Wenn die Nervensäge ruht, ist's gut

10. Februar 2011, 17:13
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PJ Harvey veröffentlicht das Album "Let England Shake" - es ist die beste Arbeit ihrer Karriere

Mit PJ Harvey war es meist mühsam. Polly Jeans Schaffen umkreist tendenziell persönliches Leid, und das transformiert die Britin gerne in gequälte Songs von bescheidenem Abwechslungsreichtum.

Vor zehn Jahren veröffentlichte sie dann mit ihrem New-York-Album Stories From The City, Stories From The Sea einen heiteren Ausbruch. Der Therapeut wurde arbeitslos, sie selbst war gut gelaunt. Aber die roten Backen und die zwei Kilo mehr auf den Rippen hielten nicht lange. Vor allem die letzten Arbeiten der Nullerjahre waren wieder spröde Geduldsproben, eingeschrieben in erodierten Blues und Method-Acting-Balladen: Redundante Versuche zum Thema Weltschmerz und all dem Mist, der sich rund um diesen Baum zur Selbstzerfleischung zusammenfindet.

Nun legt die 41-jährige Britin Let England Shake vor, und man staunt. Laut seiner Schöpferin ist das Album kein weiterer Exorzismus an ihrem geschundenen Ego, sondern ein Schritt hinaus in die Welt. Dabei wird sie von Langzeit-Kollaborateur John Parish begleitet, und auch Mick Harvey, nicht verwandt, dafür früher bei Nick Caves Bad Seeds federführend, ist wieder einmal dabei.

Aufgenommen in einer alten Kirche ist es zwar kein lebensfrohes, dennoch ein betörend schönes Album geworden, das sich an fragilen Melodien erbaut, nicht jeden Optimismus mit gepressten Schreien konterkariert. Harvey singt klar und hell, Mick Harvey und John Parish umrahmen ihre Stimme mit kompakten Kompositionen, singen stellenweise mit ihrer Freundin Duett und stützen hübsche Melodien mit Akustikgitarren und Hörnern, lassen das Schlagzeug zart beserln statt krachen. Das ergibt dann doch etwas überraschend das beste PJ-Harvey-Album, seit die Dame veröffentlicht - auch wenn man sich über die zur Jagd rufenden Hörner in The Glorious Land noch in zwanzig Jahren wundern wird. Ansonsten - großartig. (flu / DER STANDARD, Printausgabe, 11.2.2011)

  • PJ Harvey: "Let England Shake" (Island/Universal)
    foto: universal

    PJ Harvey: "Let England Shake" (Island/Universal)

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