"Stars haben hässliche Füße"

24. Februar 2011, 17:01
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Wenn am 27. Februar die Oscars verliehen werden, dann werden auch seine Schuhe auf dem roten Teppich stehen: Stuart Weitzman ist einer der Lieblingsschuhmacher der Stars

DER STANDARD: In den vergangenen Jahren wählten Sie jeweils eine Schauspielerin aus, die bei der Verleihung der Oscars einen besonders wertvollen Schuh von Ihnen trägt, den sogenannten "Million-Dollar-Schuh". Auch heuer?

Stuart Weitzman: Nein, diese Geschichte ist vorbei. Wir begannen damit 2002, einmal war der Schuh zweieinhalb Millionen Dollar wert, ein anderes Mal konnten wir den Wert gar nicht beziffern. Wir setzen auf besondere Einzelstücke, die es zuvor am Markt nicht gab.

DER STANDARD: Hat Ihnen der finanzielle Abschwung einen Strich durch die Rechnung gemacht?

Weitzman: Deswegen haben wir bereits im vergangenen Jahr auf den "Million-Dollar-Schuh" verzichtet. Aber ehrlich gesagt: Auch ein mit Diamanten und Rubinen versehener Schuh wird irgendwann zur Routine und verliert seinen Reiz. Es gibt andere Wege, auffallende Schuhe zu kreieren.

DER STANDARD: Sie sagten einmal, Füße hätten leider keine Brüste, und deswegen fotografiere sie niemand. Ist es wirklich so schlimm?

Weitzman: Wir müssen es in unserer Branche schaffen, die Aufmerksamkeit der Medien auf Füße zu lenken. Bevor wir die "Million-Dollar-Schuhe" kreierten, scherte sich kein Mensch auf dem roten Teppich um Schuhe. Mittlerweile gibt es beinahe bei jeder größeren Medienveranstaltung eine eigene Shoe-Cam, die nur die Schuhe filmt.

DER STANDARD: Zahlen Sie dafür?

Weitzman: Nein, das ist eine Reaktion der Medien auf das gesteigerte Interesse an Schuhen.

DER STANDARD: Welche Schauspielerinnen werden bei den heurigen Academy Awards Ihre Schuhe tragen?

Weitzman: Ich erzähle Ihnen wie das läuft: Die Auswahl der Accessoires, und da zählen auch die Schuhe dazu, erfolgt immer erst, nachdem das Kleid feststeht. Zusammen mit den Stylisten erarbeiten wir aber Kombinationen, die funktionieren könnten. Wir müssen also ziemlich flexibel sein und mehrere Schuhe kreieren, die passen könnten. Gleich bleibt nur die Absatzhöhe, fast alle Schauspielerinnen - mit Ausnahme der älteren - tragen den höchstmöglichen Absatz. Die meisten wissen bis zehn Tage vor der Verleihung nicht, welches Kleid sie tragen werden. Ich habe derzeit also noch keine Ahnung, wer einen unserer Schuhe tragen wird.

DER STANDARD: Wie schaffen Sie es, Ihre Schuhe an möglichst viele Schauspielerinnen-Füße zu bringen?

Weitzman: Wir kreieren für alle großen Medienveranstaltungen Schuhe. Haben Schauspielerinnen einmal gute Erfahrungen mit ihnen gemacht, dann ist es durchaus wahrscheinlich, dass sie unsere Schuhe auch bei den Oscars tragen - falls sie denn eingeladen werden. Wir versuchen es ihnen so einfach als möglich zu machen. Wir haben ein Geschäft auf dem Rodeo Drive, der die gesamte Woche vor den Oscars 24 Stunden am Tag geöffnet hat. Es ist nicht nur einmal passiert, dass eine Schauspielerin ihre Schuhe um drei in der Früh anprobiert hat.

DER STANDARD: Und wie wird das Tragen Ihrer Schuhe abgegolten?

Weitzman: Wir bezahlen die Schauspielerinnen nicht. Wir spenden allerdings gerne für ihre Wohltätigkeitsvereine.

DER STANDARD: Wie hart ist der Konkurrenzkampf zwischen den Schuhherstellern vor den Oscars?

Weitzman: Im Schuhbereich gibt es zwischen drei und zehn Schuhunternehmen, die um die Gunst der Oscar-Gäste buhlen. Die größere Schwierigkeit sehe ich allerdings darin, dass immer nur eine Schauspielerin ein bestimmtes Model trägt. Wir versuchen drei, vier, fünf Mädchen mit unseren Schuhen auszustatten. Exklusivität ist eine wichtige Sache.

DER STANDARD: Und wenn sich mehrere Schauspielerinnen für Ihre Schuhe interessieren?

Weitzman: Da muss man vorsichtig sein. Man setzt seinen Ruf aufs Spiel, wenn man mit zu vielen Testimonials arbeitet - so entzückend sie auch sein mögen. Auf dem roten Teppich werden Karrieren gemacht, da bleibt nichts dem Zufall überlassen.

DER STANDARD: Wie wirkt es sich auf Ihre Umsatzzahlen aus, wenn eine prominente Schauspielerin bei den Academy Awards Ihre Schuhe trägt?

Weitzman: Gar nicht, der Bekanntheitsgrad der Marke wird gestärkt, aber nicht der Umsatz mit einem bestimmten Schuh. Dieser zieht dann an, wenn Schauspielerinnen unsere Schuhe tagsüber tragen und darin fotografiert werden. Trägt eine Jennifer Aniston einen unserer Schuhe zwei-, dreimal in einem Monat, zum Einkaufen, zum Spazierengehen, dann schnellen die Zahlen nach oben. Das sind aber immer relativ normale Schuhe, keine mit Kristallen besetzten Zwölf-Zentimeter-Stilettos.

DER STANDARD: Ist der "Alex Wedge", der an Aniston sehr häufig fotografiert wurde, eigentlich immer noch Ihr bestverkaufter Schuh?

Weitzman: Na ja, derzeit ist Winter, die Mädels tragen jetzt Stiefel und keine Wedges. Aber es stimmt, im vergangenen Jahr war das unser meistverkaufter Schuh. Und auch jetzt gehört er noch immer zu den am fünfthäufigsten gekauften. Das hat neben seinem guten Style sicher mit Aniston zu tun.

DER STANDARD: Eine andere Schauspielerin, mit der Sie eine besondere Beziehung haben, ist Kim Basinger.

Weitzman: Sie gewann ihren Oscar in einem unserer Schuhe. Sie hatte ein Kleid an, unter dem man die Schuhe gut sah, viele Medien schrieben darüber. Das ist ein Teil der Geschichte von Hollywood. Das verbindet.

DER STANDARD: Sind die Füße von Schauspielerinnen wie Kim Basinger oder Jennifer Aniston eigentlich hübscher als jene von normalen Frauen?

Weitzman: Nein, im Gegenteil. Normalerweise sehen Schuhe an den Füßen normaler Frauen besser aus als an jenen von Schauspielerinnen. Viele Models und Schauspielerinnen sind relativ groß, ebenso ihre Füße. Durch das häufige Tragen von Highheels wird der Fuß stark belastet, das zeitigt keine schönen Effekte. Stars haben oft hässliche Füße. An einem normalen Mädel schauen die meisten Schuhe besser aus als an Heidi Klum - auch wenn dieses nicht Klums Körper hat.

DER STANDARD: Lieben Frauen deswegen Schuhe? Weil darin auch nicht so hübsche Frauen gut aussehen?

Weitzman: So ist es. Und es gibt das Märchen Aschenbrödel, das jeder Fünfjährigen suggeriert, dass Schuhe absolut begehrenswert sind. Frauen trennen sich von ihren Beziehungen, aber ihre Liebesbeziehungen mit Schuhen und Diamanten halten an.

DER STANDARD: Und schuld daran ist Aschenbrödel?

Weitzman: Klar. Beinahe jedes Mädchen auf dieser Welt kennt das Märchen. Und natürlich auch jenes des Wizard of Oz. Als meine Schwester ihre sogenannte Sweet-Sixteen-Party hatte, glaubte sie im Ernst, dass es diese Party nur gab, damit sie das erste Mal in ihrem Leben Highheels tragen kann. Frauen werden einer Gehirnwäsche unterzogen, sie träumen von Schuhen!

DER STANDARD: Und wer ist Ihre Traumschuhträgerin? Natalie Portman?

Weitzman: Leider hat Portman einen Vertrag mit einem Ausstatter. Aber von Jessica Biel über Nicole Kidman bis zu Charlize Theron wurden unsere Schuhe schon von vielen Schauspielerinnen bei den Oscars getragen. Heuer werden sicher auch einige dabei sein.

(Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/25/02/2011)

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    Seine Schuhe zeichnen sich oft durch ungewöhnliche Materialien aus. Der US-Designer Stuart Weitzman (geb. 1942) stammt aus einer Schuhmacherfamilie, seine Schuhe produziert er in Spanien.

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    Diese Schuhe sind zwei Millionen Dollar wert, geschaffen wurden sie für die Oscars von Stuart Weitzman.

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