Daunen, die bellen und beißen

6. Februar 2011, 18:18
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Der gefeierte US-Designer Thom Browne ist für eine der Designer-Kollektionen von Moncler zuständig - Stephan Hilpold hat ihn in Mailand getroffen

Thom Browne ist der Theaterdirektor unter den Modemachern. Er designt Kleidung nicht nur, er erzählt Geschichten mit ihnen. Einfache, aber minutiös ausgetüftelte, die ein bisschen an die eindringlichen Fabeln des kanadischen Theatermagiers Robert Lepage gemahnen.

Mailand vor rund zwei Wochen. Die Stadt liegt unter einem frostigen Bodennebel begraben. Weitab vom Stadtzentrum, in der Nähe des Fußballstadiums in San Siro, hat Browne eine riesige Reithalle gemietet. Fünf Dressurreiter versuchen die Pferde still zu halten, während die Models mit jeweils einem oder zwei Beagels an der Leine ihre Laufstegrunden drehen. Die Mode, die sie an diesem Tag für das italienische Modelabel Moncler vorführen, ist von klassischer Jagd- und Reitermode inspiriert. Allerdings wäre Thom Browne nicht Thom Browne, würde er die Kreationen nicht in den kompletten Aberwitz drehen. "Die Herausforderung", erklärt er, "ist, eine Daunenjacke als etwas ganz anderes erscheinen zu lassen." Dafür hat Moncler ihn 2008 engagiert.

Seit damals liefert Browne der italienischen Daunenjackenmarke die Bilder, die sie für ihre Publicity-Zwecke braucht. Er inszenierte die Models im Hüttenlager und am Swimmingpool, im Fußballstadium und jetzt eben in der Reithalle - samt Fanfarenstößen, galoppierenden Pferden und störrischen Beagels. "Die Mode muss zum Leben erweckt werden", sagt er - und die Bilder, ist man geneigt hinzufügen, müssen um den Globus gehen. Mit Kleidungsstücken ohne großartige Verpackung ist das recht schwer zu erreichen. Vor allem wenn es sich beim Kleidungsstück um eine Daunenjacke handelt, an der sich von Saison zu Saison nicht großartig viel ändert.

Gamme Rouge & Bleu

Das hat Moncler-Chef Remo Ruffini, schon bald nachdem er die ehemals französische Marke gekauft hat, erkannt. Er engagierte die Designerin Alexandra Facchinetti, die sich bei der Damenlinie Moncler Gamme Rouge so richtig austobte. (Später wurde sie von Giambattista Valli ersetzt.) Für den Herrenbereich (Gamme Bleu) holte er dagegen Thom Browne, jenen amerikanischen Designer, der in der Männermode für seine ganz speziellen Anzüge bekannt ist. Man darf auch Schrumpfanzüge zu ihnen sagen. Das Dreiknopf-Sakko ist äußerst kurz geschnitten, die Hosen enden weit über dem Knöchel. Der Rest sieht allerdings so proper aus, als sei er von der Stange bei Brooks Brothers.

Thom Browne ist ein Vertreter der klassischen amerikanischen Herrenmode, lange arbeitete er für den Modemacher Ralph Lauren, bevor er 2001 sein eigenes Label gründete. Mittlerweile ist es zu beachtlicher Größe gewachsen, noch einflussreicher ist aber sein Stil, der von Mailand über Paris bis New York eifrig kopiert wird. Mit Moncler, sagt Thom Browne, habe sein eigenes Label aber nichts zu tun.

Preppy-Look bei Moncler

Das ist nur bedingt korrekt. Es ist der Preppy-Look, den Thom Browne hie wie da mit neuen Inhalten füllt. Der stockkonservative Look von den amerikanischen Hochschulen der Ostküste wird bei Browne so ungeniert neu interpretiert, dass man oftmals nicht weiß, ob das wirklich ernst gemeint ist oder ob es sich um ein Verarschen handelt. Natürlich weist Browne Letzteres weit von sich.

"Schauen Sie sich meine neue Mon-cler-Kollektion an", sagt er, "es gibt hier kein einziges Teil, das nicht absolut funktional wäre." Die Frage ist nur, wer einen mit Daunen gefütterten Gehrock im Tartan-Muster oder eine bodenlange Stepptunika wirklich braucht. Aber darum geht es wahrscheinlich nicht.

Die Inszenierungswut, die alle Modeschauen von Thom Browne zu Events macht, über die man zwar nicht großartig grübeln muss, wie bei jenen von Viktor & Rolf, Alexander McQueen oder Maison Martin Margiela, als schlichtweg staunen, betrifft auch Browns Mode.

Wie ein Regisseur, der den üblichen Bühnentricks misstraut, erforscht er die Möglichkeiten, die das Arsenal der klassischen Männergarderobe bereithält. "Ich habe nicht vor, aus Moncler eine andere Marke zu machen", sagt Browne, "sie muss aber auch nicht immer gleich aussehen." Und das weder auf der Skipiste noch im Reitstall. (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/04/02/2011)

  • Bei der Präsentation der jüngsten Moncler-Kollektion von Thom Browne liefen Beagles und Pferde mit.
    foto: hersteller

    Bei der Präsentation der jüngsten Moncler-Kollektion von Thom Browne liefen Beagles und Pferde mit.

  • Thom Browne
    foto: hersteller

    Thom Browne

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