's. Wie einfach ist doch das Gärtnern im Fernsehen. Es geht auch ganz anders.
Der Bambus musste übersiedelt werden. Der Bambus, der einst beim Einkauf als kleines Bürsterl wie durch Zauberhand ein noch deutlich bescheideneres Preisschild umgehängt bekommen hatte, mauserte sich über die Jahre und wog nun, ausgegraben und von Profis übersiedelt, gefühlte 12 Zentner, 18 Gallonen und 136 Pfund. Auf jeden Fall unpackbar schwer. Der Plan war einfach: Ich wollte den Wurzelballen in vier bis sechs kleinere Stängeleinheiten teilen.
Stechschaufel und Wurzelstock
Voll Zuversicht wuchtete ich die stolze Pflanze auf ihre Seite und stürzte mich enthusiasmiert, bewaffnet mit einer nagelneuen Stechschaufel, Modell Gartenspaten schwer, auf den in Lehm, Schotter und Ziegeltrümmer gepackten Wurzelstock. Ein Hieb hier, eine eingesprungene Attacke da - für nichts. Ich schliff den Spaten mit Wetzstahl und Schleifstein auf Gillette-Qualität, doch auch das half nichts. Der Ballen blieb ganz. Bar einer Säge, aber habhaft eines wellengeschliffenen Brotmessers machte ich mich mit dieser neuen Technik ans Tranchieren. Kochen kann ich eh besser als Garteln. Der Erfolg stellte sich langsam ein. Sehr langsam. Trotz der minus sieben Grad schwitze ich von innen meine Brillen voll, erwarb mir in der nassklebrigen, schwerlehmigen Erde zwanzig Zentimeter hohe Schlapfenabsätze und bereicherte Gersthof mit dort noch nie zuvor gehörten, römischen Fluchtiraden. Wie war das noch im Fernsehen? Ich hasse Gartenarbeit.
Ich trieb das Sägemesser unablässig durch das komplett durchwurzelte Erdreich. Immer wieder stockte die Arbeit an eingewachsenen Kieselsteinen und Ziegelfragmenten, doch es gab kein Aufgeben. Den Arsch in der Höhe, frostigen Wind im blanken Bereich knapp über der Gürtellinie, ein krummes Kreuz, das um Vergebung winselte und den Kopf tief unten bei der Scholle - ein fluchend-pfauchendes U-Hakerl bei der Arbeit. Langsam, schön langsam, konnte ich Subballen um Subballen aus dem pickelharten Bambusklotz herausschneiden und mich letztendlich ans Einsetzen der Stängelreihen machen.
Asthmatisch pfeifend, grub ich Loch um Loch in ein Substrat, in das sich durch sein neu aufgeschüttetes Wesen wunderbar der Spaten treiben ließ, welches aber auch durch seine plastilinöse Kompaktheit, eisig-nasse Klebrigkeit und kryptonitartige Schwere nahezu nicht zu derheben war. Ich hasse das Einsetzen von Pflanzen immer schon. Es ist mir einfach zwider. Und wenn sich die beteiligten Komponenten auch noch gegen mich verschwören, wird es wirklich bitter. Aber man darf sich diese Widerborstigkeit nicht gefallen lassen. Doderer wüsste, wovon ich spreche. Die Bambuspakete wurden an ihren Ort gezwungen, in Form gebunden, und ich konnte rechtzeitig zurück in die warme Stube, um noch den TV-Gärtner sagen zu hören: "So einfach war das ..." (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/04/03/2011)