Genfer Panoptikum

7. Februar 2011, 10:40
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Wer behauptet, auf dem Uhrensektor tut sich nicht viel, der irrt gewaltig - Zweiter Teil der Neuheiten von der Genfer Uhrenmesse

Originalgetreu

Obwohl es immer wieder gelingt, die Uhr sowohl im optischen als auch im technischen Sinn neu zu erfinden, machen bei Marken mit großer Tradition auch Retrospektiven durchaus Sinn. Neuauflagen erfolgreicher historischer Modelle - optisch leicht adaptiert und mit der neuesten Uhrwerktechnologie ausgestattet - erfreuen sich bei Uhrenkennern und -sammlern großer Beliebtheit. Für dieses anspruchsvolle Publikum bietet Jaeger-LeCoultre 2011 eine originalgetreue Neuauflage der "Memovox Tribute to Deep Sea", der ersten von der Manufaktur Jaeger-LeCoultre gefertigten Alarm-Taucheruhr aus dem Jahre 1959. Lediglich der Gehäusedurchmesser wurde leicht vergrößert, um die Uhr dem aktuellen Geschmack anzupassen. Der auf 959 Stück limitierte Zeitmesser mit dem Kaliber Jaeger-LeCoultre 956 wird um 9500 Euro erhältlich sein.


Zentriert

Dass 360.000 Bewegungen pro Stunde in der mechanischen Zeitmessung überhaupt realisierbar sind, klingt an sich schon unglaublich. Dabei ist diese Frequenz nicht einmal neu. TAG Heuer setzt diese beeindruckende Technologie ins rechte Licht, indem sie diese so sichtbar macht wie noch nie. Zeitgleich zum SIHH in Genf, im Rahmen der Ausstellung Mastering Speed for 150 Years, lancierte der Innovationsspezialist TAG Heuer seine Weltpremiere 2011: den ersten Säulenrad-Chronografen, der die Hundertstelsekunden über einen zentralen Zeiger laufen lässt. Dieser absolviert eine Umdrehung pro Sekunde und zeigt bei Stopp die Hundertstel auf einer entsprechenden Skala am Zifferblattrand an. Dadurch wird nicht nur eine höchst präzise Zeitmessung, sondern auch eine nie dagewesene Ablesbarkeit gewährleistet. Der "Heuer Carrera Mikrograph 1/100th Second Chronograph" wird in einer limitierten Serie von 150 Stück in Roségold aufgelegt. Kostenpunkt: 40.000 Euro.


 

Offenherzig

Wie bereits im Vorjahr veranstaltete Zenith zeitgleich zum SIHH eine "Sneak Preview" im Genfer Luxushotel Kempinski. Dort durfte man bereits einen Teil jener Neuheiten bewundern, die anlässlich der Baselworld (24.-31. März 2011) vorgestellt werden. Darunter die "El Primero Chronomaster Open Power Reserve", die - wie der Name schon vermuten lässt - zusätzlich zum transparenten Gehäuseboden auch durch eine Öffnung im Zifferblatt Einblicke in die Arbeit ihres leistungsstarken Antriebs erlaubt: Bei dem berühmten Chronografenwerk El Primero handelt es sich um ein seit mehr als 40 Jahren bewährtes Schaltrad-Chronografenwerk, dessen Unruh mit 36.000 Halbschwingungen pro Stunde oszilliert. Für das aktuelle Modell wurde zusätzlich eine Gangreserveanzeige auf dem Zifferblatt integriert. Die abgebildete Edelstahlversion kostet 6000 Euro.


Sinnvoll kombiniert

Die "Quai de l'Ile" von Vacheron Constantin eröffnete bei ihrer Vorstellung 2008 eine neue Dimension der Individualisierung, da ihre Komponenten nach persönlichem Geschmack des Käufers zusammengestellt werden können. 2011 wird diese Uhrenlinie um einen Jahreskalender mit retrograder Anzeige erweitert - übrigens eine besonders sinnvolle Kombination. Der Jahreskalender ist eine der nützlichsten Komplikationen, da er die kalendarischen Unregelmäßigkeiten im Verlauf eines ganzen Jahres berücksichtigt. Im Gegensatz zu einfachen Kalenderanzeigen, für die alle Monate gleich lang sind und die daher zumindest siebenmal pro Jahr einer Korrektur bedürfen, weiß der Jahreskalender zwischen Monaten mit 30 und mit 31 Tagen zu unterscheiden und muss daher nur einmal im Jahr manuell korrigiert werden (1. März). Diese bemerkenswerte Komplikation wird in der neuen "Quai de l'Ile" mit einem retrograden Datumszeiger kombiniert. Das neue Manufaktur-Kaliber 2460 QRA mit automatischem Aufzug und Genfer Siegel wird in ein dynamisch geformtes Gehäuse aus Weiß- oder Roségold eingeschalt, zum Beispiel wie abgebildet um 51.000 Euro.


Neu eingeschalt

Eine weitere Marke, die sich sowohl durch die Kreation eigener Werke als auch durch die Verwendung neuer Materialien enorm weiterentwickelt hat, ist Panerai. Nach der "Radiomir Composite Marina Militare", die 2010 in Genf für Furore sorgte, folgt nun ein weiteres Modell in diesem innovativen Gehäusematerial, dessen außerordentliche Eigenschaften über Jahre praktisch unverändert bleiben. Das in einem elektrochemischen Prozess zur Aluminiumkeramisierung gewonnene Material ist härter als die in der Uhrenherstellung üblicherweise verwendete Keramik oder die Metalle Stahl und Titan. Zudem ist es auch leichter als alle konventionellen Gehäusematerialien. Die "Luminor Marina 1950 3 Days Automatic Composite - 44 mm" (ca. 6400 Euro) birgt das durch einen geschwärzten Saphirglasboden sichtbare Automatikuhrwerk P.9000, das vollständig in der Manufaktur von Officine Panerai in Neuchâtel entworfen und gefertigt wurde.


Streng limitiert

Mit einer limitierten Sonderserie nimmt sich Montblanc 2011 eines historischen Uhrenthemas an, das nahezu in Vergessenheit geraten ist. Die Retrospektive eines legendären Kurzzeitmessers heißt "Vintage Pulsographe" und erscheint in der Kollektion "Villeret 1858". In den 1930er-Jahren, als Armbandchronografen ihre erste Hochblüte erlebten und in vielen Tätigkeiten Anwendung fanden, hatte sich die in Villeret angesiedelte Manufaktur Minerva, die seit 2007 zu Montblanc gehört, bereits zu einem renommierten Chronografen-Spezialisten entwickelt, der auch andere Uhrenhersteller mit Werken belieferte. Minerva bewahrt bis heute ein Archiv mit Emailzifferblättern, deren spezielle Skaleneinteilungen für ganz bestimmte Formen der Zeitmessung bestimmt waren: Segelregatten, produzierte Stückzahlen in einem bestimmten Zeitraum und sogar für Messungen auf die Hundertstelsekunde. An diese große Zeit erinnert auch der "Vintage Pulsographe" mit Emailzifferblatt und Pulszählerskala. Limitierte Serie von 58 Stück in Rotgold um 33.000 Euro.

(Ines B. Kasparek/Der Standard/rondo/04/02/2011)

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