Neo-Saurüssel

27. Februar 2011, 17:30
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Luzia Schrampf über alte Weinmarken, denen neues Leben eingehaucht wird

Manche Weinmarken aus früheren Zeiten haben sich ins Gedächtnis eingebrannt. Dürnsteiner Katzensprung ist einer davon, oder Kremser Schmidt. Auch Poysdorfer Saurüssel gehört da dazu, weil dessen Name einfach lustig war, auch wenn man damals eher zu Kakao und Fruchtsaft griff, um sich eine Freude zu machen. Erst viel später nahm man vielleicht wahr, dass Poysdorf eine Stadt, Saurüssel eine Lage war und die Kombination der beiden Begriffe einen Wein bezeichnete. Die Ära vieler dieser Markennamen ging mit dem aufkommenden österreichischen Weinwunder Schritt um Schritt zu Ende. Oft ließen die Inhaber der Markenrechte diese auch auslaufen.

Markenweine sind eine von mehreren Möglichkeiten, einen Wein zu machen. Er bezeichnet im besten Fall etwas verlässlich Gleichbleibendes, ist oft nicht allzu teuer und in ausgiebiger Menge vorhanden. Der Jahrgangscharakter, wie man ihn sich von einem Wein der Oberliga erwarten darf, spielt hier eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist der Stil, der identifizierbar sein soll. Auch die Herkunft kann zu einer Marke werden, man erinnere sich an den "Brünnerstrassler" oder das Glas "Gumpolds", bei denen man alleine durch den Namen wusste, wie der Tropfen schmecken wird. Und das entspricht wieder der Idee der DAC-Weine (Districtus Austriae Controllatus), auf die die österreichische Weinwirtschaft seit mehreren Jahren hinarbeitet: Weine sollen aufgrund ihres Geschmacks einer Herkunft, weniger einer Rebsorte zugeordnet werden.

Manche der sympathisch-altmodischen Namen wirken allerdings nach. So wurde auch der Poysdorfer Saurüssel wiederbelebt. Die Stadt Poysdorf sicherte sich kürzlich die einprägsame Marke, deren Rechte bis dahin bei der Lenz-Moser-Kellerei lagen. 13 Winzer fanden sich zu einer Neigungsgruppe Saurüssel zusammen und überlegten sich Stil und Ausstattung für den Neo-Saurüssel, der fortan auf jedem der Weingüter des Vereins entstehen wird: frisch, resch, trocken und aus Grünem Veltliner. 11,5 % soll auf dem freundlichen Etikett mit der frontal abgebildeten Schweinenase stehen, die manche vielleicht an eine Steckdose erinnern wird.

Vielen zaubert die Flasche übrigens bereits aufgrund des Etiketts ein Lächeln ins Gesicht. Der Erinnerung wegen. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/25/02/2011)

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